Navi Button
Bistum Chur

Chrisammesse 2018: Homilie von Bischof Vitus Huonder

Brüder und Schwestern im Herrn
„Der Herr hat mich gesalbt“ (Lk 4,18). Mit diesen Worten stellt sich Jesus im heutigen Evangelium vor. Er ist als der Gesalbte des Herrn unter uns. Er ist als König, Priester und Prophet unter uns. Diese drei Salbungen vereinen sich in ihm. Gesalbt ist er, um ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Durch seine Salbung dürfen wir das Geschenk der Erlösung empfangen.

Die Liturgie hat diesen Evangeliumstext für die Feier der Chrisammesse vorgesehen. Denn die Weihe der Öle hat einen eigenen Bezug zum Gesalbten des Herrn, zum Christos. Von seiner Salbung geht jede heilige Salbung aus, von seiner Salbung empfängt jede heilige Salbung ihre Kraft und Wirkung. Hervorheben will ich heute die priesterliche Salbung, die Priesterweihe. Auch sie besitzt ihre Kraft und Wirkung durch den gesalbten Jesus Christus.
Der Hohe Donnerstag ist der Gedenktag der Einsetzung des Sakraments der Priesterweihe. Daher möchte ich gerne ein Wort an die Priester richten, zu ihrer Heiligung, zu ihrer Stärkung und zur Festigung ihrer Berufung. Hat doch der Priester für den Leib Christi, die Kirche, einen besonderen Auftrag empfangen. Das bedeutet allerdings auch, dass der Priester vorbildlich und tadellos leben muss und in keiner Hinsicht Ärgernis geben darf, damit die „Kleinen“ nicht ver-führt werden (vgl. Mt 18,6). Damit die Kleinen nicht verloren gehen (Mt 18,14).

Vertiefen wir die Frage der Identität des Priesters. Was bedeutet es, Priester zu sein? Was bedeutet das Priestertum des Weihesakramentes? Dazu gibt es verschiedene Definitionen und Gesichtspunkte. Zum Beispiel lesen wir im Dekret Presbyterorum Ordinis des Zweiten Vatikanischen Konzils: Damit die Gläubigen zu einem Leib […] zusammenwachsen, hat der gleiche Herr einige von ihnen zu amtlichen Dienern eingesetzt. Sie sollten in der Gemeinde der Gläubigen heilige Weihevollmacht besitzen zur Darbringung des Opfers und zur Nachlassung der Sünden … (2). Die Priester sind also „amtliche Diener mit heiliger Weihevollmacht“ im Hinblick auf das Messopfer und das Sakrament der Versöhnung. Wir dürfen sagen: Dies ist die Mitte des Priestertums, diese heilige Weihevollmacht. Diese heilige Weihevollmacht ist das, was letztendlich das Priestertum ausmacht, wofür der Priester lebt und wofür sein Leben ein Zeugnis sein muss.

Weiter sagt dasselbe Dokument zur Identität des Priesters: Ihr Dienstamt (gemeint: der Bischöfe) ist in untergeordnetem Rang den Priestern übertragen worden; als Glieder des Priesterstandes sollten sie […] Mitarbeiter des Bischofsstandes sein (PO 2). Die Priester sind Mitarbeiter des Bischofs. Sie sollen dem Bischof zur Seite stehen und kraft der Sendung handeln, die sie vom Bischof empfangen haben. Die communio des Priesters mit dem Bischof ist daher wesentlich für das priesterliche Wirken.

Eine weitere Aussage des Dekrets betrifft die Gleichge-staltung mit Christus: Dieses (Sakrament) zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal und macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können (PO 2). Die Priester sind Stellvertreter Christi. Sie sind sein alter ego. Sie sind ein Abbild des Hohen-Priesters Jesus. Sie sind das Instrument seines Wirkens. Der Priester hat den Auftrag, den Herrn als Haupt der Kirche zu vergegenwär-tigen und in seiner Person zu handeln. Im Priester ist der Herr als Haupt der Kirche anwesend. Hervorheben möchte ich die besondere Gegenwart und das besondere Wirken des Herrn im heiligen Messopfer: Durch den Priester vollzieht der Herr sakramental das Opfer des Kreuzes, so dass durch das Wirken des Priesters die Gnade der Erlösung, die Gnade des Kreuzes durch alle Zeiten der Weltgeschichte fließt. Deshalb füge ich bei: Wie heilig muss das Leben eines Priesters sein!

Eine weitere Umschreibung des Priestertums verbindet sich mit dem Wort Gottes. Der Priester steht im Dienst am Wort Gottes. Die erste Aufgabe der Priester als Mitarbeiter der Bischöfe, ist es, allen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden, betont Presbyterorum Ordinis (4). Deshalb wird von ihnen eine große Vertrautheit mit dem Worte Gottes verlangt.

Noch einmal frage ich: Was ist der Priester? Eine der schönsten und zugleicheinfachsten Antworten auf diese Frage hat uns Jesus in den Abschiedsworten des Johannesevangeliums hinterlassen. Diese Worte sind Worte an die Jünger, an die Apostel. Auf heute übertragen, sind es Worte an die Priester. Sie sind sozusagen die monitio, die Ansprache Jesu, zur Priesterweihe der Apostel im Abendmahlssaal. Deshalb sollten die Priester diesen Abschnitt des Johannesevangeliums öfter betrachten. Darin sagt Jesus unter anderm: Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage (Joh 15,12-14). Der Priester muss ein Mann der größeren Liebe sein. Das bedeutet: Im Priester muss sich die größere Liebe Christi inkarnieren. Deshalb wiederhole ich: Wie heilig muss das Leben eines Priesters sein!

Christus hat sein Leben für das Heil der Welt gegeben. Das ist die größere Liebe, die unüberbietbare Liebe. Es ist die Liebe, die Christus ans Kreuz gebracht hat. Es ist die Liebe zu den Seelen, die Liebe, welche das ewige Heil der Seelen bewirkt hat. Das verstehen wir erst dann richtig, wenn wir uns an die Wertschätzung Christi für die Seele des Menschen erinnern: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seiner Seele Schaden zugefügt wird. Um welchen Preis kann ein Mensch seine Seele zurückkaufen?(Mt 16,26). Die offizielle Übersetzung lautet: sein Leben. Doch müssen wir unbedingt am Wortlaut Seele festhalten (wie übrigens auch die Übersetzung von Mt 10,28 lautet; dort wird richtig mit Seele übersetzt). In der Werteskala steht für Christus an erster Stelle die Seele des Menschen, jene Lebenswirklich-keit, welche über das Körperliche, das Materielle, das Sichtbare des menschlichen Seins hinausgeht und an der sich alles entscheidet. Denn, so die Worte des Herrn: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann (Mt 10,28).

Der größeren Liebe willen wählt der Priester das Leben Christi, den Lebensstil Jesu: die Armut, den Gehorsam und die Keuschheit. Er will Christus nachahmen. Denn nur auf diese Weise kann er die größere Liebe leben und sich eben auch für die Freunde – die menschlichen Seelen – hingeben. Die große Liebe entspricht dem großen Gebot. Das große Gebot ist das Gebot der Gottesliebe. Die größere Liebe geht darüber hinaus. Sie muss wohl in der vollen Hingabe an das Erlösungswirken Christi bestehen, in jener Vollkommenheit, welche über das Halten der Gebote hinausgeht und von der Jesus sagt: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach! (Mt 19,21). Von dieser Vollkommenheit muss der Priester durchdrungen sein – von dieser größeren Liebe. Bitten wir den Herrn, dass er die Priester in dieser größeren Liebe nie erkalten lasse. Amen.

 

_____________________________________

Chrisammesse 2018 – Eröffnung

Brüder und Schwestern im Herrn
„Dann schloss er das Buch“, sagt uns der Evangelist Lukas heute über Jesus (Lk 4,20). Er schließt das Buch des Propheten. Er schließt das Buch der Heiligen Schrift. Wir können dies so verstehen: Die Prophetie über den Herrn ist nun zu Ende. Der Herr selber ist da. Er ist unter uns. Er ist da mit seinen Gaben. Er ist da mit seiner Gnade. Diese Gnade erhält heute den konkreten Ausdruck der Öl-Weihe. Die heiligen Öl verweisen auf den Herrn, der heilend, lindern und heiligend unter uns ist.
Die Chrisammesse hat bei uns eine Region übergreifende Bedeutung, da sie uns aus den drei Sprachgegenden sammelt und uns im einen Glauben vereinigt. Das kommt in den Lesungen besonders zum Ausdruck, aber auch im Hochgebet, welches wir heute in der Muttersprache der Kirche halten, in der lateinischen Sprache.
Carissimi, commermoriamo oggi il giorno dell’istituzione sacerdotale. Dedisero dirvi una parola sulla nostra vocazione. Ricordiamo soprattutto le parole di Gesù: „Non vi chiamo più servi … ma vi ho chiamati amici, perché tutto ciò che ho udito dal Padre l’ho fatto conoscere a voi“ (Gv 15,15). Siamo qui nella gioia di amici di nostro Signore. Il fondamento di questa amicizia è il nostro sacerdozio. Oggi soprattutto rendiamo grazie per questo gran dono e rinnoviamo le nostre promesse sacerdotali. Per unire il nostro presbiterio che è diverso anche tramite le lingue, per la preghiere eucaristica ricorriamo alla madrelingua della Chiesa, al latino, segno anche per l’universalità della Chiesa.
Bitten wir nun den Herrn um ein reines Herz, um ein Herz, dass sich immer wieder erneuert in den evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit.

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Mehr lesen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen