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Bistum Chur

Homilie am 15. Sonntag im Jahreskreis in Oberwilen/Schwendi am 16. Juli 2017

Brüder und Schwestern im Herrn

Heute möchte ich ganz besonders ein Wort an die Priester und die Mitarbeiter in der Seelsorge richten. Jesus, unser Herr, holt uns in die Realität zurück. Oft steht uns bezüglich der Glaubensverkündigung ein Ideal vor Augen, welches sich nicht erreichen lässt. Darunter leiden wir und möchten dann gleich alles aufgeben. Wir sagen uns in solchen Augenblicken: Es nützt alles nichts. Was will ich mich weiter abmühen?
Das heutige Evangelium macht uns hellhörig für solche Situationen des Glaubens. Wir müssen auch bezüglich der Verkündigung sowie der gesamten pastoralen Arbeit und deren Ergebnisse Bescheidenheit lernen. Es ist nun mal so: Vieles geht verloren. Das ist nicht einfach unsere Schuld. Es fehlen oft die Voraussetzung für das Fruchtbarwerden der Botschaft des Glaubens.
Es ist sicher gut, wenn wir uns immer wieder prüfen und fragen: Habe ich etwas falsch gemacht? Was muss besser werden? Aber anderseits zeigt uns der Herr, dass es nicht immer an den Boten des Glaubens liegt, wenn etwas nicht gelingt oder gar stirbt. „Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat“ (Mt 13,4-6).
Doch, überhören wir es nicht, der Herr spricht auch vom Erfolg: „Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach“ (Mt 13,8). Wir müssen daher lernen, uns über das zu freuen, was wächst und gedeiht. Wir müssen uns darüber umso mehr freuen, als eben die gesamte Schöpfung, wie es der heilige Paulus sagt, „bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,22). Wir dürfen daher in allem Guten, welches in unserer Welt und in der Kirche geschieht, den Segen Gottes sehen. Ja, wir sollen die Gnade Gottes bewundern, welche in diese Schöpfung hineinwirkt, welche trotz aller Widerstände und gegen alle Widerstände wirkt. So bin ich immer wieder voller Bewunderung vor unseren Berufungen. Immer wieder finden wir Männer und Frauen, welche sich ganz Gott weihen möchten und sich ganz für die Glaubensverkündigung und jeden Dienst in der Kirche einsetzen wollen. Bei allen Rückschlägen, welche wir verzeichnen, dürfen wir immer wieder sagen: Die Gnade wirkt – auch in unserer Zeit.
Soweit es aber an uns liegt, an jenen, welche aufs Feld gehen und säen, müssen wir versuchen, unser Bestes zu geben, auch wenn die Umstände oft gegen uns arbeiten. Denn vom Sämann erwartet man immer die notwendige Sorgfalt und den eifrigen Einsatz.
Wir stehen mitten im Jubiläumsjahr, das unserem Landespatron, dem heiligen Bruder Klaus, gewidmet ist. Bruder Klaus hatte eine sehr hohe Meinung von den Priestern, also von jenen, die aufs Feld gehen, und sähen. Von einem Dominikanerpater ist das folgende Wort des Heiligen überliefert: „… von allen Menschen schätzte und ehrte ich das königliche und priesterliche Geschlecht, das heißt die Priester Christi, so dass, so oft ich einen Priester sah, es mir schien, ich sähe einen Engel Gottes. Erst dadurch, glaube ich, kam ich zu der großen Ehrfurcht und Verehrung für das heiligste Sakrament des Leibes und Blutes Jesu Christi“. Das zeigt uns, in Anlehnung an das heutige Evangelium gesprochen, welche Bedeutung dem Sämann zukommt. Sicher geht es hier um die Amtsperson. Denn Bruder Klaus weiß auch um die Mängel, welche Priester anhaften können, sagt er doch, man solle sich bezüglich des Glaubens auf die Predigt der Priester stützen, auch wenn diese ein schlechtes Beispiel geben. Aber damit unterstreicht er umso mehr die Bedeutung des Priestertums, die Bedeutung des Sämanns. Doch dürfen wir nicht bei der Amtsperson stehen bleiben. Wer ein Amt übernimmt, soll auch um eine entsprechende Lebensführung bemüht sein. Gerade wegen des Amtes muss der Priester und jeder Mitarbeiter in der Seelsorge um die persönliche Heiligkeit bemühen sein und den Herrn bitten, dass er als Priester oder Mitarbeiter in der Seelsorge auch diesbezüglich vorbildlich wirkt. Anderseits müssen wir um heilige Priester bitten, um heilige Säleute. Der heilige Bruder Klaus möge auch für dieses Anliegen Fürbitte einlegen – für unser Bistum, für die Kirche ganz allgemein. Auch diesbezüglich soll der Samen auf guten Grund fallen. Amen.