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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus in der Heiligen Nacht von Weihnachten 2015

Brüder und Schwestern im Herrn,

das Zeichen dieser Nacht, das Zeichen des Heiles und der Erlösung, das Gott uns schenkt, ist das Kind, das Kind in der Krippe: „Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12).

Das Kind in der Krippe hat eine unserer beliebtesten Heiligen angezogen und verwandelt, nämlich die heilige Theresia von Lisieux. Deshalb trägt sie den Namen Theresia vom Kinde Jesus, im Gegensatz zu ihrer Ordensmutter, der Theresia von Ávila, der Theresia von Jesus. Schon früh, nämlich mit 14 Jahren, spricht Theresia von Lisieux immer wieder vom Jesuskind, welches sie im Kloster haben will.

Nun, die Verehrung des Jesuskindes hat bei Theresia einen Zusammenhang mit einem Weihnachtsfest, mit der Christnacht von 1886. Es sind heute 129 Jahre seither. Theresia sagt dazu: „Die Weihnachtsnacht 1886 war für meine Berufung entscheidend; um es deutlich zu sagen, muss ich sie die Nacht meiner Bekehrung nennen. In jener gesegneten Nacht … würdigte mich Jesus, der aus Liebe zu mir Kind wurde, mich aus den Windeln und Unvollkommenheiten der Kindheit herauszulösen. Er verwandelte mich so, dass ich mich selbst nicht wieder erkannte“. Wir müssen wissen, dass Theresia damals dreizehnjährig war.

Was ist in Theresia in jener Nacht wohl vorgegangen? Was hat die Gnade Gottes in ihr in jener Nacht bewirkt? Theresia muss in jener Nacht erkannt haben, dass im Kind Jesus die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen verwirklicht ist. Im Jahr der Barmherzigkeit können wir von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes uns Menschen gegenüber sprechen.

Diese unendliche Liebe Gottes offenbart sich für Theresia vor allem darin, dass Gott Mensch wird. Sie offenbart sich also im Gegensatz Gott – Mensch und in der Vereinigung dieses Gegensatzpaares in der Person von Jesus Christus. Es beeindruckt Theresia die Tatsache, dass der allmächtige Gott, der allmächtige Sohn Gottes, Mensch wird und sein Erscheinen in dieser Welt mit dem Kindsein beginnt; dass sein Erscheinen nicht ein Erscheinen in Herrlichkeit, Vollkommenheit und Macht ist, sondern ein Erscheinen auf dem ordentliche Lebensweg eines Menschen, mit der Empfängnis und der Geburt beginnend. Das beeindruckt die Heilige derart, dass Weihnachten für ihre Berufung entscheidend wird. Immer wieder schreibt sie unter Bildern, welche das Jesuskind darstellen, die Worte: „Jesus, wer hat dich so klein gemacht? – Die Liebe“.

Es ist aufschlussreich, dass Theresia oft davon spricht, dass Jesus Kind wurde in Gegenüberstellung zum großen Glaubensbekenntnis, welches festhält, dass Jesus Mensch wurde.  Jesus wurde Kind. Diese Ausdrucksweise macht uns wie keine andere bewusst, und deshalb kommt die heilige Theresia immer wieder darauf zu sprechen, wie sehr sich Gottes Sohn erniedrigt und entäußert hat. Und dies, um unser Erlöser zu werden. So ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes wirklich der größte Erweise von Gottes Barmherzigkeit, von Gottes erbarmender Liebe, von Gottes Mitleid mit dem gefallenen und durch die Sünde in Not geratenen Menschen. Er hat dafür selbst die Hilflosigkeit und gänzliche Abhängigkeit eines Kindes auf sich genommen.

Möge die Betrachtung des Kindes in der Krippe auch in uns jene Bekehrung bewirken, welche die heilige Theresia so sehr verwandelte, dass sie sich ganz Gott geweiht und Gott gefällig gelebt hat. – „Jesus, was hat dich so klein gemacht? – Die Liebe“. Amen.

 

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