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Amtliche Mitteilungen - Diözesanbischof

Homilie in der Eucharistiefeier am 6. Januar 2010
im Kloster Au in Trachslau

Brüder und Schwestern im Herrn

Paulus spricht heute, am Hochfest der Erscheinung des Herrn, über seine besondere Berufung, über das Amt, welches die Gnade Gottes im verliehen hat. Dieses Amt besteht darin, die Botschaft des Evangeliums über die Grenzen des Volkes Israel hinaus zu den Völkern, zu den Nationen, zu den “Heiden” zu tragen. Das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus und über Jesus Christus, geht über das Volk Israel hinaus. Die Zeit, da Israel alleiniger Träger der Offenbarung und der Gnade Gottes ist, geht mit dem Kommen Jesu Christi in diese Welt zu Ende. Nun werden alle Völker in jene Gemeinschaft eingebunden, die das Volk Gottes bildet. Diese Gemeinschaft heißt Kirche. Die Kirche ist das neue Israel. Dem Volk Israel wird nichts weggenommen. Das Volk Gottes des Alten Bundes wird durch Jesus Christus sogar reicher, reicher dadurch, dass es nicht mehr als Offenbarungsträger den übrigen Völkern gegenüber steht, sondern nun mit allen anderen Völkern eine große Familie Gottes bilden darf. Durch Jesus Christus wird gemäß der Predigt des Apostels Paulus ein Zwiespalt weggeräumt, welcher die Menschheit bisher sozusagen in zwei Klassen schied: Juden auf der einen Seite, Nicht-Juden, auf der anderen Seite. Jesus Christus eint die ganze Menschheit.
Dieser Gedanken wurde das tragende Fundament des Festes Epiphanie oder - wie es im Volksmund heißt - Dreikönige. Die Weisen aus dem Osten, in der deutschen Übersetzung Sterndeuter genannt (Sternkundige könnten wir auch sagen), wurden in der Liturgie bald einmal als die Repräsentanten der Völker verstanden. Möglicherweise waren sie Priester einer östlichen Religion, etwa der persischen. Sie finden den Weg zu Jesus. Sie finden den Weg zum Glauben des Volkes Gottes des Alten Bundes. Sie kommen zum König der Juden und erhalten auf diese Weise Anteil an der Gnade des Bundes, welcher in Jesus Christus erneuert wird, so dass wir schon hier, am Anfang des Matthäusevangeliums, den Übergang vom Alten zum Neuen Bund feststellen können. Epiphanie ist von der Liturgie her jenes Fest, das uns mitteilen soll, dass Christus für alle Menschen geboren wurde, dass der König der Juden nun der König der Völker wird. Deshalb ist auch der Name Epiphanie entsprechend ausgelegt worden. Epiphanie bedeutet ja Erscheinung. Der Sohn Gottes erscheint. Der Sohn Gott zeigt sich. Er zeigt sich auch den Heiden, den Völkern. Für alle Menschen wird er nun erfahrbar und erkennbar. Das ist nicht nur visuell oder intellektuell zu verstehen, sondern existentiell: Es geht nicht nur um ein Sehen oder um ein Wissen, es geht darum, dass Christus so ins Leben der Menschen eintritt, dass er ihre Existenz verändert: Die Menschen werden aus ihrer Dunkelheit herausführt. Jesus macht sie frei, frei von der Not und der Last der Sünde. Er wird ihr Erlöser. Das alles meint Paulus, wenn er sagt: “Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt; jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heide Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium (Eph 3,5-6). Um diese Botschaft zu verkünden, wurde Paulus berufen, so dass er bis heute der Apostel der Heiden oder der Völker genannt wird, und die Liturgie heute dieses Ereignis der weltweiten Wirkung der Geburt Christi feiert. Zurecht werden daher die drei Könige durch drei verschiedene Menschentypen dargestellt. Sie repräsentieren wirklich die Völker, die alle in Christus das Heil erfahren dürfen.
Freilich, dessen müssen wir uns bewusst bleiben: Wer dem Stern nicht folgt, wer die Erscheinung des Herrn nicht wahrnehmen will, nicht hingeht, nicht niederfällt und anbetet (besser als: huldigt), der kann dennoch nicht Miterbe werden. Die Welt hat durch Jesus Christus keinen Freipass der Unbekümmertheit und der Gleichgültigkeit erhalten: Ihr Friede, ihr Wohlergehen, ihr Glück und ihre Zukunft wird davon abhängen, wie ernst sie ihren Erlöser nimmt. Für uns persönlich stellt sich die Frage: Lassen wir den Herrn nicht nur äußerlich, in der Grotte zu Betlehem, erscheinen. Erscheint er in unseren Herzen? Lassen wir ihn durch unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe in unserem Herzen wohnen, und richten wir unser ganzes Leben nach ihm, nach seinen Weisungen und Geboten aus? Amen.


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