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Amtliche Mitteilungen - Diözesanbischof Predigt
von Bischof Vitus Huonder Da sich die Predigt auf Psalm 91 (92) bezieht, wird er vorab gemäss der Vulgata wiedergegeben: Kehrvers: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiches Erbarmen. Psalm 91 (92) Gut ist es, den Herrn
zu preisen, * am Morgen deine Barmherzigkeit
zu verkünden * zur zehnsaitigen
Laute, zur Harfe, * Denn du, Herr, hast
mich durch deine Taten Wie herrlich sind
deine Werke, o Herr, * Der törichter
Mensch erkennt das nicht, * Wenn auch die Sünder
wie Gras gedeihen, Herr, du bist der
Höchste, * Siehe, deine Feinde,
Herr, Doch erhoben wird
mein Horn wie das des Einhorns, * Mein Auge blickt herab
auf meine Feinde; + Der Gerechte gedeiht
wie die Palme, * Die gepflanzt sind
im Hause des Herrn, * Sie tragen Frucht
noch im Alter, * Gerecht ist der Herr,
unser Gott; * Kehrvers: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiches Erbarmen. --------------------- Lieber Bischof Amédée Sie erfüllen
heute das achtzigste Lebensjahr. Dazu möchte ich Ihnen auch hier,
in diesem feierlichen Dankesgottesdienst, meine herzlichsten Glückwünsche
überbringen und Ihnen meinen tief empfundenen Dank aussprechen für
alles, was Sie in den Jahren als Diözesanbischof für das Bistum
an Mühe und Arbeit auf sich genommen haben, aber auch für die
vielen Dienste, welche Sie seither für das Bistum noch leisten. Der Psalm als solcher ist ein Geschenk. Jeder Psalm, jedes Wort der Heiligen Schrift, ist ein Geschenk an uns Menschen, ein Geschenk Gottes, um uns auf unserem Lebensweg zu begleiten, zu lehren, zu erfreuen und zu nähren. Bestimmte Schriftworte sind zudem ein Geschenk Gottes an uns Menschen in bestimmten Situationen und Lebensabschnitten. So scheint mir, dass Psalm 91 auch ein Geschenk ist für den heutigen Tag, für die heutige Feier. Ich habe Psalm 91 in jener Form ausgewählt, wie Sie, lieber Bischof Amédée, ihn als Mönch jahrelang gebetet und gesungen haben, nämlich in der Version der Vulgata. Ich habe dies vor allem mit Blick auf eine Aussage getan, näher hin auf Vers 11: Et exaltabitur sicut unicornis cornu meum; et senectus mea in misericordia uberi. - Doch erhoben wird mein Horn wie das des Einhorns, mein Alter ist reich an Barmherzigkeit. Das Horn ist Ausdruck der Stärke und der Macht. Der Beter, der sich Gott überlassen hat, sieht sein Vertrauen darin belohnt, dass er, aus der Bedrängnis der Alltags kommend, nicht in Schwäche zusammenbricht, sondern kraftvoll weiterzugehen vermag. Der Psalmist betet nicht "ich erhebe mein Horn", sondern "erhoben wird mein Horn". Er weiß, dass die Stärke und Kraft vom Herrn geschenkt wird, dass er alles Gelingen seinem Gott verdankt: "Denn du, Herr, hast mich durch deine Taten froh gemacht; ich will jubeln über die Werke deiner Hände." So hat er in Vers 5 gebetet. Es sind die Taten des Herrn, auf die er sich verlassen hat, die sein Horn erhoben, die ihn auf seinem Weg stärkten und kräftigten. Nun, für die Feier Ihres Festtages, lieber Bischof Amédée, möchte ich die zweite Hälfte von Vers 11 hervorheben: "Mein Alter ist reich an Barmherzigkeit". Das Alter macht uns Sorgen. Mit Recht macht es uns Sorgen. Denn wir werden gebrechlich. Auch der heutige Mensch, der mit einer bedeutend höheren Lebenserwartung rechnen kann als der Mensch früherer Generationen, macht sich über das Alter Sorgen. An der Tatsache nämlich, dass die Kräfte schwinden und wir mit ihnen haushälterisch umgehen müssen, hat sich trotz der höheren Lebenserwartung nichts geändert. Im Alter kommt viel Neues auf uns zu. Einiges wird uns genommen, einiges wird uns gegeben, und das nicht immer zu unserer Freude. Nun, der Psalmist, gestärkt durch seinen Glauben, durch sein Vertrauen in die Taten Gottes, erfährt das Alter als eine Zeit der Gnade, eine Zeit der Barmherzigkeit Gottes. Worin diese Barmherzigkeit besteht, sagt er nicht - oder doch. Mit Blick auf das Psalmenende darf auch der älter werdende Mensch die Taten Gottes preisen: "Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, gedeihen in den Vorhöfen unseres Gottes. Sie tragen Frucht noch im Alter, sie stehen fest und verkünden: Gerecht ist der Herr, unser Gott; an ihm ist kein Unrecht." So ist auch das Alter eine Zeit des Gotteslobes, eine Zeit, da der Mensch das gnadenvolle Walten des Herrn verkünden darf. Das ist das trostvolle und ermutigende im Leben des Menschen, der seinen Weg mit dem Herrn geht: Es gibt keinen Lebensabschnitt ohne Gnade, ohne Barmherzigkeit, ohne Liebe Gottes. Noch im Alter darf der gottesfürchtige Mensch durch das Gotteslob Frucht tragen. Lieber Bischof Amédée, der Herr ist uns, die wir uns für ihn eingesetzt und die wir seine Taten verkündet haben, auch im Alter mit seiner Gnade nahe. Auch das Alter wird zu einer Zeit von Gottes Barmherzigkeit und Treue. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dies immer wieder spüren dürfen und dass Sie dieser Gedanke begleitet und Ihnen hilft, frohen Mutes zu sein - und, wie Sie es immer wieder taten - singend oder eine Melodie summend die Zeit zu bewältigen. Amen.
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