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Amtliche Mitteilungen - Diözesanbischof

Homilie in der Eucharistiefeier vom 8. März 2010
in der Kathedrale Chur anlässlich des Treffens mit jungen Priestern

 

Meine lieben Mitbrüder,

noch klingt uns das Wort des Herrn in den Ohren: “Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt” (Lk 4,24). Im Zusammenhang des Evangeliums bezieht sich dieses Wort auf Jesus selber. Er ist einer der nicht anerkannten Propheten.
Dieses Wort steht im Aufriss des Evangelisten Lukas ganz am Anfang des Wirkens Jesu. Es ist das Leidmotiv, welches das Evangelium prägt. Das Evangelium des Lukas ist die Geschichte eines nicht anerkannten Propheten, die Geschichte des nicht anerkannten Propheten, des einzigartigen Propheten, der eben mehr ist als ein Prophet: Die Geschichte des Sohnes Gottes Jesus Christus. Hier schon, am Anfang, tritt das ganze Schicksal Jesu vor Augen, und so endet dieser Abschnitt denn mit dem Hinweis des Evangelisten: “Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg” (Lk 4,29-30). So werden schon am Anfang des Evangeliums das Leiden, der Tod - aber auch die Auferstehung und Herrlichkeit des Herrn angezeigt: Der Zorn der Leute ergießt sich über ihn, er stirbt vor der Stadt, geht aber doch über alles erhaben aus Erniedrigung und Tod hervor.
Der Priester ist ein Jünger Christi. Er hat sich ganz Jesus übergeben und lebt als Abbild, als Ikone des Herrn. Sein Leben in der Armut des Geistes, im Gehorsam des Glaubens und in der Keuschheit um des Himmelreiches willen sollen in ihm das alter ego Christi erkennen lassen. Er soll ein anderer Christus sein. Er soll ganz in der Person Christi eingetaucht, den Herrn selber zur Geltung bringen. In ihm soll Christus und sein Wirken erkannt werden. Deshalb muss der Priester sich immer wieder zurückziehen, in die Kammer seines Herzens einkehren und sich prüfen, ob er dem hohen Anspruch entspricht, oder ob er in irgend einer Weise das Bild Christi verdunkelt und entstellt. So ist denn auch die regelmäßig heilige Beichte für den Priester unabdingbar. Sie wird zur Gelegenheit, das Bild Christi im Priester zu reinigen und zu neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die heilige Beichte wird zum steten Anlass, das Leben des Jüngers zu erneuern, das Ideal der Nachfolge aufzufrischen und das Kreuz wiederum mit Mut und Kraft auf sich zu nehmen und dem Herrn nachzutragen. Eben die Fastenzeit führt uns das Leiden des Herrn erneut vor Augen und lässt die Bedeutung der vorbehaltlosen Nachfolge erkennen. Wir dürfen den Herrn in seiner Erniedrigung und Todesangst nicht allein lassen.
“Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt”, sagt der Herr und zeigt damit sein eigenes Schicksal an. Bei uns stellt sich daher die Frage: Sind wir mit dem Herrn so stark eins, dass wir ihm auch in dieser Situation rückhaltlos, mutig und unbeirrt folgen, oder neigen wir zu Kompromissen mit der Welt, mit Modetrends, mit politischem Kalkül, um Anerkennung und Lob zu finden?
Es soll für uns Anerkennung und Lob geben, wenn wir auf dem Weg des Glaubens, auf dem Weg der Kirche, dem Herrn auch dann folgen, wenn es für uns schwer wird, und wenn wir nicht mehr mit dem Verständnis unserer Umgebung rechnen können. Das tritt dann ein, wenn man von uns Dinge verlangt, die wir auf Grund des Glaubens und der Weisungen der Kirche nicht erfüllen können; wenn wir sagen müssen: “Das lässt sich nicht mit dem vereinbaren, was der Herr will und was er uns durch die Kirche kundtut.” Ein Nein unsererseits wird dann auch zum Anlass der Vertreibung: “Sie trieben Jesus zur Stadt hinaus.” Mutig müssen wir auch solche Situationen in Kauf nehmen. Es gilt mit dem Herrn solidarisch zu sein, der “in seiner Heimat” nicht anerkannt war und die Verkündigung des Himmelreiches sowie die Werke Gottes mit dem Tod bezahlt hat. Sind wir mit dem Herrn bis dahin solidarisch? Das ist die entscheidende Frage.
Doch der Evangelist bleibt nicht dort stehen, wo es heißt: Sie “wollten ihn hinabstürzen”. Nein, der heilige Lukas weist auf die Souveränität des Herrn hin, der durch die Menge schritt und weg ging. Wenn der Priester wahre Ikone des Herrn ist, wenn er sich in jeder Hinsicht mit dem Herrn identifiziert und ihm gegenüber jederzeit seine Solidarität bekundet, wird auch er Anteil an dieser “Überlegenheit” des Herrn erhalten. Das heißt letztendlich: Der Herr nimmt ihn mit ins Leiden, er nimmt ihn mit ans Kreuz, er nimmt ihn ebenso mit ins “Weggehen”, in die Auferstehung und in die ewige Herrlichkeit. Wer hier auf Erden Ikone des Herrn ist, wird es auch am Tag des Heimganges und am Tag der Auferstehung sein.
Ich bitte Euch, meine lieben Priester, die ihr mit mir, dem Bischof, und in organischer Verbundenheit mit dem Bischofsamt, in persona Christi capitis wirken sollt, eure Hingabe an den Herrn zu erneuern und die Liebe des Ursprungs, des Anfangs, diese schöne Liebe (vgl. Sir 24,18), wiederum zu entfachen. Lasst keine Traurigkeit in euer Leben eindringen, keine Verzagtheit, keinen Kleinmut, aber auch keine Gleichgültigkeit, keinen Hochmut, keine Bitternis, keinen Eigenwillen, sondern erbittet vom Herrn jederzeit die Freude an eurer Berufung und die Fähigkeit der Ganzhingabe an euren priesterlichen Dienst, vor allem für den Vollzug der höchsten Gabe, die uns geschenkt ist, der Feier der heiligen Messe, des unblutigen Opfers unseres Herrn Jesus Christus. So werden die Menschen euch als Diener des Herrn erkennen können, als Jünger des Propheten, der nicht anerkannt wurde, sich aber in der Auferstehung als wahr und heilig und in seiner Wesenheit als Sohn Gottes erwies. Die selige Jungfrau Maria, die Mutter der Priester, stehe euch bei und begleite euch. Amen.


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