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Amtliche Mitteilungen - Diözesanbischof Homilie in der Hl. Messe an Neujahr 2012 Jahr des Glaubens 2012 - 2013 Brüder und Schwestern im Herrn "Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war" (Lk 2,20), so das heutige Evangelium, das Evangelium von Neujahr. Die Hirten erscheinen uns als Menschen, welche auf die Botschaft Gottes hören, ihr nachgehen, ihren Wahrheitsgehalt entdecken und das Wort des Heiles weitersagen. Sie sind ein Vorbild für den Glauben, für den Glauben im Verständnis des Evangeliums, der Heiligen Schrift; ebenso für die Weitergabe des Glaubens. Am 11. Oktober des vergangenen Jahres hat unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., mit dem Apostolischen Schreiben Porta Fidei ein Jahr des Glaubens ausgerufen. Es soll vom 11. Oktober 2012 bis zum 24. November 2013 dauern. Von daher kommt mein Wunsch: Das ganze Jahr 2012 möge ganz unter dem Zeichen des Glaubens stehen, bis zum 11. Oktober gleichsam als Zeit der Vorbereitung in unserem Bistum, danach als Zeit des Glaubensweges mit der ganzen Kirche. Der Ausdruck Glaube findet eine vielfältige Anwendung. Er reicht von der Annahme eines Sachverhalts bis zu einer tiefen menschlichen Beziehung. "Ich glaube" heißt etwa "ich nehme an", "ich gehe davon aus", "ich vermute". Damit ist sehr oft eine Art Unsicherheit verbunden oder auch eine bestimmte Unkenntnis. "Ich weiß nicht, ob es so ist, aber ich nehme es einmal so an." "Ich glaube" bedeutet aber auch, dass ich in jemanden Vertrauen habe. So heißt "ich glaube dir" sehr oft so viel wie "ich vertraue dir", "ich bin überzeugt, dass du mir die Wahrheit sagst; dass du es gut mit mir meinst; dass ich auf dich bauen kann". "Glaube" beginnt im zwischenmenschlichen Alltag und führt uns bis hin zu Gott. Letzteres meine ich, wenn ich nun einige Gedanken zum Glauben sage. Es geht um die Beziehung zu Gott. Der Glaube richtet den Menschen zunächst auf Gott aus. Durch den Glauben baut er ein Verhältnis zu Gott auf. Er entwickelt eine bestimmte Vorstellung von Gott. Er malt sich Gott so und so aus. Auf diese Weise erhalten wir eine bunte Fülle von sogenannten Gottesbildern. In einem bestimmten Sinn gibt es so viele Gottesbilder wie Menschen. Doch "Glaube" ist mehr als eine persönliche Vorstellung von Gott, mehr als eine vom Menschen her aufgebaute Beziehung zu Gott, zu einem höchsten Wesen, zur sogenannten Transzendenz (zum Überirdischen). "Glaube" ist letztendlich eine Gabe Gottes. Glaube ist eine Gabe Gottes, welche daraus hervorgeht, dass Gott auf uns zukommt. Gott gibt sich uns. Für diesen Vorgang hat die Sprache der Theologie den Ausdruck Offenbarung geprägt. Gott kommt auf den Menschen zu und eröffnet ihm sein eigenes göttliches Wesen und sein Handeln, seinen Ratschluss. Gott überlässt den Menschen nicht einer ungewissen Spekulation über ihn, nein, er zeigt dem Menschen, wer er wirklich ist, und was er mit dem Menschen wirklich beabsichtigt. Deshalb kommen wir im Glauben nur dann voran, wenn wir uns auf Gottes Offenbarung einlassen, wenn wir hinhören, was Gott über sich und sein Wirken sagt, wenn wir den Glauben als Gabe Gottes annehmen. Damit möchte ich auf die Hirten des heutigen Evangeliums zurückkommen. Sicher hatten diese Hirten ihre Vorstellung von Gott. Wir dürfen auch davon ausgehen, dass sie nicht nur Spekulationen über Gott anstellten, sondern dass sie mit jener Offenbarung Gottes vertraut waren, welche inmitten des Volkes Gottes Israel über Jahrhunderte vor Christi Geburt hinweg weitergegeben wurde: Durch Abraham, durch Moses, durch die Propheten, durch die inspirierten Verfasser der Heiligen Schrift des Alten Bundes. In diesem Sinn hatten sie schon viele Vorkenntnisse des Glaubens und waren in diesem Glauben verankert. Doch was bei ihnen bemerkenswert ist - vor allem auch im Vergleich mit den Theologen der Zeit Jesu, die unserem Herrn nicht glaubten und ihn immer wieder auf die Probe stellten: Sie, die Hirten, bleiben nicht nur bei Vergangenem stehen. Sie öffnen sich dem neuen Wirken Gottes, dem Wirken Gottes in Jesus Christus. Sie lassen Gott und seine neue Botschaft auf sich zukommen und nehmen mit Freude die Kunde des Engels an. Sie gehen auf Gottes Offenbarung ein. Im Katechismus meiner Jugendzeit stand zu Beginn der Darlegung des Glaubensbekenntnisses die Frage: "Was heißt glauben?" Darauf folgte die Antwort: "Glauben heißt, alles fest für wahr halten, was Gott geoffenbart hat ...". Die Hirten haben wirklich "fest für wahr" gehalten, was Gott ihnen durch den Engel sagen ließ. Sie haben sich auf den Weg gemacht. Sie haben den Erlöser gefunden. Sie haben diese Botschaft weitergetragen. Sie haben darüber Gott gelobt. Das ist der Weg des Glaubens - des Glaubens, der mehr ist als eine persönliche Vorstellung von Gott; des Glaubens, der die Wahrheit ist, die Gott uns eröffnet und durch die wir frei werden, wie es Jesus einmal sagte (vgl. Joh 8,32); frei, glücklich, unbeirrt, auf Gottes Wort gegründet, von Gott selber und seiner Gnade umfangen. Beginnen wir das Neue Jahr mit diesem Glauben, mit der Annahme des Glaubens, der uns fest in Gott verankert. Wir wollen "fest für wahr halten", was Gott uns ganz besonders durch seinen Sohn offenbart hat. Wir wollen Gott ernst nehmen, um Gott zu lieben. Amen.
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