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Bistum Chur

Beispiel 1 für einen Antrag zur Nichtigerklärung einer Ehe

Sandra Meier
Herbstweg 77
8051 Zürich

An das
Bischöfliche Offizialat
Hof 19
7000 Chur

Zürich, 15. November 2002

 

 

 

Feststellung der Nichtigkeit meiner Ehe mit Peter Hofer
Sehr geehrter Offizial

Hiermit bitte ich Sie, meine mit Herrn Peter Hofer kirchlich geschlossene und inzwischen zivilrechtlich wieder geschiedene Ehe auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen.

Personalien
Meier Sandra
Tochter des Franz und der Maria, geborene Hugentobler
Arztgehilfin
Herbstweg 77, 8051 Zürich
Geburtsdatum: 29.11.1969
Konfession: röm.-kath.

Peter Hofer
Sohn des Urs und der Franziska, geborene Frischknecht
Maurer
Neuwiesenstrasse 44, 8600 Dübendorf
Geburtsdatum: 22.06.1967
Konfession: reformiert

Wir haben am 20. Mai 1997 in Zürich zivil und am 23. Mai 1997 kirchlich in der katholischen Kirche von Uster geheiratet. Wir haben ein gemeinsames Kind: Vanessa, sie ist am 24. April 1999 geboren.

Kennengelernt haben wir uns durch Kollegen. Früher waren wir eine Clique, die sich samstags immer bei der Jugendarbeit getroffen hat. Das fiel dann irgendwann auseinander, da die Jüngeren irgendwie unsere Aufgaben übernommen haben. Einige trafen sich dann einfach noch so, um etwas zusammen zu unternehmen. Mein Exmann kam über Bekanntschaften dazu. Wir hatten zuerst nur ein freundschaftliches Verhältnis, bis irgendwann mehr daraus wurde. Es war irgendwann einmal klar, dass wir die Zukunft zusammen verbringen würden.
Da er es zu Hause nicht einfach hatte und ein Zusammenleben vor der Heirat für uns nicht in Frage kam, heirateten wir vier Jahre später. Ich wollte ihm alles geben, was er in seiner Kindheit vermisst hatte. Etwa drei Monate vor dem ‘ersten‘ Heiratstermin hatte mein Exmann einen schweren Autounfall. Ob der Unfall etwas mit Drogen zu tun hatte, weiss man nicht genau. Auf jeden Fall erfuhr ich damals, dass er drogenabhängig war, denn im Spital fiel er bald durch sein merkwürdiges Benehmen auf. Schliesslich kam heraus, dass er unfreiwillig auf Entzug war. Während der zwei Monate, die er im Spital war, wurde dann unter ärztlicher Kontrolle ein Entzug gemacht. Ich dachte, nun sei das ganze ausgestanden, es werde wieder alles so sein, wie es einmal war. Es schien auch so. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht allzu viel über Drogen. Ich konnte mir nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn man einmal abhängig war. Ich war sicher, dass er aufgehört hatte. Wir freuten uns auf die gemeinsame Zukunft und bereiteten alles für die Hochzeit vor. Die Hochzeitsfeier verlief schön und ohne irgendwelche Zwischenfälle.

Leider kam aber bald nach der Heirat heraus, dass mein Mann nicht aufgehört hatte, Drogen zu konsumieren. Es begannen wieder Versuche, von der Droge loszukommen. Wir gingen ein Jahr lang in eine Familientherapie und gleichzeitig zu wöchentlichen Gesprächen zum Arzt. Es ging einfach immer auf und ab. In der Zwischenzeit wurde unsere Tochter geboren. Es stellte sich leider heraus, dass sie schwer nierenkrank war. Da kamen ein längerer Spitalaufenthalt und wöchentliche Besuche beim Kinderarzt sowie regelmässige Besuche im Kinderspital Zürich auf mich zu. Dazu musste mein Mann nach dem Spitalaufenthalt mit einer lange dauernde Physiotherapie beginnen. Das alles war zwar streng, wenn man nebenbei noch arbeitet, aber das beachtet man nicht, wenn der Rest stimmt. Das heisst, wenn man sich nicht noch täglich Sorgen um das ‘grosse‘ Kind machen muss. Dass er unser ganzes Geld verpulvert hat und sogar mit der Polizei zu tun bekam, war schon schlimm genug. Als ich dann im letzten Moment verhindern konnte, dass unsere Wohnung abgebrannt ist, weil mein Exmann auf einem Drogentrip einen Brand gelegt hat, stand für mich fest, was zu geschehen hatte. Ich habe mich für meine Tochter entschieden. Die vielen Drogenepisoden im Leben meines Exmannes und seine Unfähigkeit, im Leben Verantwortung zu übernehmen, haben es für mich als völlig klar erscheinen lassen, dass er aufgrund seiner Sucht unfähig ist, ein verlässlicher Ehemann zu sein. Ich reichte schliesslich die zivile Scheidungsklage ein. Mit Datum vom 30. November 2001 wurden wir zivilrechtlich geschieden. Das Sorgerecht wurde mir zugesprochen. Bis jetzt war mein Exmann nicht in der Lage, Unterhaltszahlungen zu leisten. Er ist weiterhin in den Drogen.

Ich bin der Überzeugung, dass mein Exmann aufgrund seiner Drogenkrankheit, die schon vor der Eheschliessung bestand, nicht in der Lage war, die Verpflichtungen, die man als Ehepartner übernehmen muss, auch wirklich zu übernehmen. Darum halte ich diese Eheschliessung für von Anfang an nichtig und bitte Sie, mein Gesuch wohlwollend zu prüfen.

Beiliegend finden Sie den Eheschein, einige medizinische Dokumente, die die Drogensucht meines Exmannes belegen, sowie verschiedene seiner Briefe, die er mir im Verlaufe der Ehe geschrieben hat.

Als Zeugen, die den Verlauf der Ehe miterlebt haben, möchte ich nennen:

Meine Eltern, Franz und Maria Meier, Friesenbergstrasse 158, 8055 Zürich
Meine Schwester, Petra Bürgisser-Meier, Blumenweg 5, 5303 Würenlingen
Meine Freundin, Carmen Strasser, Obstgartenstrasse 14, 8006 Zürich
Sicher wären auch die Eltern von Peter und dessen Bruder Andreas als Zeugen zu nennen. Die Familie Hofer scheint aber umgezogen zu sein, anfangs 2001 wohnten sie noch in Wohlen AG, am Büelrain 22.
Mit bestem Dank und freundlichen Grüssen

UNTERSCHRIFT
(Sandra Meier)

Beilagen: erwähnt

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