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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus anlässlich der Priesterweihe vom Samstag, 11. Juni 2016 in Chur

„Segne deine Diener, die du zu Priestern erwählt hast! Segne und heilige deine Diener, die du erwählt hast! Segne, heilige und weihe deine Diener, die du erwählt hast!“

Liebe Diakone und Weihekandidaten
Wir stehen unmittelbar vor der Priesterweihe. In einigen Augenblicken werdet Ihr nach Eurer Bereitschaft gefragt, nach der Bereitschaft, den Auftrag eines Priesters zu erfüllen: als Mitarbeiter des Bischofs, als Lehrer des katholischen Glaubens, als Spender der Sakramente, als Männer des Gebetes, als Helfer der Menschen in Not, als Opfergabe zum Heil der Menschen. Auch werdet Ihr dem Bischof gegenüber Ehrfurcht und Gehorsam versprechen. Durch diese Bereitschaftserklärung folgt Ihr dem Ruf und Befehl des Herrn: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus“ (Mt 10,7-8).  
    Die Kirche freut sich über diese Eure Bereitschaft; sie weiß sich aber auch verpflichtet, Euch im Gebet zu begleiten. Sie weiß, dass Ihr ohne den Beistand Gottes diese Aufgabe nicht zu erfüllen im Stande seid. Deshalb geht der Weihe die Bitte um Gottes Erbarmen und um die Fürsprache der Heiligen voraus. Es geht die Allerheiligenlitanei voraus. Während diesem großen Bittgebet werdet Ihr ausgestreckt auf dem Boden liegen. Das ist ein Zeichen Eurer Demut und Ergebenheit dem Herrn gegenüber. Damit kommt aber auch zum Ausdruck, dass der Herr Euch aufheben, aufrichten muss; dass Ihr ohne seine Kraft und Gnade schwache, der Erde verhaftete Menschen seid und seinem Ruf aus eigenem Vermögen nicht entsprechen könnt.
    Nun, innerhalb dieses großen Bittgebets, dieser Litanei, wenden wir uns mit jenen Worten an den Herrn, welche ich eingangs aufgegriffen habe: „Segne deine Diener, die du zu Priestern erwählt hast. Segne und heilige deine Diener, die du erwählt hast. Segne, heilige und weihe deine Diener, die du erwählt hast“. Dreimal bittet die Kirche den Herrn um die Gnade des Priestertums, und dies in einer gesteigerten Form. Es ist eine inständige Bitte. Es ist eine dringende Bitte. Sie benennt das, was Ihr durch Gottes Gnade kraft der Priesterweihe sein werdet und was Euer Leben nun prägen soll, oder noch mehr prägen soll: Segen, Heiligkeit, Weihe. Darüber wollen wir nochmals nachdenken.
    Die Kirche bittet zunächst um den Segen: „Segne deine Diener“. Der Segen bedeutet: „Gutes soll auf Euch ruhen, die Güte Gottes soll Euch begleiten“. Der Segen bedeutet aber noch mehr: „Ihr sollt selber ein Segen werden für die Menschen. Ihr sollt selber, wie Abraham, ein Segen werden für die Menschen“. Der Segen bedeutet zudem: „Vor dem Bösen sollt Ihr geschützt sein und daher auch die Menschen durch Eure priesterliche Gegenwart und Euer priesterliches Handeln vor dem Bösen schützen“. Sagt doch Jesus im Evangelium: „Treibt Dämonen aus“.
    Die Kirche bittet alsdann um die Heiligung: „Segne und heilige deine Diener“. Ihr werdet vom Herrn geheiligt. Die Weihe macht Euch zu heiligen Menschen. Denn nur als geheiligte Menschen, könnt Ihr ein Segen werden. Die Heiligung aber verlangt, dass Ihr auch heilig lebt. Der Priester ist zu einem heiligen Leben berufen. Er ist zu einem vorbildlichen Leben bestimmt. Er muss ein Vorbild sein auf Gott hin. Durch Euch sollen die Menschen lernen, für Gott zu leben. Das sagt die Lesung heute über Barnabas: „Denn er war ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und vom Glauben“ (Apg 11,23). Das erbittet die Kirche auch für Euch: Dass Ihr treffliche Männer seid, die vom Heiligen Geist und vom Glauben erfüllt sind. Die Lesung fügt dieser Beurteilung gleich an: „So wurde für den Herrn eine beträchtliche Zahl hinzugewonnen“ (Apg 11,24). Durch ein heiliges Leben sollt auch Ihr eine beträchtliche Zahl für den Herrn hinzugewinnen. Denn Ihr werdet nicht nur für Euch geheiligt, um selber heilig zu sein. Sondern Ihr werdet auch dazu geheiligt, um die Welt zu heiligen und die Menschen zur Heiligkeit zu führen.
    Die Kirche bittet alsdann um die Weihe: „Segne, heilige und weihe deine Diener“. Damit führt uns das Bittgebet zur Quelle der ganzen Handlung, zur Quelle des Segens, zur Quelle der Heiligung, eben zur Weihe. Hier ist mit der Weihe das Sakrament der Priesterweihe gemeint. Durch die Taufe seid Ihr ja schon Geweihte. Auch durch die Diakonenweihe seid Ihr Geweihte. Aber hier geht es um die Priesterweihe. Es geht um das Betrautwerden mit dem priesterlichen Dienst. Ihr werdet hineingenommen ins hierarchische Priestertum, das sich dem Wesen nach vom allgemeinen Priestertum unterscheidet (vgl. Lumen gentium 10). Die Weihe stellt Euch ganz in den Dienst des Herrn. Durch die Priesterweihe beansprucht Euch der Herr, in einer außerordentlichen Weise zu wirken, nämlich in seiner Person, und nicht nur in seiner Person, sondern in seiner Person als Haupt der Kirche; in seiner Person als Hoherpriester der Kirche. Dieses Wirken hat seinen höchsten Ausdruck im Auftrag, die Heiligen Messe zu feiern, das Kreuzesopfer gegenwärtig zu setzen, und in der Vollmacht, Sünden zu vergeben. Deshalb bitte ich Euch dringend: Nehmt diese Vollmacht wahr, diese Vollmacht, die aus der Weihe hervorgeht. Geht mit dieser Vollmacht gewissenhaft um. Dabei möchte ich die Vollmacht zur Feier des heiligen Messopfers hervorheben. Denn damit sind wir beim Urquell aller Gnaden. In der überlieferten Weiheliturgie – im ritus antiquior – ermahnt der Bischof die Neupriester am Schluss der Feier, unmittelbar vor dem Segen, mit den Worten: „Weil das Amt, das ihr künftig zu verwalten habt, mit Gefahr verbunden ist, ermahne ich euch, dass ihr die Ordnung der ganzen  Messe, die Konsekration sowie die Brechung der Hostie und die heilige Kommunion von anderen gut unterwiesenen Priestern lernt, bevor ihr selber zur Feier der Heiligen Messe schreitet“. Das ist ein Lernprozess auch nach der Weihe. Der Bischof will mit diesen Worten jeder Profanierung des allerheiligsten Sakraments zuvorkommen. Damit ist die Gefahr gemeint, welche er in seiner monitio erwähnt. So gebe auch ich Euch, liebe Weihekandidaten, die inständige Bitte mit: Feiert die heilige Eucharistie immer mit Sorgfalt, großer Ehrfurcht und tief empfundener Liebe zum Herrn und beachtet genau die Ordnung der Kirche, damit keine Verwirrung entsteht.
    „Segne deine Diener, die du zu Priestern erwählt hast. Segne und heilige deine Diener, die du erwählt hast. Segne, heilige und weihe deine Diener, die du erwählt hast“. Möge sich diese Bitte der Kirche an Euch und durch Euch so erfüllen, dass wie vom heiligen Barnabas auch von jedem von Euch gesagt werden kann: „Er war ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben“ (Apg 11,23). Amen.