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Bistum Chur

Homilie von Bischof Vitus am 1. Adventssonntag in der Kapelle des Kantonsspitals Chur

Meine Lieben,

heute ist der erste Adventssonntag. Das Wort Advent kommt aus dem Latein und heißt Ankunft. Wer kommt da an? Der Herr kommt an. Das will sagen: Gott macht sich auf den Weg zu uns. Gott kommt uns entgegen. Gott kommt uns in seinem Sohn entgegen. Darauf bezieht sich auch das Evangelium mit den Worten: „Denn der Menschensohn kommt“ (Lk 24,44). Er kommt zwar zu einer Stunde, in der wir es nicht erwarten (vgl. auch Lk 24,44). Aber wir haben die Gewissheit, dass er kommt. Das ist für uns entscheidend.
Das Wort aus dem Evangelium bewirkt in uns Freude, aber auch Sehnsucht. Wir freuen uns, dass Gottes Sohn kommt. Wir freuen uns, dass er schon gekommen ist und wir jedes Jahr diese Ankunft Gottes feiern dürfen, nämlich an Weihnachten. Zugleich aber haben wir auch Sehnsucht, Sehnsucht nach seinem zweiten Kommen, nach der unerwarteten Stunde. Denn Jesus ist von uns gegangen – das feiern wir mit Christi Himmelfahrt. Er ist zum Vater zurück gekehrt. Er ist aber von uns gegangen mit dem Versprechen wieder zu kommen. Auf diese Wiederkunft warten wir voll Sehnsucht.
Um diese Zeit des Wartens auszufüllen und vernünftig zu verbringen, um uns „bereit zu halten“, wie es das Evangelium sagt, bleiben wir nicht tatenlos, vor allem nicht gleichgültig. Wir legen nicht einfach die Hände in den Schoß. Wir gestalten diese Zeit. Wir gestalten sie mit Gebet, mit Lesung und Meditation der Heiligen Schrift, mit Gottesdienst, mit einer nützlichen Arbeit, kurzum, mit einem Leben, das auf Gott ausgerichtet ist. Wir leben vor Gottes Angesicht.
Wir geben dieser Zeit auch eine Struktur des Glaubens. Diese Struktur nennen wir das Kirchenjahr, mit seinen verschiedenen Abschnitten, Formen und Feiern. Mit anderen Worten: Wir gestalten das Jahr nicht nur von den zivilen Gegebenheiten her, wir gestalten es als eine Zeit des Glaubens, eine Zeit, welche vor allem nach Jesus ausgerichtet ist und sich vom Leben und Wirken unseres Herrn inspirieren lässt. Auf diese Weise prägt Jesus, prägt der Glaube unseren Alltag.
So beginnen wir heute das Kirchenjahr, das Kirchenjahr 2013 / 2014. Wir setzen diesen Beginn wiederum, wie jedes Jahr, mit dem Advent, mit jener Zeit, die uns ganz besonders an das Kommen Gottes erinnert und uns auf die Ankunft des Herrn vorbereitet.
Wir freuen uns in dieser Zeit eigens über das immer größer werdende Licht, das Licht des Adventskranzes. Dieses Licht erinnert uns an die heutige Lesung aus dem Propheten Isaias: „Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“ (2,5). Es ist das Licht, das uns Hoffnung gibt, Hoffnung auch in der Krankheit, in der Schwäche und in unserer menschlichen Hinfälligkeit. Es ist das Licht, das uns in so manchen Stunden der Dunkelheit und der Ungewissheit leuchtet und uns immer wieder mit Mut, Geduld und Zuversicht voranschreiten lässt. Deshalb wiederhole ich: „Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“ (2,5). Amen.