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Bistum Chur

Homilie von Bischof Vitus Huonder am Hochfest von Allerheiligen am Freitag, 1. November 2013, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

„Findet Eure Zahlen, findet Euer Glück“. Das ist ein Werbespot für das Zahlenlotto. Er ist überall anzutreffen und wird sicher seinen Erfolg haben. Denn wer die richtigen Zahlen findet und anzeichnet, ist Gewinner einer hohen Summe Geld. Das lockt die Menschen. Denn jeder trägt in sich das Verlangen nach Glück, das Verlangen nach Gewinn, letzendlich das Verlangen nach einem Leben ohne Sorgen, nach einem erfüllten Leben. Der Mensch möchte einfach sein. Dazu braucht es Sicherheit. Diese Sicherheit gibt uns, in einem gewissen Maß jedenfalls, eine ausreichende materielle Grundlage, unter anderm eben ein ansehnlicher Gewinn. Deshalb steht hinter dem Werbespot „Findet Eure Zahlen, findet Euer Glück“ eine gute psychologische Kenntnis des Menschen.
Auch Jesus hat diese gute psychologische Kenntnis und wendet sie an. Er nimmt das Verlangen des Menschen nach Glück wahr. Ihm ist dieses Verlangen bekannt. Er weiß wie kein anderer, was im Menschen ist, was im Menschen steckt. Das bezeugt uns der heilige Johannes: „Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist“ (2,24-25).
Weil Jesus das Verlangen des Menschen kennt, macht er den Menschen in seiner Art, eben nicht in der Art des Werbespots, auf das Glück aufmerksam. Er sagt nicht: „Findet Eure Zahlen, findet Euer Glück“. Vielmehr sagt er: „Selig, die Armen im Geiste, denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Das ist der Werbespot unseres Herrn. Das ist allerdings nicht ein Werbespot für einen zeitlichen, sondern für einen ewigen Gewinn. Diesen Gewinn umschreibt er mit dem Himmelreich (Mt 5,3.10), mit dem Lohn im Himmel (Mt 5,12). Das ist aber nicht nur eine Möglichkeit eines Gewinns unter anderen Gewinnen, das ist der Gewinn schlechthin.
„Findet Eure Zahlen, findet Euer Glück“. Wir haben vor allem den zweiten Teil dieses Werbespots berücksichtigt. Werfen wir noch einen Blick auf den ersten Teil. Es geht auch beim Himmelreich, beim Lohn im Himmel, um das Finden. Ich muss den Zugang, den Schlüssel zum Glück finden. Wie dieses Finden vor sich geht, dazu gibt Jesus die entsprechenden Hinweise: Wir finden die richtigen Zahlen zum ewigen Gewinn durch den Geist der Armut, durch die Trauer – eine Trauer vor allem ob der Not der Sünde – , durch die Gewaltlosigkeit, durch den Hunger und den Durst nach Gerechtigkeit, durch die Barmherzigkeit, durch die Reinheit des Herzens, durch die Versöhnung, durch das Aufzeigen der Wege zum Frieden, durch die Verfolgung der Gerechtigkeit wegen – das heißt des Glaubens wegen -, durch die Verfolgung um des Namens Jesu willen. Mit diesen Hinweisen, die immer Aspekte des Glaubens, der Bindung an Gott aufzeigen, sagt uns Jesus: Findet Eure Zahlen. Wer Jesus in dieser Hinsicht ernst nimmt und auf diese Werte setzt, findet sein Glück, nicht unbedingt sein irdisches Glück, aber das Glück nach der Vollendung dieses Lebens.
Ein letztes Wort: Der heutige Tag, Allerheiligen, ist wohl der Tag des Werbespots „Findet Eure Zahlen, findet Euer Glück“. Es war ja in der ersten Lesung die Rede von den „hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels“ (Offb 7,4), die mit dem Siegel gekennzeichnet waren, also mit dem Zeichen der Rettung. Es war die Rede von „einer großen Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ (Offb 7,9) in weißen Gewändern, also im Zustand der Gnade, der Heiligkeit. Das ist der Zustand des Heils, der Rettung. Sie alle haben ihr Glück gefunden. Sie sind die Schar der Heiligen, die sich im Laufe der Jahrhunderte vermehrte. Indem wir auf sie blicken, werden wir darin bestärkt, dem Werbespot Jesu zu folgen und uns auf den Weg der Heiligkeit zu begeben, das heißt, unseren Glauben treu zu leben und in der Liebe zu unserem Herrn voranzuschreiten. Amen.