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Bistum Chur

Homilie von Bischof Vitus Huonder in der Heiligen Nacht von Weihnachten, 24. Dezember 2017

Brüder und Schwestern im Herrn,

was braucht unsere Welt dringend? Was brauchte sie schon immer dringend? Was braucht sie heute noch dringender? Trotz ständigem Fortschritt? Trotz immer mehr ausgeklügelter digitaler Kommunikation? Trotz lebensverlängernder Mittel und Methoden? Trotz allem, was der menschliche Geist erfinden und bewirken kann? Was braucht unsere Welt dringend? Was brauc­ht jeder einzelne von uns dringend? 

        Dringend braucht unsere Welt den Erlöser. Heute noch braucht sie den Erlöser; vielleicht heute dringender als je zuvor. Und wiederum ganz persönlich formuliert: Dringend brauc­ht jeder von uns den Erlöser. Deshalb ist die Botschaft, welche wir in dieser Nacht vernehmen, wirklich „eine große Freude“, wie wir es eben im Evangelium gehört haben. Sie sollte jedenfalls eine große Freude sein: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“ (Lk 2,10-11). Der Retter ist mit einem anderen, deutlicheren Ausdruck der Erlöser (σωτήρ; salvator); der Messias ist, wiederum mit einem anderen, deutlicheren Ausdruck, der Christus, der Gesalbte Gottes, der von Gott her kommende Herrscher und Hirte des Volkes und des einzelnen Menschen.

        Beim Evangelisten Matthäus erfahren wir, was es bedeutet, dass der Retter, der Erlöser, uns geschenkt wurde: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,20-21). Der Retter, der Erlöser, befreit uns nicht aus irgend welcher bedrohlichen Situation, von den Folgen der Klimaerwärmung, aus der Not von Anschlägen und Terrorismus, aus der Gefahr der atomaren Vernichtung, aus der Bedrohung der Migrationsfluten und der Destabilisierung der Gesellschaft, nein, „er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“. Das heißt, der Erlöser setzt bei der Wurzel aller Not und Bedrängnis an: bei den Sünden. Denn die Probleme der Menschen kommen von den Sünden, von der Missachtung der Schöp­fungsordnung, von der Verletzung der Gebote Gottes, letztendlich von der Abwendung von Gott, vom Mangel an Gottesglauben. – Dieser Not will Gott durch die Geburt des Erlösers ein Ende bereiten. So wird die Geburt des Erlösers zum Anfang einer neuen Zeit: Die Zeit der Gnade und der Wahr­heit.

        In der deutschen Sprache kennen wir noch einen anderen Ausdruck für den Retter oder Erlöser, den Ausdruck Heiland: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“. Das neugeborene Kind von Bethlehem wird Heiland genannt, weil es das Heil bringt, die große Gabe Gottes, die wir auch Gnade nennen, und die unser Herz verwandelt und unseren Geist zum Guten verändert. Deshalb kann der Apostel in seinem Brief an Titus schreiben: „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“ (Tit 2,11). Unser Herr, der als Kind in der Krippe liegt, ist die Gnade Gottes in Person. Ihm zu begegnen und ihn in unser Herz aufzunehmen, bedeutet, dem Heiland zu begegnen und den Heiland in unser Herz aufzunehmen, bedeutet selber heil zu werden, rein von Schuld und Sünde. Dies ist die große Freude, welche uns in dieser Nacht zuteil wird. Amen.

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