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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus in der Hl. Messe an Neujahr in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

    heute feiern wir das Fest der Beschneidung Christi. „Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus …“ teilt uns der Evangelist Lukas mit (Lk 2,21). Wir haben es eben bei der Verkündigung der Frohen Botschaft gehört. Jesus wird dem Ritus der jüdischen Beschneidung unterzogen und erhält gleichzeitig seinen Namen. Jesus wird damit in die Gemeinschaft des Bundes aufgenommen, den Gott durch Moses am Sinai geschlossen hat. Er wird unter die Söhne Abrahams gezählt, welchem Gott das Gebot der Beschneidung gab: „Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden … das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen …“ (Gen 17,10-12). So schließt Gott den Bund mit Abraham. Rückblickend sprechen wir vom Alten Bund, da mit dem Kommen Jesu in unserem Fleisch – in menschlicher Gestalt, als Mensch – ein anderer Bund beginnt: Der Neue Bund. Als Glied des Volkes Gottes des Alten Bundes ruft der Herr den Neuen Bund ins Leben und schafft auf diese Weise die Fortsetzung des Alten Bundes zum Neuen Bund, zum Bund, den die Propheten geschaut und verheißen hatten. Denn durch die Treulosigkeit der Menschen wurde der Bund mit Abraham und Moses hinfällig. Jesus selber wird zum Mittler des Neuen Bundes, wie Moses der Mittler des Alten Bundes war, des Sinai-Bundes.  
    Mit dem Fest der Beschneidung des Herrn blickte die Kirche immer auch auf die Frau, welche uns den Mittler des Neuen Bundes geschenkt hat, auf Maria. „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt …“, belehrt uns Paulus im Brief an die Galater (Gal 4,4). Er betont „geboren von einer Frau“, denn die Geburt von Gottes Sohn aus einer Frau ist etwas Außerordentliches. Darauf habe ich in meiner Weihnachtspredigt hingewiesen: „Das Unfassbare, das Unvorstellbare ist geschehen, dass Gott als Mensch in unserer Mitte erscheint … Der ewige Gott wird vergänglicher Mensch“.
    Diese Wahrheit hat den Menschen immer zu denken gegeben, so dass bereits in den ersten Jahrhunderten des Weges der Kirche die Meinung aufkam: Maria hat einen gewöhnlichen Menschen geboren. Es ist doch gar nicht möglich, dass sie Gottes Sohn zur Welt brachte. Das ist für einen Menschen unmöglich. Gottes Sohn hat – so schlussfolgern sie – den Menschen, welchen Maria geboren hat, sozusagen beseelt, von ihm Besitz ergriffen und ist so in Menschengestalt unter uns erschienen. So kommen sie zum Ergebnis: Maria verdient daher gar nicht den Namen Muttergottes. Sie ist die Mutter eines gewöhnlichen Menschen, der alsdann durch den Sohn Gottes vergöttlicht wurde. So haben bestimmte Menschen gedacht und denken weiterhin so.
    Paulus sagt aber deutlich: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt …“ (Gal 4,4). Paulus sagt deutlich, dass Maria – die Frau – Gottes Sohn geboren hat. Deshalb hat die Kirche den Namen „Muttergottes“ immer verteidigt und heute, am achten Tag von Weihnachten, gedenkt sie seit alter Zeit ganz besonders der Gottesmutterschaft Marias. Das kam eben im Tagesgebet zum Ausdruck: „Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt. Lass uns immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat.“ Eben da Maria nicht einen gewöhnlichen Menschen geboren, sondern uns den Sohn des ewigen Vaters in der Gestalt eines Menschen geschenkt hat, ist sie unsere mächtige Fürsprecherin. Denn wie niemand ist sie – wie wir es mit Elisabeth bekennen – geheiligt, mit Gnade überhäuft, voll der Gnade. In ihr nimmt der Segen Aarons eine neue Gestalt an: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil“ (Num 6,24-26). So geht der Segen Gottes im Neuen Bund von Maria aus. Ihre Fürbitte möge uns durch das Neue Jahr begleiten, den Frieden sichern und uns immer enger mit ihrem Sohn verbinden. Amen.

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