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Bistum Chur

Pfingstpredigt 2016 von Bischof Vitus

Brüder und Schwestern im Herrn,

vergangene Woche erhielt ich Post vom Kanton. Es wurden mir die Unterlagen für die Volksabstimmung vom 5. Juni 2016 zugestellt. Auf Bundesebene kommen zu jenem Zeitpunkt verschiedene Initiativen zur Abstimmung, ebenso die Änderung des Asylgesetzes, aber auch die Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes.

       Die Abstimmungsfrage für das Fortpflanzungsmedizingesetz lautet: „Wollen Sie die Änderung vom 12. Dezember 2014 des Bundesgesetzes über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung (Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG) annehmen“? Die Fragestellung lädt zu einer positiven Antwort ein. Wer will einen Vorgang, wenn nötig, nicht medizinisch unterstützen? Das ist doch selbstverständlich. Das ist etwas Gutes. Die Medizin ist ja da, um zu helfen, Gefahren abzuwenden und Leben zu erhalten, ja, vor allem, um Leben zu erhalten. Wer will gegen ein solches Gesetz sein? Wer will gegen eine medizinisch unterstützte Fortpflanzungshilfe sein? Und dies in einer Zeit, da wir den Geburtenrückgang beklagen.

       Die Fragestellung führt leider in die Irre. Sie täuscht etwas vor. Sie täuscht ein Gut vor, wo ein Übel besteht. Sie sagt nur das, was gut ist. Sie sagt nicht, was schlecht ist. Sie vermischt ein Gut mit einem Übel. Ehrlicherweise müsste sie anders lauten, etwa so: „Wollen Sie die Änderung vom 12. Dezember 2014 des Bundesgesetzes über die Tötung von Embryonen annehmen“? Dazu müsste noch die Erklärung abgegeben werden: „Embryonen sind Menschen im Anfangsstadium des Lebens“. Im Klartext heißt die Fragestellung alsdann: „Wollen Sie die Änderung vom 12. Dezember 2014 des Bundesgesetzes über die medizinisch unterstützte Tötung von Menschen im Anfangsstadium des Lebens (Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG) annehmen“? 

       Bei der Erklärung der Vorlage wird immer wieder vom Einsetzen der Embryonen gesprochen. Das bedeutet: Sie bleiben am Leben. Deshalb noch einmal die Frage: Was kann man dagegen haben? Nicht gesagt wird, was nach einer negativen genetischen Untersuchung passiert. Bei einer weiteren Erklärung heißt es: „Dabei dürfen pro Behandlung höchsten zwölf Embryonen entwickelt werden“. Damit kommt aber die Frage auf: Wenn ein Embryo eingesetzt wird, was geschieht mit den elf weiteren. Beruhigend heißt es: „Nicht sofort eingesetzte Embryonen können für eine spätere Behandlung eingefroren werden“. Das ist ja sehr menschenwürdig! Aber selbst diese Maßnahme kann geschehen. Sie muss nicht!

       Meine Lieben, wir feiern heute das Hochfest von Pfingsten, das Fest, welches uns an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel erinnert. Jesus nennt den Heiligen Geist auch den Geist der Wahrheit (Joh 16,13). Er stellt damit den Heiligen Geist dem Geist der Lüge gegenüber.

       Die Lüge – das Vortäuschen einer Wirklichkeit die nicht ist – ist in sich etwas Satanisches. Satan wird Vater der Lüge genannt (Joh 8,44). Denn er täuscht dem Menschen etwas vor, was nicht ist, ja, er täuscht dem Menschen etwas vor, was zur Vernichtung und zum Tod führt. Das ist die Lehre aus der Paradiesesgeschichte.

       Bitten wir den Heiligen Geist, dass er uns immer tiefer in die Wahrheit führe und uns vor dem Geist der Lüge, vor dem bösen Einfluss Satans, schütze. Bitten wir ihn auch, dass er uns die Lüge immer erkennen lasse, auch die Lüge, die durch staatliche Gesetze als Wahrheit, Fortschritt und erstrebenswertes Gut angepriesen wird. Lassen wir uns von der Lüge nicht vereinnahmen, denn wir haben nicht einen Geist empfangen, der uns zu Sklaven macht, sondern einen Geist der uns zu Söhnen Gottes macht (vgl. Röm 8,15). Leben wir als Söhne Gottes, nicht als Sklaven des Bösen. Amen. 

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