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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus am Aschermittwoch, 10. Februar 2016, in der Kathedrale in Chur

Memento homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris. – Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.

Brüder und Schwestern im Herrn,
mit diesen Worten empfangen wir heute das Aschenkreuz auf unser Haupt. Damit legen wir ein deutliches Bekenntnis ab, ein Bekenntnis zu unserem wahren Menschsein. Diese Worte sagen uns, was wir waren. Sie sagen uns, was wir sind. Sie sagen uns, was wir sein werden.
Beginnen wir beim Zweiten, nämlich bei der Frage: Was sind wir? Wir sind Staub. So hat es Gott Adam gesagt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück“ (Gen 3,19).
Dieses Wort Gottes steht im Gegensatz zu einem anderen Wort, zum Wort der Schlange. Um den Menschen gegen Gottes Weisung aufzuwiegeln, verspricht sie ihm ein Sein wie Gott: „Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse“ (Gen 3). Der Mensch aß. Er wollte sein wie Gott.
Nun aber erklärt ihn Gott zum Staub: „Staub bist du …“.
Damit kommen wir zur ersten Frage: Was war der Mensch? Der Mensch war nicht wie Gott, aber er war Gott ähnlich (Gen 1,26-27): „Dann sprach Gott: ‘Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich’ … Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn“. Gott ähnlich, stand der Mensch Gott nahe. Er stand in Gemeinschaft mit Gott. Die Theologie sagt: Er war im Stand der Gnade. Seine Vermessenheit bewirkte aber das Unerwartete: Hervor tritt nun das Wesen als Geschöpf. Und dieses Wesen ist Staub. Es ist nicht das versprochene „Sein wie Gott“.
Damit kommen wir zur dritten Frage: Was werden wir sein? Wir werden, wenn unsere Zeit abgelaufen ist, nicht wie Gott sein, sondern wie Staub. Wir müssen zurück zum Staub der Erde: „Wir sind nur Staub“, sagt der Psalmist. „Des Menschen Tage sind wie Gras; er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr“ (Ps 103,15-16). Dies ist das Los des Menschen ohne Gott.
Heute bekennen wir uns zu diesem Sein wie Staub. Wir wenden uns von der Illusion ab, wie Gott zu sein. Wir bitten aber den Herrn mit diesem Ausdruck der Busse, er möge uns wiederum ganz als sein Bild gestalten, und uns ihm ähnlich machen. Wir ersehnen in dieser Haltung die Rückkehr aus dem Staub: unsere Auferstehung in und durch Jesus Christus. Amen.