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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus am Palmsonntag, 13. April 2014, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,
die Passion unseres Herrn ist das Hauptlehrstück unseres Glaubens. Von ihr geht jede Gnade aus. Sie prägt sich tief in unsere Seele ein. Sie verwandelt uns, wenn wir uns ganz von ihr ergreifen lassen. Sie wandelt ein Herz aus Stein in ein Herz aus Fleisch. Sie lässt plötzlich erkennen, was da geschehen ist und wer es ist, der hier leidet und leidend stirbt. Kein Schuldiger, kein Verbrecher, sondern ein unschuldiger Mensch (Mt 27,4): Der Sohn Gottes. „Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ (Mt 27,54). Damit geben der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, – wahrscheinlich Römer, Heiden, in den Augen der Juden Ungläubige, Sünder – sie geben die Antwort auf die Frage beim Verhör des Hohenpriesters: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes“ (Mt 26,63)? Nach allem, was sie gesehen, erlebt und mit verfolgt hatten, bekennen sie: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn.“
    Das Hauptlehrstück des Glaubens, die Passion von Jesus von Nazareth, führt uns zum Herzstück des Glaubens – zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, und von der Erkenntnis zur Liebe, und von der Liebe zur Heilung, und von der Heilung zum Heil, zur ewigen Anschauung Gottes: „Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 26,64). Nachdem Jesus gestorben ist, nachdem er das Sühneleiden für uns Menschen auf sich genommen hat, kommt er auf den Wolken, in Herrlichkeit, um jene zu holen, die an ihn glauben. Wir werden ihn sehen wie er ist und was er ist, und dieses Sehen wird uns erfüllen und selig machen.  
    Wer den Herrn lieben will, muss seine Passion betrachten. Er muss sich in seine Passion vertiefen und Schritt um Schritt mit ihm den Weg von Gabbatha nach Golgotha gehen, vom Ort der Verurteilung zum Ort der Vollstreckung.  Dann wird ihm klar, „was geschah“. Denn die Passion offenbart uns nicht nur, was er gelitten hat, sie offenbart uns, was er für uns erlitten hat. Sein Leiden ist nicht nur das Leiden eines Menschen, es ist das Leiden eines Menschen für andere. Deshalb berichtet  Matthäus beim Abendmahl die Worte, welche wir bei keinem anderen Evangelisten finden: „Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zu Vergeben der Sünden“ (Mt 26,27-28). Ja, die Passion offenbart uns nicht nur, was er gelitten hat, sie offenbart uns, was er für uns erlitten hat. Er hat für unsere Sünden gelitten.  Sein Leiden kam und kommt uns zugute – und es kann uns zugute kommen, weil er der Sohn Gottes ist, weil in ihm nichts Böses, nicht Unlauteres, nichts Verdorbenes war. Weil er der ganz Heilige war. Weil er die Vollmacht hat, Sünden zu vergeben. Ja, der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, bekamen die Gnade, dies zu erkennen: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn“. Möge der Herr uns allen die Gnade zu diesem aus tiefsten Herzen kommenden Bekenntnis schenken: Wahrhaftig, das ist Gottes Sohn. Amen.

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