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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder bei der Feier für die Weihe-Jubilare am 26.9.2016

Liebe Mitbrüder,
wir feiern heute die zwei heiligen Kosmas und Damian. Sie stehen wohl seit der Zeit Gregor des Grossen (590-604) im Römischen Kanon (heute im ersten Hochgebet). Sie waren zu ihren Lebzeiten im Orient als Ärzte hoch angesehen. Nach ihrem Martyrium wurden sie in Krankheit und Leiden als die „unentgeltlichen Helfer“ angerufen. Ihre Verehrung muss derart gewesen sein, dass es Papst Gregor damals als richtig erachtete, sie in den Römischen Kanon, in den Kanon der Westkirche, aufzunehmen. So bilden sie heute noch die Reihe der vierundzwanzig Heiligen des sogenannten Communicantes dieses Römischen Kanons, welches vor der Konsekration steht: „In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gedenken wir deiner Heiligen“.
Vierundzwanzig sind es im Hinblick auf die vierundzwanzig Ältesten der Offenbarung des Johannes (4,10 und 5,8): zweimal zwölf Heilige. Dabei werden die zwölf Apostel aufgezählt – Paulus an Stelle des Judas – und danach zwölf Märtyrer. Der Apostel Matthias wird dagegen in der Reihe nach der Konsekration erwähnt, in der Reihe der vierzehn Heiligen und Blutzeugen, der je sieben heiligen Männern und sieben heiligen Frauen, vorausgehend – so dass wir auf fünfzehn Heilige kommen – als herausragende Gestalt, der heilige Johannes der Täufer.
Doch zurück zur Reihe der Vierundzwanzig. Ihr voraus ging immer „Maria, die glorreiche, allzeit jungfräuliche Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus“ und seit 1962, auf Anordnung des heiligen Johannes XXIII., auch der heilige Josef.
Nun, das Communicantes ist nicht in erster Linie ein Akt der Verehrung der Heiligen – das auch. Der Priester, und mit ihm das betende Volk, wollen mit den Heiligen vor Gott stehen, sozusagen in ihrer Gegenwart. Sie wollen mit jenen vor Gott hintreten, welche schon vollendet sind, welche schon zur himmlischen Kirche gehören – zur „triumphierenden“ Kirche -, und welche durch ihre Gegenwart gleichsam das Gebet des Priesters und des Volkes verstärken und beglaubigen. Der Herr soll auf sie blicken und durch ihre Anwesenheit die pilgernde Kirche erhören. Sie, die Vollendeten, sie, die Heiligen, sollen Gottes Herz berühren und gnädig stimmen. Sie, die, wie die vierundzwanzig Ältesten der Offenbarung des Johannes, den Thron Gottes umgeben, sollen die Zuwendung des Herrn zu seinem Volk auf Erden erwirken – die Zuwendung zur „streitenden Kirche“, zur Kirche, welche noch in der Not dieser Welt lebt. Denn „Gott hat sie geprüft, und fand sie seiner würde“ (Weish 3,5). So sagt es uns die heutige Lesung. „Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer“ (Weish 3,6), lesen wir weiter über die Seelen der Gerechten. Daher will die Kirche mit ihnen vereint das Opfer darbringen. Sie sind auch jene, von denen das Evangelium sagt: „Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen“ (Mt 10,32). Sie haben sich in ihren harten Prüfungen zum Menschensohn bekannt, ihr Leben für ihn hingegeben. Deshalb stellt sich die irdische Kirche in ihre Gemeinschaft und erinnert sich ihrer insbesondere bei der Feier des heiligen Messopfers: communicantes et memoriam venerantes, und sie betet: „… blicke auf ihr heiliges Leben und Sterben und gewähre uns auf ihre Fürsprache in allem deine Hilfe und deinen Schutz“.
Wir sind heute als Jubilare hier, als Priester, die in großer Dankbarkeit auf so und so viele Priesterjahre zurückblicken. Das muss immer auch ein Augenblick des Besinnung sein. Wir besinnen uns auf das Priestertum, auf unseren Auftrag, der aus der Priesterweihe hervorgeht und uns Anteil am Priestertum Jesu Christi schenkt, am einzigartigen Priestertum des Hauptes der Kirche. Wir sind durch die Weihe in dieses sein Priestertum eingegliedert worden. Wir sind in ihn, den Hohepriester, eingepflanzt.
Wir verwirklichen unser Priestertum insbesondere durch die Darbringung des heiligen Messopfers. Das ereignet sich in und durch das Hochgebet. Bei der Salbung der Hände hat uns der Bischof ermahnt: „Unser Herr Jesus Christus, den der Vater mit dem Heiligen Geist und mit Kraft gesalbt hat, behüte dich. Er stärke dich in deinem Dienst, das Volk Gottes zu heiligen und Gott das Opfer darzubringen“. Weiter hat er die Übergabe der Patene und des Kelches mit den Worten begleitet: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“. Mit diesen Worten spricht er das Priestertum der Weihe an, das über das Priestertum der Taufe hinausgeht, und uns ein neues Präge-Mal verleiht hat (character indelebilis). Dieses Priestertum müssen wir immer wieder erneuern, aus der Gnade dieses Priestertums leben und uns auf seine Bedeutung zurückbesinnen. Das bedarf auch der Betrachtung und Verinnerlichung eben jener Teile der heiligen Messe, welche dem Priester eigen sind und durch die Gnade der Weihe wirksam werden. Dabei ist eben das Hochgebet jenes einzigartige Gebet, durch welches der Priester die Wandlungsvollmacht ausübt. Dieses Gebet muss ihm daher besonders teuer sein, und er wird es in seinen einzelnen Teilen immer wieder betrachten.
Die Feier der Heiligen dieses Tages gab uns heute den Anstoß dazu. Wir werden aber immer wieder die einzelnen Teile des Kanon betrachten, uns in sie vertiefen. Auf diese Weise werden wir neu für unseren Auftrag gestärkt, das „Volk Gottes zu heiligen“ und „Gott das Opfer darzubringen“. Das ist und bleibt unsere erste und vornehmste Aufgabe. Dafür danken wir dem Herrn – heute insbesondere zusammen mit den heiligen Kosmas und Damian. Amen.

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