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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus anlässlich der Kirchweihe in Bonstetten, Sonntag, 5. Juni 2016

Brüder und Schwestern im Herrn

Beeindruckend ist nach wie vor die Lektüre von Berichten der Märtyrer der ersten christlichen Jahrhunderte. So verhält es sich auch beim Bericht von Bischof Eucherius von Lyon über das Martyrium des heiligen Mauritius und seiner Gefährten. Sie gehörten zur sogenannten Legion der Thebäer. Sie erlitten ihr Martyrium im heutigen Saint Maurice, im Kanton Wallis. Von ihnen sagt der Berichterstatter: „Auch als Soldaten vergaßen sie das Gebot des Evangeliums nicht und gaben Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers war“. Diese ­Haltung wirkte sich derart aus, dass sie es wagten, dem Kaiser und seinen Stellvertretern Befehle zu verweigern, welche sich gegen die göttlichen Weisungen richteten. Dazu schrei­bt Eucherius: „Als … sie erkannten, dass sie … zu verbrecherischen Handlungen verpflichtet werden sollten, erhob sich im Lager überall Lärm und Aufruhr. Alle schrien, keiner werde je zu solchen Verbrechen Beihilfe leisten. Sie zögen es vor, eher den Tod zu erleiden, als Befehlen gegen den christlichen Glauben zu folgen“. So kam es denn auch, und sie wurden für die Sache des Glaubens hingerichtet.

          Heute weihen wir diese Kirche. Weihen heißt, Gott übergeben. Gott soll hier seine Wohnung unter den Menschen errichten. Diese Kirche soll zu einem Haus des Gebetes werden. Wir erinnern uns an das Evangelium und an die Worte von Jesus: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle“ (Joh 2,13-22). So darf dieses Haus nie zu einer Mark­halle verkommen. Vielmehr soll der Mens­ch hier Gott suchen und hier auch Gott finden. Vor allem soll hier jenes Opfer dargebracht werden, welches Gott mit dem Menschen versöhnt und den Menschen von seinen Sünden reinigt: das Opfer unseres Herrn Jesus Chris­tus, das Opfer des Kreuzes. Deshalb steht im Mittelpunkt dieser Kirche der Altar. Der Altar ist der Abend­mahlstisch und zugleich die Opferstätte. Deshalb wird der Altar mit Chrisam gesalbt und auf diese Weise für das Opfer bereitet Denn Jesus hat den Abend­mahlstisch durch sein Handeln zur Opferstätte gemacht, da er über Brot und Wein die Worte sprac­h: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“. Seinen Kreuzestod vor Augen, hat er seinen Leib und sein Blut ­zu Opfergaben erklärt.

          Dieses Geschehen hat die Kirche dazu geführt, dass sie bei der Kirchweihliturgie vorsieht, in die Altarplatte oder in den Fuß des Altars, Reliquien von Heiligen, mit Vorzug von Märtyrern,  einzusetzen. Die Heiligen sind Jesus gefolgt. Sie sind ihm bis zum Kreuz gefolgt. Sie sind dadurch zu einem besonderen Abbild des Herrn geworden. Sie sind für uns Vorbilder für eine christ­liche Lebenshaltung und Lebensführung. Durch sie erfahren wir insbesondere, dass jeder Mensch durch Jesus Christus und seine Gnade heilig werden kann. Jeder Mensch! Die Heiligen sind Zeichen der Hoffnung.

          Die Kirche von Bonstetten ist dem heiligen Mauritius geweiht. Deshalb setzen wir heute im Altar dieses Heiligtums eine Reliquie der thebäischen Heiligen bei. Zugleich fügen wir dieser Reliquie die Reliquie eines anderen Märtyrers hinzu, die Reliquie des heiligen Fidelis von Sigmaringen. Einen Teil seiner Gebeine finden wir ja in der Krypta der Kathedrale von Chur. So entsteht mit dieser Reliquie eine enge Verbindung zwischen der Kirche von Bonstetten und der Kathedrale.

          Die Reliquien von Heiligen erinnern uns daran, wie ich es eben sagte, dass sie in der Nachfolge Jesu ihre Vollendung gefunden haben. Sie ermutigen uns aber auch, selber den Weg der Nachfolge zu gehen, uns selber hinter Jesus zu stellen und Jesus in die Mitte unseres Lebens zu setzen. Das hat eben auch die Folge eines entsprechenden Lebens, eines heiligen Lebens, eines Lebens nach Gottes Geboten und Weisungen. Das kann in uns auch Widerstand hervorrufen, Widerstand gegen die Ungerechtigkeit in Staat und Gesellschaft. Ich habe euch daher zu Beginn das Beispiel des heiligen Mauritius und seiner Gefährten vorgestellt. Sie haben gespürt, was Christsein bedeutet, und sie haben sich entsprechend verhalten, mit dem Risiko, ihr Leben zu verlieren. Gerne wiederhole ich die Worte des Berichterstatters: „Auch als Soldaten vergaßen sie das Gebot des Evangeliums nicht und gaben Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers war“. So kann uns die Kirchweihe als eine Feier in Erinnerung bleiben, die uns immer wieder zu einem christlichen Handeln in unserem Alltag auffordert und uns daran erinnert, dass auch wir Gott geben mögen, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Amen.