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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus anlässlich des Pastoralbesuches in Schübelbach/SZ am Sonntag, 11. Februar 2018

Brüder und Schwestern im Herrn

was steht im Brennpunkt unseres katholischen Glaubens? Was müssen wir als Erstes annehmen und alsdann auch weitergeben? Zum Beispiel in der Familie als Eltern. Zum Beispiel im Religionsunterricht als Katechetinnen und Katecheten. Zum Beispiel als Religionspädagoginnen und Religionspädagogen. Zum Beispiel als Seelsorger.
        Im Brennpunkt unseres Glaubens steht Jesus Christus. Von ihm aus muss sich unser Glaube entfalten und wachsen. Jesus Christus ist zunächst unser Vorbild. So sagt es der heilige Paulus in der heutigen Lesung: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“ (1 Kor 11,1). Das müssten die Eltern ihren Kindern sagen können. Das müssten die Katechetinnen und Katecheten ihren Schülern sagen können. Das müssten die Priester und Diakone den Gläubigen sagen können: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“. Wenn wir das sagen könnten, wird die Erziehung, wird der Religionsunterricht, wird die Predigt stimmig und überzeugend. Das bedeutet natürlich, dass wir unser Leben von Christus her gestalten. Wir schauen auf Christus. Wir schauen, wie er gelebt hat, und versuchen, wenigstens etwas wie er zu leben. Wir lassen uns von ihm den Maßstab für unser Leben geben.
        Damit kommen wir zu einem zweiten wichtigen Punkt: Welches ist der Maßstab, den er uns gibt? Was sagt er? Was erwartet er von uns? Um das zu erfahren, stehen uns vor allem die Evangelien zur Verfügung. Sie vermitteln uns die Lehre Jesu. Nach dieser Lehre versuchen wir zu leben. Was wir in unseren Glaubensbüchern finden, etwa im Katechismus der Katholischen Kirche, baut auf der Lehre unseres Herrn auf: Auf der Bergpredigt, auf dem Hauptgebot, auf den Sakramenten, auf den Zehn Geboten, auf dem Vaterunser. Wir können sagen: Die ganze Lehre der Kirche gründet auf den Evangelien.  Denn die Evangelien sind der Kern der ganzen Heiligen Schrif­t.
        Jesus gibt uns also den Maßstab für unser Leben. Aber das ist noch nicht alles, wenn wir, wie zu Beginn, daran festhalten, dass Jesus Christus im Brennpunkt unseres Glaubens steht. Jesus Christus ist eben nicht nur unser Vorbild und unser Lehrer. Er ist mehr. Damit kommen wir zum Unübertrefflichen unseres Glaubens. Um dies zu erkennen, müssen wir das heutige Evangelium betrachten. Um anderseits die Bedeutung des Evan­geliums zu verstehen, oder ganz zu verstehen, ist der Rück­griff auf die Erste Lesung aus dem Buch Levitikus notwendig (Lev 13,1-46*). Dort ist die Rede von aussätzigen Personen. Sie müssen außerhalb des Lagers, außerhalb der menschlichen Gemeinschaft leben. Sie sind Abgesonderte. Das tut einem weh. Aber es ließen sich damals keine anderen Maßnahmen treffen, um das Übel des Aussatzes von der Gemeinschaft fernzuhalten. In dem Sinn war es eine hygienische Maßnahme.  
        Nun kommt im Evangelium ein Aussätziger auf Jesus zu. Vom Hörensagen weiß er, dass Jesus über eine höhere Macht verfügt. Deshalb sagt er: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde (Mk 1,40). Rein bedeutet so viel wie gesund. Und Jesus sagt: Werde rein (Mk 1,41). Mit einem einzigen Wort schenkt er dem Aussätzigen die Gesundheit – und weit mehr. Er schenkt ihm das Leben in der Gemeinschaft. Der Geheilte ist kein Abgesonderter mehr, kein Ausgestoßener, er ist wiederum eine volles Glied der Menschheitsfamilie.
        Auf diese Weise gibt Jesus sich selber zu erkennen. Auf sein Wort hin erfolgt die Gesundheit. Dieses Wort erinnert uns an das Schöpfungswort Gottes am Anfang der heiligen Schrift: Gott sprach – Und es wurde ... (Gen 1,2 und so weiter). Es wurde das Licht, es wurde der Himmel, es wurde die Erde, es wurde der Mensch. Anders ausgedrückt: Durch sein heilendes Wort offenbart Jesus seine göttliche Macht. Jesus ist mehr als ein Vorbild, er ist mehr als ein Lehrer des Glaubens, er ist der Sohn Gottes und hat daher die Mach­t, unser Leben zu verändern. Er hat daher auch die Macht, uns das ewige Leben zu schenken. Deshalb ist es von so großer Bedeutung, dass jeder Mensch Jesus kennenlernt; dass jeder Mensch, wie der Aussätzige, vor ihn hintreten kann mit der Bitte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde (Mk 1,40). Wenn du willst, kannst du mein Leben verändern. Wenn du willst, kannst du mich von meinen Sünden befreien. Wenn du wills­t, kann­st du mir ewiges Leben schen­ken und in die Gemeinschaft der Heiligen aufnehmen. Amen.