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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder am Gründonnerstag (Ansprache an die Firmlinge)

Liebe Firmlinge

Letzthin ist mir beim Mitfahren in einem Privatwagen ein Foto aufgefallen. Es war das Foto des Sohnes des Wagenbesitzers. Das Foto war am Armaturenbrett befestigt. Ich brauchte dazu keine Erläuterung. Mir war klar: Das Foto war der Ausdruck der Liebe des Vaters zu seinem Sohn. Mir war aber auch klar: Das Foto sollte den Vater an seinen Sohn erinnern. Vor allem sollte es ihn davor warnen, sein Leben durch unvorsichtiges Fahren aufs Spiel zu setzen. Sonst würde er einem lieben Menschen entrissen und ihm auf diese Weise viel Leid zufügen. So blieb der Vater durch das Foto immer mit seinem Sohn verbunden.

Die Erinnerung ist für uns alle wichtig, die Erinnerung an liebe Menschen, die Erinnerung auch an etwas Gutes und Beglückendes. Die Erinnerung wirkt sich auf unsere Gegenwart aus, auf unser Verhalten, auf unseren Lebensstil. Wenn wir an etwas erinnert werden, leben wir anders.

Jesus selber baut auf diesem – ich sage es einmal so – Naturgesetz der Erinnerung auf. Er hat uns nicht ein Foto seiner Person hinterlassen, aber eine Feier, die Feier der Eucharistie oder der heiligen Messe. Diese Feier sollte uns helfen, auf der Fahrt unseres Lebens immer an ihn zu denken. Das beeinflusst unser Leben. Wir leben anders, wenn wir Jesus vor Augen haben, wenn wir an ihn erinnert werden. Wir leben besser. Wir leben verantwortungsbewusster. Denn Jesus ist der Sohn Gottes. Die Erinnerung an ihn verbindet uns mit Gott.

Heute feiern wir den Tag, da Jesus uns sein Erinnerungsbild übergeben hat Am Hohen Donnerstag hat er das Sakrament des Altares, die heilige Eucharistie eingesetzt. Wir sollten uns mit der Feier der Eucharistie immer an ihn erinnern. Deshalb fügt er hinzu: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Das heißt: Tut dies zu meiner Erinnerung. Tut dies, damit ihr immer wieder an mich denkt.

Nun, diese Erinnerung hat etwas ganz Besonderes an sich. Sie ist mehr als ein Foto. Auf dem Foto ist nur ein Abbild unserer Lieben festgehalten. Das Foto ist nicht etwas Lebendiges. Es ist wirklich nur ein Bild. Die abgebildete Person ist nicht gegenwärtig. Sie lebt irgendwo fern von mir. Bei der Eucharistiefeier ist das anders. Wohl haben wir da kein Bild von Jesus. Jesus ist aber gegenwärtig. Er ist da. Er ist verborgen da, verborgen in der geweihten Hostie. Deshalb sagt er über die Hostie – und wir werden es wieder hören: „Das ist mein Leib.“ Das heißt: Hier bin ich, euren Augen verborgen, aber wirklich. So ist die Eucharistie ein Erinnerungsfoto ganz eigener Art. Wir werden nicht nur an Jesus erinnert, wir nehmen ihn in der Kommunion auf. Wenn wir dieses besondere Foto ernst nehmen, leben wir anders, das heißt: Wir leben immer in Gegenwart von Jesus, dem Sohn Gottes. Amen.

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