Navi Button
Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder am Ostersonntag

Brüder und Schwestern im Herrn,

wir glauben an die Auferstehung. Wir glauben an die Auferstehung der Toten. Der Grund für diesen Glauben liegt darin, dass wir an die Auferstehung Christi glauben, Inhalt des heutigen Festtages. An die Auferstehung Christi glaubend, glauben wir auch an unsere eigene Auferstehung. Genau gesagt heißt das wiederum: Wir glauben nicht nur an ein Leben nach dem Tod. Wir glauben an die leibliche Auferstehung, an die Auferstehung des Leibes, an die „Auferstehung des Fleisches“, heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Christus ist ja leiblich auferstanden. Das leere Grab ist der Beweis dafür. Das ist der Ausgangpunkt unseres Glaubens an die leibliche Auferstehung. Ausdruckstark sagt der Herr selber im Lukasevangelium, dass er leiblich anwesend ist: „Seht meine Hände und Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen wie ihr es bei mir seht“ (Lk 24,39). Der heilige Paulus spricht seinerseits vom Leib der Auferstehung. Zunächst schreibt er über die Erlösung unseres Leibes: „Wir … warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden“ (Röm 8,23). Mit der „Erlösung unseres Leibes“ ist nicht die Zerstörung des Leibes gemeint, sondern seine Verherrlichung. Auch unser Leib, unsere leibliche Existenz soll verherrlicht werden, soll ins ewige Leben eingehen. Auf die Frage, wie die Toten auferweckt werden, was für einen Leib sie haben werden, antwortet der Völkerapostel: „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib“ (1 Kor 15,44). Das bedeutet: Wir können bis zu einem gewissen Punkt über die Auferstehung der Toten Aussagen machen, dann aber sind wir auf bildhafte Erklärungen angewiesen. Wir können diese Wahrheit im letzten nicht erfassen und angemessen zum Ausdruck bringen. Wir müssen sie nehmen, so wie sie dasteht.

Im Dialog mit den Menschen stellt sich die Frage: Ist dieser Glaube, der Glaube an die Auferstehung der Toten vernünftig? Ist er für den denkenden, mit Geist begabten Menschen nachvollziehbar? Denn der Mensch ist nun einmal ein geistiges Wesen und soll mit seinem Geist erfassen, was er mit seinem Herzen bejaht. Darauf können wir die folgende Antwort geben: Wenn ich an Gott glaube, wenn ich glaube, dass Gott der Schöpfer der Welt ist, dann ist dieser Glaube vernünftig. Wenn ich nicht an Gott glaube, dann ist der Glaube an die Auferstehung sinnlos. Bevor wir uns auf eine Diskussion einlassen, ist diese Klärung notwendig, damit wir nicht aneinander vorbei reden. Grundlage für die Diskussion ist also der unbestrittene Glaube an Gott. Das gilt nicht nur hier, das gilt ganz allgemein, auch bei anderen Fragen religiöser Natur.

Nun, weil ich an Gott glaube, weil ich glaube, dass Gott der Schöpfer der Welt ist und alles ins Dasein gerufen hat, fällt es mir nicht schwer, an die Auferstehung zu glauben, an die Auferstehung Christi zunächst, an die Auferstehung der Toten alsdann. Denn wenn Gott die Macht hat, die Schöpfung ins Dasein zu rufen, hat er auch die Macht, Tote zu erwecken. Der Glaube an die Auferstehung ist für den Gottgläubigen vernünftig und angemessen.

Doch halten wir auch fest: Mit der Auferstehung Christi ereignet sich nicht etwas Unvorstellbares und für den Verstand nicht Nachvollziehbares, es geschieht aber etwas Unerwartetes, etwas, das uns beinahe überfordert. Obwohl die Apostel, die Jünger, auch die zum Grabe eilenden Frauen vom Herrn auf das Geschehen vorbereitet waren, sind sie überrascht. Sie können es nicht fassen. Aber sie glauben. „Er sah und glaubte“, sagt Johannes (Joh 20,8). So ist auch unsere Auferstehung nicht etwas Unvorstellbares. Aber es wird etwas Unerwartetes sein, etwas Unerhörtes. Denn „das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, hat kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, und ist keinem Menschen in den Sinn gekommen“, sagt uns der heilige Paulus (vgl. 1 Kor 2,9). Deshalb sagen wir angesichts des Geheimnisses der Auferstehung und der künftigen Herrlichkeit nicht selbstsicher „ich weiß es“, sondern demütig und bescheiden „ich glaube es“: Ich glaube, weil es der Herr selber gesagt hat. Ich glaube, weil der Herr selber auferstanden ist. Ich glaube, weil es die Kirche so zu glauben lehrt. Amen.