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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder an Allerseelen am Montag, 2. November 2015, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,
wir ehren unsere Verstorbenen und wir beten für sie. Dies ist der Sinn von Allerseelen.
Wir ehren unsere Verstorbenen, wie wir jeden Menschen als Gottes Schöpfung und Gottes Ebenbild ehren. Wir ehren sie, weil sie uns vorausgegangen sind und unseren Lebensweg vorbereitet haben. Wir ehren sie, weil wir im Glauben mit ihnen verbunden sind, und dieser Glaube uns sagt, dass sie im Herrn weiterleben: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende“ (Röm 14,7-9). So drückt sich der heilige Paulus aus.
Wir ehren unsere verstorbenen auch durch die schwarze liturgische Farbe. Sie ist weitgehend verloren gegangen, zum Teil auch wegen einem Missverständnis: wegen dem Missverständnis der Trauer, der überbetonten Trauer. Wir sollen als Christen ja nicht trauern, als hätten wir keine Hoffnung. Wir sollen den Tod immer mit Blick auf den auferstandenen Herrn vor Augen haben. Die schwarze Farbe würde diesen Blick verdecken, sagt man etwa. So war es eigentlich nicht gemeint. Die schwarze Farbe war ursprünglich ein Zeichen der Ehrung und der Anerkennung. Auch unseren Verstorbenen lassen wir diese Ehrung und Anerkennung zukommen. Deshalb kleiden wir uns nicht irgendwie. Auch unsere Kleidung und deren Farbe soll unsere Achtung und Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Das ist eigentlich mit der schwarzen Farbe für unsere Verstorbenen gemeint.
Wir ehren unsere Verstorbenen und wir beten für sie. Das Totengedächtnis ist nicht nur ein ehrendes Gedenken unserer Verstorbenen. Das Totengedächtnis ist immer auch mit dem Ernst der Rechenschaft verbunden, daher auch mit dem Gebet. „Wir werden alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Denn es heißt in der Schrift: So wahr ich lebe, spricht der Herr, vor mir wird jedes Knie sich beugen, und jede Zunge wird Gott preisen. Also wird jeder von uns vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen“ (Röm 14,10-12). So drückt sich wiederum der heilige Paulus aus. Das ist der Grund, weshalb wir für unsere Verstorbenen beten. Sehr deutlich wird der Verfasser des zweiten Buches der Makkabäer. Das Totengedenken sei „ein heiliger und frommer Gedanke“, sagt er, und er fügt hinzu: „Darum ließ er (Judas) die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden“ (2 Makk 12,45). Wir schließen uns diesem heiligen und frommen Gedanken an und beten für unsere Verstorbenen, dass „sie von der Sünde befreit werden“.
Wir bereiten uns auf das Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit vor. In seiner Verkündigungsbulle Misericordiae Vultus kommt der Heilige Vater Franziskus auch auf die Werke der Barmherzigkeit zu sprechen: „Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblilchen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken“ (15). Wir wollen nicht vergessen, dass ein Werk der Barmherzigkeit lautet: „Für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten“. Heute, am Tag Allerseelen sei das Gebet für die Verstorbenen besonders innig und eindringlich, vor allem für jene, derer niemand mehr gedenkt. Amen.

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