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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder an Christi Himmelfahrt 2013

Brüder und Schwestern im Herrn,

wir haben es eben gehört: Jesus fordert seine Jünger auf, in die Welt hinauszugehen und allen Geschöpfen das Evangelium zu verkünden. Dieser Auftrag ist eine der wichtigen Grundlagen für die Missionsarbeit der Kirche, für die Verbreitung des Glaubens. Die Missionsarbeit ist in diesem Sinn die erste Aufgabe der Kirche. Christi Himmelfahrt anderseits ist der Tag der diesbezüglichen Sendung.

Mit der Annahme des Evangeliums oder dessen Zurückweisung geht es um das ewige Heil: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird selig werden. Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,16). Wir stehen somit vor der Tatsache, dass das Glaubensbekenntnis mit der Taufe zur Seligkeit, zum Heil notwendig sind. Das heißt: Jesus Christus, und nur er, kann uns das Heil schenken. Dies wird mit dem Hinweis des heiligen Petrus bestätigt: „Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4,12). Diese Aussage lässt wiederum darauf schließen, dass es einen wahren Glauben gibt, dass es einen wahren Glauben gibt. Diesen wahren Glauben annehmen, führt zum Heil, ihn ablehnen zum Verderben.

Mit dem Glauben und der Taufe verbunden, ist die Eingliederung in die Kirche. Die Kirche ist der mystische Leib des Herrn und insofern eben auch zum Heil notwendig. Entsprechendes spricht die Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Heilsnotwendigkeit der Kirche – und bestätigt damit die Tradition der Kirche: „Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt sie (die Kirche), dass diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat …, hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten“ (14). Wir dürfen also nicht einer heutigen Tendenz verfallen und sagen, es sei gleich, welchen Glauben jemand habe. Jede Religion sei Weg zum Heil. Im Gegenteil, wir müssten formulieren: Weg zum Heil ist Jesus Christus für jeden Menschen, zu welcher Religion auch immer er sich bekennt.

Aus diesem Grund hat sich die Theologie stets mit der Frage beschäftigt, was mit den Menschen geschehe, die nicht getauft sind, die von der Taufe überhaupt nichts gehört haben, die nicht Glieder der Kirche sind. Dazu sagt die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanums Lumen gentium: „Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen. Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe“ (16). Es ist wichtig zu erkennen, dass das Konzil mit dieser Aussage das aufgreift, wozu sich unmittelbar vor dem Konzil Papst Pius XII. geäußert hatte, unter anderm in der bedeutenden Enzyklika Mystici corporis aus dem Jahre 1943: „Gewiss ist die Braut Christi nur eine: die Kirche. Doch die Liebe des göttlichen Bräutigams ist so weit, dass sie niemanden ausschließt und in der einen Braut das ganze Menschengeschlecht umfasst. Aus diesem Grund hat unser Erlöser sein Blut vergossen, um alle Menschen, so verschieden sie durch Abstammung und Volkszugehörigkeit sein mögen, in seinem Kreuz mit Gott zu versöhnen und in einem Leibe zu einigen. Wahre Liebe zur Kirche fordert darum nicht nur von uns, dass wir als Glieder desselben Leibes füreinander einstehen …, uns freuen sollen, wenn ein anderes Glied Ehre erfährt, und mit seinen Schmerz … mitleiden sollen, sondern dass wir zugleich die Menschen, die noch nicht im Leibe der Kirche mit uns vereint sind, als Christi Brüder dem Fleische nach betrachten sollen, die gleich uns zu demselben ewigen Heil berufen sind“ (240). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch ein Brief des Heiligen Offiziums (heute Kongregation für die Glaubenslehre) an den Erzbischof von Boston am 8. August 1949. Eine rigoristische Bewegung in den USA lehrte damals den Ausschluss aller Menschen vom ewigen Heil, welche nicht katholisch sind oder sich nicht auf dem Weg zur Eingliederung in die katholische Kirche befinden. Darauf reagiert die römische Instanz unter anderm wie folgt: „Damit einer … das ewige Heil erlangt, wird nicht immer erfordert, dass er tatsächlich der Kirche als Glied einverleibt wird, sondern mindestens das wird verlangt, dass er ebendieser durch Wunsch und Verlangen anhängt. Dieser Wunsch muss jedoch nicht immer ausdrücklich sein, wie es bei den Katechumenen der Fall ist, sondern wenn ein Mensch an unüberwindlicher Unkenntnis leidet, nimmt Gott auch den einschlussweisen Wunsch an, der mit einem solchen Namen bezeichnet wird, weil er in jener guten Verfassung der Seele enthalten ist, durch die der Mensch will, dass sein Wille dem Willen Gottes gleichförmig sei“ (vgl. DS 3870). Danach zitiert das Schreiben die Enzyklika Mystici corporis und fügt hinzu: „Mit diesen weitsichtigen Worten verwirft sie sowohl jene, welche alle vom ewigen Heile ausschließen, die nur dem inbegriffenen Wunsch nach der Kirche anhängen, als auch jene, die fälschlich behaupten, die Menschen könnten in jeder Religion in gleicher Weise gerettet werden“ (DS 3872).

Damit möchte ich nochmals auf den Beginnen dieses Wortes zurückgreifen, namentlich auf den Hinweis, Christi Himmelfahrt sei der Ausgangspunkt für die Missionsarbeit der Kirche. Der Befehl des Herrn beim Abschied von den Seinen drängt uns, den Menschen Christus zu bringen und seiner Kirche anzutrauen. In diesem Sinn schließe ich mit einem Wort des Konzils aus derselben Konstitution Lumen gentium: „Daher ist die Kirche eifrig bestrebt, zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Heils all dieser Menschen die Missionen zu fördern, eingedenk des Befehls des Herr, der gesagt hat: ‚Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung‘ (Mk 16,16)“ (16). Amen.