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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Chrisammesse

Brüder und Schwestern im Herrn, meine lieben Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

darf ich diese meine Ansprache mit einem Zitat beginnen: „Heute ist Weißer Sonntag. Wie stark sind meine Gedanken bei meinem Erst-Kommunion-Tag und bei den vielen, die ich in den 12 Dornbirner Jahren an diesem Tag zum Heiland führen durfte. O lichtvoller Trost, ich hoffe, wenigstens dies als ‘gut’ ansehen zu dürfen. Es war mir dies immer der glücklichste Priestertag des Jahres. Wie leide ich jetzt, dass der Altar so ferne. Aber nun heißt es selber Opfer sein.“

Meine Lieben, wegen dem Hinweis auf Dornbirn habt Ihr den Urheber dieses Textes sicher erkannt. Es ist dies der selige Carl Lampert, Priester des heutigen Bistums Feldkirch. Damals waren die Verhältnisse noch etwas anders, und das Gebiet des heutigen Bistums Feldkirche gehörte zum Bistum Innsbruck. Der Selige verfasste diesen Text am Weißen Sonntag, am 2. Mai 1943, im Gestapogefängnis von Stettin. Er schrieb seinem Bruder und all seinen Lieben (Glaubenszeugnis seiner Briefe S. 15). Es war anderthalb Jahre vor seiner Hinrichtung am 13. November 1944. Der Weiße Sonntag, der Sonntag nach Ostern, dies muss erklärend noch beigefügt werden, ist oder war jedenfalls in vielen germanischen Gegenden, der Tag der Erstkommunion der Kinder, heute auch der Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit genannt.

Was mich an diesem Zeugnis besonders beeindruckt, ist die Aussage „zum Heiland führen“, und die damit verbundene zweite Bemerkung, „es war mir dies immer der glücklichste Priester-Tag des Jahres“. Hier spüren wir die Priesterseele in ihrem tiefsten Empfinden. Hier spüren wir, was die Erstkommunion für einen Priester bedeutet oder bedeuten müsste. Es ist sein höchstes Glück, Menschen, in diesem Fall Kinder, zur Erstkommunion zu begleiten, eben „zum Heiland zu führen“. In diesem Zeugnis erfahren wir in deutlichster Ausformung die Liebe des Priesters zum Herrn, zum Herrn im allerheiligsten Sakrament, und gleichzeitig die Liebe des Priesters zu den Seinen, zu jenen Menschen, die ihm als Priester anvertraut sind. Sie zum eucharistischen Herrn zu führen, ist sein höchstes Glück, sein schönster Priester-Tag des Jahres.

Damit werden uns zwei wichtige Eckpfeiler unseres priesterlichen Leben bewusst gemacht: Die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Menschen, bzw. wird uns bewusst gemacht, was die Liebe zum Herrn letztendlich für einen Priester bedeuten muss, und ebenso letztendlich die Liebe zum Menschen. Die Liebe des Priesters artikuliert sich darin, dass er die Menschen dem Herrn entgegenführen darf, die Menschen „zum Heiland führen“.

Dabei erfahren wir: Die Liebe zum Herrn zeichnet sich beim Priester in einem außerordentlichen Maß in der Liebe zur Eucharistie aus, zum Herrn, der sich für uns im allerheiligsten Sakrament hingibt, der uns im allerheiligsten Sakrament begegnet und der uns in eben diesem Sakrament nahe sein will.

Die Liebe zum Menschen zeichnet sich beim Priester anderseits, wie gesagt, in einem außerordentlichen Maß darin aus, wie es der selige Carl sagt, die Menschen „zum Heiland zu führen“. Das bedeutet nichts anderes, als die Menschen auf die Begegnung mit dem Heiland vorzubereiten. In dieser Vorbereitung ist die ganze Lehre der Kirche enthalten. Die Lehre der Kirche ist Vorbereitung des Menschen auf die Begegnung mit Gott, mit Jesus. Vor allem betrifft diese Vorbereitung das, was wir die Heiligung und Heiligkeit des Menschen nennen. Niemals darf der Priester, gleichsam kumpelhaft oder modisch – den Mainstream folgend – , den Menschen in der Sünde und im Bösen, das er lebt oder vollbringt, bestätigen, um bei ihm gut anzukommen und als menschlich und verständnisvoll zu gelten. Nein, er geht mit dem Menschen den Weg der Heiligkeit und der Heiligung. Darin zeigt sich die besondere Liebe des Priesters zum Menschen. Das ist die echte priesterliche Nächstenliebe. Der Priester zeigt und muss dem Menschen zeigen, wie er sich heiligen kann und soll, um den Hochzeitssaal mit dem Festtagskleid zu betreten, damit der König, wenn er eintritt, um die Gäste anzusehen, ihn nicht abweist, sondern aufnimmt; damit er nicht hören muss: „Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen“ (Mt 22,12). Denn dieser Vorwurf würde letztlich auf jenen zurückfallen, der die Gäste nicht sorgfältig auf die Begegnung mit dem König und seinem Sohn vorbereitete.

„Zum Heiland zu führen“ erhält seine besondere Bedeutung für die gute, unmittelbare Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Kommunion, in diesem Sinn, auf die Erstkommunion, wie es der Selige auch meint. Das muss uns umso mehr ein Anliegen sein, als viele Priester die Kinder nicht mehr auf den Erstkommunion-Tag vorbereiten, diese Vorbereitung anderen Personen überlassen. Wenn dem so ist, muss der Priester dafür gewissenhaft Katecheten einsetzen, die dieselbe Liebe zum Herrn im Sakrament haben wie der Priester selber und dieselbe Kenntnis des eucharistischen Glaubens.

Der selige Carl schließt seine Gedanken mit den Worten: „Wie leide ich jetzt, dass der Altar so ferne. Aber nun heißt es selber Opfer sein.“ Er wird selber Opfer in einem besonderen Sinn: Als Märtyrer und Zeuge des Glaubens. Doch im allgemeinen Sinn muss der Priester immer sagen können: „Nun heißt es selber Opfer sein.“ Er muss sein Leben als Opfer mit Christus für die Menschen, für die ihm anvertrauten Gläubigen verstehen und verwirklichen. Der heutige Tag, da wir unsere ganze priesterliche Hingabe erneuern, möge uns wiederum die Kraft und den Geist schenken, mit Christus Opfer zu sein für das Heil einer jeden uns anvertrauten Seele, damit wir einst mit unserem Herrn und in Nachahmung seiner Liebe dem Vater im Himmel sagen können: „Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast“ (Joh 18,9). Amen.

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