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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Chrisammesse am Donnerstag, 2. April 2015, in der Kathedrale in Chur

Wenden wir uns dem Wort aus der Offenbarung des Johannes zu: „Er (Jesus) liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Pries­tern vor Gott, seinem Vater“ (Offb 1,6). Könige und Priester! Jesus hat uns durch seinen Tod am Kreuz zu Königen gemacht und zu Priestern, sagt uns diese Lesung. Betrachten wir zu­nächst diese zwei Aussagen.
Jesus hat uns zu Königen gemacht. Wörtlich heißt es: Er hat uns zu einem Königreich gemacht. Das ist doch ein nicht geringer Unterschied. In der Revision der Einheitsübersetzung wird daher wirklich der Ausdruck Königreich eingesetzt. Jesus hat uns zu einem Königreich geformt, zu einem königlichen Volk. Ein königliches Volk zu sein, ist wohl der Inbegriff von Freiheit, von Frieden, von Wohl­ergehen, von Reich­tum, von Adel. Wir sind ein geadeltes Volk. Das Volk Gottes ist ein edles Volk. Wir bilden das Königreich unseres Herrn, und das bedeutet vor allem, dass wir unter seinem Schu­tz stehen. Wir leben nicht mehr in der Angst vor einer Fremdherrschaft – vor der Fremdherrschaft Satans – und brauchen nichts zu fürchten. Das alles umfasst der Ausdruck „Königreich“.
Johannes fährt alsdann fort: Er hat uns zu Priestern ge­macht vor Gott, seinem Vater. Der Priester ist eine ausgeson­derte, besser eine auserlesene Person. Er ist für Gott auserwählt. Der Priester ist in diesem Sinn in einem besonderen Maß gehei­ligt. Jesus hat uns nun zu Priestern gemacht. Das bedeutet, dass er uns geheiligt hat. Das Volk Gottes ist ein auserlesenes Volk, ein geheiligt­es Volk.
Die Heiligung, und damit die Heiligkeit, ist anderseits die Voraussetzung, um sich Gott nahen zu dürfen, um vor Gottes Angesicht zu bestehen, um Gott zu schauen. Priester sein heißt daher auch, vor Gott hintreten dürfen, um Gott ein wohlgefäl­liges Opfer darzubringen. Indem uns Jesus zu Priestern gemacht hat, hat er uns befähigt, vor Gott zu stehen und in eine innige Gemeinschaft mit Gott zu treten. Er hat uns zu einer Gemein­schaft geformt, die auch stellvertretend für andere Gemein­schaften vor Gott hintreten kann.
Dieser Text aus der Offenbarung des Johannes ist somit einer der Texte, welcher das sogenannte allgemeine Priestertum aller Gläubigen begründet. Es ist das Priestertum eines heiligen, guten Lebens. In diesem Sinn sagt bereits der Catechismus Romanus von 1566, indem er vom inneren Priestertum spricht, und dies aufgrund der langen Lehrtradition der Kirche, das Folgende: „Was nun das innere Priestertum angeht, so werden alle Gläubigen … Priester genannt …; denn diese opfern im Glauben, welcher durch die Liebe entflammt wird, auf dem Altar ihres Herzen Gott geistige Opfer, worunter alle guten und rechtschaffenen Taten, welche sie auf Gottes Ehre beziehen, zu zählen sind“ (II,7,23). Ist dies nicht eine wunderbare Um­schrei­bung: Die Getauften opfern im Glauben auf dem Altar ihres Herzen Gott „alle guten und rechtschaffenen Taten“. Das ist das Ziel des allgemeinen Priestertums. Es wird unsere Aufgabe sein, den uns anvertrauten Gläubigen die Bedeutung dieses Priestertums, des Priestertums der Taufe, in diesem Sinne dar­zulegen.

„Er hat uns … zu Priestern gemacht vor Gott, seinem Va­ter“. Dieses Wort möchte ich heute auf das sogenannte äußere Priestertum, auf das Priestertum des Dienstes, anwenden; auf das Sakrament der Priesterweihe. Es soll uns in dieser Feier an unser besonderes Pries­tertum erinnern. Dazu lesen wir in der Konzilskonstitution Lumen Gentium, dieses Priestertum würde sich wesentlich vom gemeinsamen Priestertum unterscheiden (10). Das heißt: Dieses Priestertrum hat seine eigene Bedeu­tung, und wir wollen, dazu geweiht, diesen eigenen Auftrag täglich verwirklichen.
Am Tag, da Jesus das Priestertum des Dienstes eingesetzt hat, am Hohen Donnerstag, wollen wir Priester uns auf unsere Weihe besinnen, und dem Herrn von neuem sagen: „Hier bin ich“ – in der alten Form, „Ich bin bereit“ in der erneuerten Litur­gie. Dieses „Ich bin bereit“ – lateinisch „volo“ – hat die bewuss­te, willentliche Übernahme eines Auf­trages, zum Inhalt, nicht einer Selbstverwirklichung. Oder sagen wir es so: die Selbstver­wirklichung des Priesters besteht in der Erfüllung des Auf­trages, den er von Jesus durch den Bischof und in Einheit mit dem Bischof empfangen hat. Dieser Auftrag ist mehr als das Bezeugen meiner Gegenwart, meiner Anwesenheit mit den Worten „Hier bin ich“. Mit diesem „Ich bin bereit“ – „volo“ – ist eine Verpflichtung verbunden. Ich verpflichte mich. Ich lasse mich in die Pflicht nehmen. Ich lasse etwas an mir geschehen. Ich stelle mich ganz dem Herrn zur Verfügung. Ich übergebe ihm meinen Willen. Es ist daher ein Akt der Entäußerung. Das Beispiel dafür gibt uns Christus selber. Der Brief an die Hebrä­er sagt: „Ja, ich komme … um deinen Willen, Gott, zu tun“ (10,7). So gleicht sich der Priester ganz Christus an. Nur so kann er ehrlich und aufrichtig in persona Christi capitis wirken. Nicht in der Selbstbestätigung, sondern in der Selbstentäuße­rung! Deshalb muss der Priester immer wieder die Stelle aus dem Brief an die Philipper meditieren: „Jesus Christus war Gott gleich, hielt aber nicht wie eine Beute fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“.
Die hohe Aufgabe des Priesters, Christus zu vergegenwär­tigen, im Namen Christi zu handeln, vor allem im Namen Chris­ti die Sünden zu vergeben und das heilige Opfer zu feiern, kann glaub­würdig und heilsam nur dann geschehen, wenn der Priester in seinem Leben verwirklicht, was über Jesus im Brief an die Hebräer steht: „Ja, ich komme … um deinen Willen, Gott, zu tun“ (10,7). So wird er sich immer wieder Jesus anglei­chen müssen.­
Die Entäußerung des Priesters geschieht vor allem da­durch, dass er die Botschaft des Herrn weitergibt und sich nicht von Willkür leiten lässt, sondern vom Glauben der Kirche: von der Heiligen Schrift in ihrem vollen Umfang und von der heili­gen Überlieferung – auch in ihrem vollen Umfang. Der Priester darf nicht selektionieren und herausnehmen, was im passt. Mit Sorgfalt hält er sich an die Botschaft des Herrn und an die Vor­gaben der Kirche.
Konkret wird diese Entäußerung im Weiheversprechen, und das Weiheversprechen wird abgeschlossen und besiegelt durch das Gehorsamsversprechen in die Hände des Bischofs, der die Frage stellt: „Ver­sprichst du mir und meinen Nachfol­gen Ehrfurcht und Gehorsam?“. Und der Priesteramtskandidat antwortet: „Ich verspreche es“ – „promitto“. Dieser Augenblick ist in der Weiheliturgie ein dramaturgischer, beeindruckender Moment. Es darf aber nicht bei dieser Dramaturgie bleiben. Sonst wäre dieser Moment nur gespielt. Er wäre nicht wahr. Dann wäre es eben „Schau­spiel“, „Inszenierung“, „Theater“, im Klartext: einen Illusionsmalerei, eine vor­getäuschte Wirk­lich­keit. Der Priester muss dieses Versprechen Tag für Tag leben. Sonst verstrickt er sich in Treulosigkeit und – das ist tragisch – in Sünde. Das wäre ein Schaden für die Kirche und für das königliche und priesterliche Gottesvolk. Das wäre aber ganz besonders ein Schaden für die Seele des einzelnen Priesters. Er würde sich das Gericht Gottes zuziehen. Deshalb bitte ich alle Priester, in der täglichen Gewissenerforschung darüber nach­zudenken, ob sie wirklich in Ehrfurcht und Gehorsam dem Bischof gegenüber diesen Tag gelebt und so das Weiheverspre­chen eingehalten haben. Indem die Priester in dieser Treue leben, werden sie das, was sie durch Gottes Ruf und Gnade sein sollen: Werkzeuge von Gottes Barmherzigkeit. In dieser Treue werden sie auf das Heil der Seelen hinwirken können und die Gewissheit haben, dass sie der Herr einst mit den Worten auf­nimmt: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! (Mt 25,21)“. Amen.

Wort vor dem Schuldbekenntnis

Carissimi confratelli nel sacerdozio.
in questa giornata, in cui il Signore ci ha lasciato il Sacramento della Santissima Eucaristia e il Sacramento dell’Ordine vi ac­colgo con particolare gioia e con grande affetto. La vita del sacerdote è un imperativo che deriva dall’ordinazione. Il sacra­mento dell’ Ordine è la fonte della dignità del presbitero e della sua potestà. San Vincenzo Pallotti in uno dei suoi pensieri dice: O Sacerdos, quis es tu? Non es a te, quia a Deo. Non es ex te, quia de nihilo. Non es pro te, quia pro hominibus in iis quae sunt ad Deum. Non es tibi, quia Spon­sus Ecclesiae. – O sacer­dote, chi sei tu? Non ti sei fatto da te; ti ha fatto Iddio; non sei da te, ma dal nulla. Non sei stato fatto per te, ma per gli uomini rispetto a Dio; non sei fatto per te stesso, perché sei sposo della Chiesa.

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,
wir Priester sind, wie es der heilige Vinzenz Pallotti sagt, für die Menschen da – im Hinblick auf Gott. Dieses „im Hinblick auf Gott“ bestimmt unsere Beziehung zu den Menschen. Die Menschen zu Gott zu führen, das ist unser Auftrag. Diesen Auftrag haben wir im Sakrament der Weihe empfangen, und jede priesterliche Vollmacht, welche der Weihe entspringt, ist uns gegeben, damit wir den Menschen helfen, zur Heiligkeit zu gelangen, um einst Gott zu schauen. Wir wollen uns in dieser Feier wiederum auf diesen Auftrag besinnen und unser Priester­tum erneuern. Möge dieses Priestertum, welches in Christus, dem Gesalbten, seinen Ursprung hat, mit Blick auf die Weihe der heiligen Öle eine heilende und heiligende Salbung sein, um die Menschen vor dem Bösen zu schützen und sie auf dem Weg des Glaubens zu stärken.

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