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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Christmette am 24. Dezember 2014 in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,
warum feiern wir, was unüblich ist, diese heilige Messe mitten in der Nacht? Weil, was auch unüblich ist, die Nacht hell wird wie der Tag. Das Licht des neugeborenen Kindes führt uns aus der Nacht in den Tag hinein, nicht in den astronomischen Tag, sondern in den Tag des Geistes, in den Tag der göttlichen Gnade: „Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, stahlt ein Licht auf“, sagt uns der Prophet Isaias (Is 9,1). Es ist dies das Licht Gottes, welches fortan den Menschen begleitet. Deshalb ist für uns diese Nacht nicht eigentlich Nacht, sondern eben Tag, Tag, an dem das göttliche Licht aufscheint. Das Tagesgebet hat diesen Gedanken mit den Worten aufgenommen: „Herr, in dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt“. Dieses Licht hat einen Namen, ist eine Person, ist ein Kind. Die Engel nennen es den Retter, den Messias, den Herrn (Lk 2,11).
Wir kennen die Volksweise aus dem siebzehnten Jahrhun-dert „Maria durch ein’ Dornwald ging“. Während dem Advent haben wir sie oft gesungen. Sie spricht, wie es der Anfang sagt, vom Gang Marias durch einen Wald, durch einen toten Wald, durch einen Wald, der sieben Jahre kein Laub trug. Da bestand wenig Hoffnung auf ein erneutes Aufblühen der Bäume und Sträucher.
Maria geht durch diesen Wald mit dem Kinde Jesus in ihrem Mutterleib. Und da geschieht das Wunderbare. Der Gesang drückt es so aus: „Da haben die Dornen Rosen getragen, als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen“.
Meine Lieben, kehren wir zurück zur Nacht, die zum Tage wird. Deshalb heißt sie Heilige Nacht. Es wird uns eben der Heilige geschenkt. Denn der Engel sprach zu Maria: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35).
Der Heilige ist der Sohn Gottes, nicht nur dem Titel, sondern dem Wesen nach. Er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Wir werden es gleich im Credo bekennen. Weil er der Heilige ist, weil er der Sohn Gottes ist, vermag er auch zu heiligen. Das bedeutet: Er vermag aus dem Dunkel das Licht hervorgehen zu lassen. Er vermag Totem Leben zu geben, er vermag Verhärtetes aufzuweichen, er vermag Dornen in Rosen zu verwandeln, er vermag Herzen aus Stein zu Herzen aus Fleisch umzugestalten, er vermag den Menschen zu verändern; er vermag verstockte, unversöhnliche und unnahbare Menschen zu Menschen des Friedens umzuwandeln. Das sind die Rosen, die aufblühen: „Da haben die Dornen Rosen getragen, als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen“.
Meine Lieben, lassen wir Maria mit ihrem Kind auch heute durch unsere Reihen schreiten, durch unsere Straßen und Gassen, durch unsere Siedlungen und Quartiere, durch unsere Familien und Haushaltungen, damit überall aus Dornen Rosen werden, damit das Wunder der Wandlung der Herzen alle erfasse; dass dadurch eine Welt entstehen kann, wo der Friede Gottes herrscht, der Friede, den die Engel mit der Weihnachtsbotschaft verkünden; dass das göttliche Licht überall hellen Tag werden lasse. Amen.

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