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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Diakonenweihe vom Samstag, 6. Oktober 2018 in St. Peter und Paul/Zürich

Liebe Weihekandidaten,

warum seid Ihr hier? Die Antwort darauf ist: um die Diakonenweihe zu empfangen. Diese Antwort kann ausgeweitet werden: um uns als Diakone auf die Priesterweihe vorzubereiten. Unser Ziel ist die Priesterweihe.
        Tatsächlich, Ihr wollt Priester unseres Herrn Jesus Christus werden. Das ist Euer Ziel. Das ist Euer Wunsch. Dazu empfangt Ihr heute die Diakonenweihe, die Vorstufe zur Priesterweihe.
        Woher aber kommt dieser Wunsch? Ihr werdet mir sagen: Dieser Wunsch kommt aus der Gewissheit, dass wir dazu berufen sind. Wir haben diese Berufung erkannt und wir wollen diesem Ruf Gottes folgen. Mit Paulus sagt Ihr: Weil […] ich von Christus Jesus ergriffen worden bin (Phil 3,12). Unser Herr hat Euch ergriffen. Er hat Euch sozusagen in seinen Bann gezogen. Das ist der Anfang jeder Berufung, wenn sie echt sein soll: Christus hat mich ergriffen. So war es schon bei der Berufung der Apostel.
        Wichtig ist, dass Ihr ergriffen bleibt. Bedeutsam ist nun, dass Ihr Euch durch nichts von dieser Berufung abbringen lasst. Ihr steht erst am Anfang eines Weges. Ihr müsst diesen Weg bis ans Ende gehen. Es gibt da keine Abzweigungen. Es gibt kein Ausweichen. Es gibt nur ein Voranschreiten: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt (Phil 3,13-14). So die Worte des heiligen Paulus. So wird nun auch Euer Weg ausschauen.
        Deshalb ist es nicht nur von Bedeutung, den Ruf Gottes empfangen und gehört zu haben. Es ist ebenso wichtig, dem Ruf Gottes bis zum Ende zu folgen – in Treue bis zum Ende zu folgen. Das heißt aber auch: Ihr müsst euch Rechenschaft geben über Eure eigenen Kräfte. Denn: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblick, taugt für das Reich Gottes (Lk 9,62­). Das ist ein Wort unseres Meisters. Ich gehe heute davon aus, dass Ihr dieses Wort des Herrn gut bedacht habt. Denn wie viele haben die Hand an den Pflug gelegt und danach zurückge­schaut. Sie ließen sich ergreifen, blieben aber nicht ergriffen und entzogen sich dem Ruf des Herrn, als der Versucher an sie herantrat. – Das wird Euch nicht zustoßen, wenn Ihr dem Wort des heutigen Evangeliums folgt, ja dieses Wort als Leitwort über Eure Weihe setzt: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes. (Lk 9,60). Von nun an ist dies Eure Aufgabe: Die Welt hinter sich lassen und das Reich Gottes verkünden. Das ist der Sinn der Weihen, das ist bereits der Sinn der Diakonenweihe. Sie befähigt uns insbesondere zum Dienen. Dieser Dienst ist ein Dien­st am Reich Gottes. Das ist der Diens­t, den Ihr als Diakone der Mensch­heit schuldet. Das ist der Diens­t, der alsdann hinein fließt in das vollendete Werk der Priesterweihe. Die Diakonenweihe ist in diesem Sinn die Vorschule zur Priesterweihe. Auf diesem Dienst baut das umfassende, in drei Stufen gegliederte Sakrament der Weihe auf.
        Verkünde das Reich Gottes! In diesem Wort ist alles ausgesagt, was Eure Aufgabe ist: Der Dienst am Menschen um des Herrn willen. Wir sagen dem auch: Die Sorge um die Seelen um des Herrn willen. Das muss Eure Leidenschaft sein. Die heilige Theresia vom Kinde Jesus, deren Gedenktag wir am vergangenen Montag feierten, schreibt einem Priester: Arbeiten wir miteinander für das Heil der Seelen. Wir haben nur den einzigen Tag dieses Lebens, um sie zu retten und so dem Herrn Beweise unserer Liebe zu geben. Der folgende Tag ist die Ewigkeit. Dann wird Ihnen Jesus die so innigen und berechtigten Freuden, die Sie ihm geopfert haben, hundertfach vergelten. (Briefe 213, Deutsche authentische Ausgabe, Johannes-Verlag Leutersdorf 3198­3, S. 324). Meine Lieben, wir müssen diesen einzigen Tag unseres Lebens gut nutzen, um für das Heil der Seelen zu arbeiten. Es ist ein einziger Tag. Vergeudet die Zeit dieses einzigen Tages nicht! Lasst Euch nicht ablenken. Lasst Euch nicht ablenken von diesem einzigen Tag, der aus der Weihe hervorgeht.
        Verkünde das Reich Gottes! Denkt daran, dass Ihr das Reich Gottes nicht nur durch das Wort, durch die Lehre, durch Aktivitäten verkündet. Denkt daran, dass Euer Leben ein Verkünden des Reiches Gottes sein muss; dass alle Verkündigung von hier ausgehen, muss – von einem Leben in Glaubwürdigkeit, in Lauterkeit, in Heiligkeit. Wie Ihr lebt, so verkündet Ihr. Alles andere wirkt sich auf die Verkündigung negativ aus. Das hat die Kirche in jüngster Vergangenheit bitter erleben müssen. Wenn das Leben jener, die das Reich Gottes verkünden, nicht mehr mit dem überein­stimmt, was der Inhalt dieser Verkündigung ist und was sie als Versprechen abgelegt haben, wird das Antlitz der Kirche entstellt und der Leib unseres Herrn geschlagen, gegeißelt, verwundet, tödlich verwundet: In jetziger Zeit darf man keine Unvollkommenheiten an denen wahrnehmen, die als Lehrer auftreten müssen. Denn mit wem haben sie es zu tun, als mit der Welt? Diese aber, dessen dürfen sie überzeugt sein, wird keine Unvollkommenheit an ihnen unbeachtet lassen und ihnen nicht verzeihen. Von ihren guten Eigenschaften wird man vieles übersehen, ja es vielleicht nicht einmal für etwas Gutes halten; aber dass man ihnen etwas Fehlerhaftes oder Unvollkommenes nachsehe, das dürfen wir nicht hoffen. Wer hat uns diese Worte hinterlassen? Kein Zeitgenosse, obwohl wir es vermuten könnten, und nach den jüngsten Vorkommnissen zu Recht vermuten würden. Nein, hier spricht Theresia von Avila im sechzehnten Jahrhundert (Weg der Vollkommenheit, 3. Kapitel). Die Kirche blickt auf die Erfahrung von Jahrhunderten zurück. Wer beherzigt sie?  
        Ihr habt bei Eurer Vorbereitung auf den Dienst erkannt, dass Euer Leben und Eure Verkündigung eine Einheit bilden. Ihr habt daher Euch ganz dem Herrn geweiht, ganz dem Herrn angetraut, indem Ihr Euch für ein Leben in Keuschheit und Enthaltsamkeit verpflichtet habt. Mit Paulus habt Ihr in diesem Sinn gesagt: Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte alles für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein (Phil 3,8-9). Ich bitte Euch dringend, dieses Versprechen nicht leichtfertig in Gefahr zu bringen. Ihr würdet damit einen großen Schaden anrichten. Deshalb habe ich vorhin gesagt, dass Ihr Euch über Eure eigenen Kräfte Rechenschaft geben müsst, auch über Eure Schwächen und Fehler. Das bedeutet so viel, dass Ihr täglich daran bleib­t, dass Ihr also täglich dieses Versprechen erneuert und um die Gnade bittet, Eurem Versprechen treu zu bleiben und ein beispielhaftes Leben zu führen. Denn der Herr hat alles auf die Treue jener gesetzt, die der Kirche dienen. Ihr dürft den Herrn nicht enttäuschen. Denn der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann (Lk 9,58). Bei Euch aber soll er die Ruhe für sein Haupt finden. Eure Treue, Eure Selbstbeherrschung in jeder Hinsicht, Eure Liebe zu ihm sei fortan sein Ruheplatz. Ame­n.

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