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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Erwachsenenfirmung vom 7. März 2015 in der Kathedrale in Chur

Liebe Firmlinge,
der Heilige Vater, Papst Franziskus, spricht viel über die Barmherzigkeit Gottes. Wir sollen uns der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen. Wir sollen auch Gottes Barmherzigkeit erbitten. Wir sollen Gottes Barmherzigkeit beanspruchen. Wir sollen – und dies an die Diener der Kirche gerichtet – Gottes Barmherzigkeit verkünden.
Gottes Barmherzigkeit hat einen fassbaren, einen zeichenhaften Ausdruck. Die Sakramente der Kirche sind nichts anderes als Beweise und Gaben von Gottes Barmherzigkeit: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Weihe, Ehe. Wenn wir uns den Sakramenten nähern, nähern wir uns Gottes Barmherzigkeit. Wenn wir die Sakramente empfangen, kommt über uns Gottes Barmherzigkeit.
Das hervorragende Sakrament von Gottes Barmherzigkeit ist nach der Taufe das vierte Sakrament, das Sakrament der heiligen Beichte. Es ist deshalb das hervorragende Sakrament von Gottes Barmherzigkeit, weil es uns immer wieder von dem reinigt, was uns auf dem Weg zu Gott hindernd im Wege steht: Es reinigt uns von der Sünde. Die Sünde trennt den Menschen von Gott. Anderseits ist der Mensch von der Sünde geprägt und gerät daher öfter in die Falle der Sünde. Durch Gottes Barmherzigkeit sind wir aber der Sünde nicht machtlos ausgeliefert, sondern dürfen im Sakrament der Beichte durch die Absolution des Priesters die von Sünden befreiende Macht Gottes erfahren, sooft wir ihrer bedürfen.
Nun, heute feiern wir das Sakrament der Firmung. Auch das Sakrament der Firmung ist ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit. Es ist das Sakrament, das uns im Glauben bestärkt und uns dazu befähigt, für den Herrn, für Jesus, den Sohn Gottes, Zeugnis abzulegen. Es ist nicht einfach, in unserer Welt als Christen zu leben. Wir werden immer wieder angefochten und auf die Probe gestellt. Ein Beispiel: Denken wir an die Verfassungsvorlage vom 14. Juni 2015, wo es um Artikel 119 der Bundesverfassung geht, um die so genannte Präimplantationsdiagnostik bei Embryonen. Durch die Neufassung dieses Artikels soll die Präimplantationsdiagnostik ermöglicht werden. Das scheint eine hochwissenschaftliche Angelegenheit zu sein, und schon der Ausdruck flößt Respekt ein! Was heißt der Ausdruck aber im Klartext, was die dahinter stehende Praxis? Es soll die Möglichkeit gegeben werden, Menschenleben zu zerstören, Menschen im Reagenzglas auszusondern und zu töten. Eine solche Gesetzgebung zu verstehen und zu durchschauen, ist für einen Laien nicht einfach. Doch sobald wir erkannt haben, um was es in Wirklichkeit geht – und diese Erkenntnis müssen wir uns als Christen aneignen – sind wir mit Blick auf unseren Glauben verpflichtet, dagegen Stellung zu beziehen. Dieses Beispiel erhärtet die Aussage, welche ich vorhin machte: Es ist nicht einfach, in unserer Welt als Christen zu leben. Deshalb schenkt uns Gott die besondere Kraft des Heiligen Geistes im Sakrament der Firmung. Dieses Sakrament soll uns helfen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und unser Leben für den christlichen Glauben einzusetzen. Jesus selber sagt uns ja: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen“ (Joh 16,12-13).
Heute feiern wir die heiligen Frauen Felizitas und Perpetua. Sie wurden am 7. März 202 oder 203 in Karthago (Nordafrika) den wilden Tieren vorgeworfen. Der Grund dafür war ihr Bekenntnis zu Christus. Wir wollen aber nicht nur in die Vergangenheit zurückblicken. Wir denken auch an die vielen Christen unserer Zeit, die ihr Christsein in verschiedenen Ländern mit Verfolgung und manchmal auch mit dem Leben bezahlen. Auch sie sind Zeugen dafür, dass uns der Heilige Geist in der entscheidenden Stunde die Kraft und den Mut zum Glaubenszeugnis schenkt. Darin wollen wir ein Zeichen von Gottes Barmherzigkeit erkennen und heute mit Freude die Gabe der Firmung, die Gabe des Heiligen Geistes annehmen. Amen