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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Priesterweihe am Samstag, 15. November 2014 in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,
liebe Weihekandidaten Matthias, Audrius und Felix,

Gott hat die Macht zu berufen, Gott hat die Macht zu begnaden, Gott hat die Macht zu bewahren.
Ihr werdet heute für Gott und zum Heil des Volkes Gottes zu Priestern geweiht. Weihen bedeutet ganz Gott anheimstellen. Indem ich Euch weihe, übergebe ich Euch ganz dem Herrn. Indem Ihr Euch weihen lasst, übergebt ich Euch selber ganz dem Herrn. Der Herr soll über Euch verfügen dürfen, wie er über den Propheten Jeremias verfügte: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden“ (Jer 1,7). Schon jetzt verfügt der Herr über Euch als Diakone. Von nun an wird er über Euch auch als Priester verfügen, als Diakone und Priester. Er wird Euch eine neue Aufgabe zuweisen, er wird Euch eine neue Gnade schenken, die Gnade priesterlichen Seins und priesterlichen Handelns.
Ihr lasst Euch weihen, weil Ihr Euch berufen wisst. Ich weihe Euch, weil ich davon ausgehe, dass Ihr berufen seid, und dass Ihr Eure Berufung wirklich ehrlich und aufrichtig bekundet habt. Ich gehe davon aus, dass Ihr diesen Ruf wie der Gottesmann Jeremias vernommen habt: „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoss hervorkamst, habe ich dich geheiligt“ (Jer 1,2). Vor einer Berufung muss ich daher einen großen Respekt haben, und ich muss Berufungen mit großem Respekt abklären und fördern. Ihr anderseits müsst vor der eigenen Berufung Respekt haben und dürft sie nie aufs Spiel setzen. Denn Ihr ge-hört Gott. Sonst würdet Ihr „Kämpfer gegen Gott“ (Apg 5,39).
Die Kirche glaubt, dass die Berufung von Gott kommt. Es ist Gott der beruft. Die Kirche glaubt auch, dass der Herr zur Ganzhingabe beruft, zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, zur Lebensform Christi. Denn Christus sollet Ihr darstellen. Die Kirche glaubt, dass sich bei Eurer Berufung die wunderbare Verheißung erfüllt: „Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist“ (Mt 19,12). Die Kirche glaubt, dass diese Berufung der Ganzhingabe Euch gegeben ist, und von Gott kommt. Sie nimmt entgegen, was der Herr ihr schenkt. Die Kirche ist die Braut, die auf den Bräutigam hört und ihm folgt. Sie ist die Braut, die den Liebeserweis des Bräutigams annimmt. Heute dürft auch Ihr ein Zeichen dieses Liebeserweises des Bräutigams sein. Ihr seid ein Geschenk des Bräutigams an die Braut, an die Kirche.
Die Kirche vertraut nicht nur darauf, dass der Herr beruft, sondern auch darauf, dass der Herr begnadet. Der Herr schenkt dem Berufenen die Gnade, welche er braucht, um seine Berufung zum Heil des Volkes Gottes zu leben. Mit der Weihe empfangt Ihr, lieber Audrius, lieber Felix, lieber Matthias, diese Gnade, diese besondere sakramentale Gabe der Heiligung und der Ermächtigung.
Wenn wir von der Gnade sprechen, dann sprechen wir von Gott, der uns nahe ist und uns mit jenen Gaben beschenkt, die für die Erfüllung unseres Dienstes nötig sind. So ist es auch bei der priesterlichen Berufung. Gott schenkt Euch durch die Weihe wirklich das, was Ihr zur Erfüllung Eures priesterlichen Dienstes braucht. Mit dem heiligen Paulus darf ich beifügen: „… so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7). Ihr habt diesen Text für diesen Weihegottesdienst gewählt. Schreibt ihn in Euer Herz. Denn Ihr werdet in brauchen, wenn Ihr nicht mehr weiter kommt, oder wenn Euch irgend etwas von Eurer Berufung abbringen möchte. Dann greift zurück auf dieses „Übermaß der Kraft“, das von Gott kommt. Denn, dessen müsst Ihr Euch immer wieder bewusst sein: „Wir tragen den Schatz der Gnade in zerbrechlichen Gefäßen“ (2 Kor 4,7). Berufung bedeutet eben nicht Vollkommenheit. Weihe bedeutet nicht Unanfechtbarkeit, auch wenn die Weihe eine große Gnadengabe Gottes ist. Auch die priesterliche Berufung ist mit einem Restrisiko verbunden, das heißt, sie ist von einem zerbrechlichen Gefäß umgeben. Denkt aber immer daran, dass Gott Euch begnadet hat, dass er Euch die Gnade der Weihe geschenkt hat. Es ist die Gnade für Euren Auftrag, aber immer auch die Gnade, um Euch selber in der Treue und in der Liebe zu Eurer Berufung zu erhalten. So wird eben deutlich,“dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7), Von Euch muss aber immer der gute Wille kommen, dieses Übermaß der Kraft wirken zu lassen. So bittet den Herrn täglich, wenn Ihr das Tagewerk beginnt, dass er Euch dieses Übermaß schenke für den Tag, der vor Euch liegt.
Gott hat die Macht zu berufen, Gott hat die Macht zu begnaden, Gott hat die Macht zu bewahren. Jeremias weiß um die Not, in die er durch die Berufung geraten könnte: „Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung“ (Jer 1,6). Damit bringt er seine Angst zum Ausdruck. Er fürchtet, dass er nicht ernst genommen wird. Er befürchtet, dass seine Berufung in einem Fiasko endet, und dass er dadurch selber zum Spott und zum Hohn der Menschen wird. Doch Gott antwortet darauf in einer gewissen Strenge: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten“ (Her 1,9). Menschenfurcht muss dem Berufenen fern sein. Er darf sich nicht von Kritik und von Ablehnung beeindrucken lassen. Der Berufene darf aber immer mit dem Schutz Gottes rechnen. Gott wird ihn aus der Not, welche durch die Berufung entstehen könnte, retten. Er schenkt nicht nur die Gnade der Weihe, er bewahrt sie auch. Schön sagt dies der Brief an die Philipper: „Gott bewirkt das Wollen und das Vollbringen“ (2,13). Aber wiederum muss ich daran erinnern: Er kann es nur dann bewirken, wenn wir ihm gegenüber offen bleiben und unseren Dienst treu und zuverlässig erfüllen.
Damit kommen wir zum Evangelium, vor allem zu den Worten: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“ (Lk 22,15). Warum? Jesus gibt uns gleich die Antwort: „Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes“ (Lk 22,16). Es ist das letzte Pascha in der Zeit des Alten Bundes. Die Zeit des Alten Bundes geht nun zu Ende, und es beginnt eine neue Zeit, die Zeit der Kirche, die ihren Abschluss, ihre Vollendung im ewigen Paschamahl findet. Die Zeit der Kirche ist aber ganz bestimmt und geprägt vom heiligen Opfer, vom hingegebenen Leib des Herrn, vom vergossenen Blut des Herrn, und vom Testament des Herrn: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Der Herr hat sich danach gesehnt, den Aposteln, wie es der Text deutlich sagt, dieses Geheminis anzuvertrauen, sie in dieses Geheimnis einzuführen, und das bedeutet selbstverständlich auch, den Aposteln die priesterliche Sendung zu übergeben.
Meine Lieben, heute seid Ihr Gegenstand diese Sehnsucht: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“. Heute sagt es der Herr einem jeden von Euch: „Ich habe mich sehr danach gesehnt. Ich habe mich sehr danach gesehnt, Dir Felix, Dir Audrius, Dir Matthias dieses Geheimnis anzuvertrauen, ich habe mich sehr danach gesehnt, Dich als meinen Priester einzusetzen“. Das Priestertum geht aus dieser großen Sehnsucht des Herrn hervor. Schreibt auch dieses Wort tief in Euer Herz ein: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dich in die Schar meiner Priester aufzunehmen“. Amen.