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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Studienjahreseröffnung am 16. September 2013 in der Seminarkirche St. Luzi

Brüder und Schwestern im Herrn,

die heutige Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an Timotheus lädt uns zum Gebet ein. Er spricht vom Gebet in seinen verschiedenen Ausdrucksweisen: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“ (2,1-2). Ungestört und ruhig sollen wir leben können. Denn dies ist für die Entfaltung des Glaubens – Paulus spricht von der Frömmigkeit und Rechtschaffenheit – von großer Bedeutung. Das Gebet soll eben die dafür notwendigen Voraussetzungen erwirken.

Ein Seminar und eine mit dem Seminar eng verbundene Theologische Hochschule ist immer auch eine Stätte des Gebetes, ja eine Schule des Gebetes. Heute möchte ich eigens auf ein Gebet aufmerksam machen, auf das Rosenkranzgebet, auf das Gebet, welches uns Maria ans Herz legt, auf das Gebet, das uns ganz besonders mit der Gottesmutter verbindet. Dieses Gebet soll auch Seminaristen und Studierenden der Theologie teuer sein. Ganz besonders durch die Marienerscheinungen von Lourdes und Fatima hat das Rosenkranzgebet eine herausragende Stellung in der Heilsgeschichte erhalten, eigens als Ausdruck der Hingabe ans unbefleckte Herz Mariens.

Bald wird er heiliggesprochen: Papst Johannes Paul II. Deshalb möchte ich in diesem Zusammenhang zwei kurze Hinweise geben zur Bedeutung Marias, das heißt natürlich auch des Rosenkranzes, im Leben dieses Nachfolgers Petri. Mit dem ersten Hinweis nehme ich Bezug auf das Buch „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ (Hamburg 1994). Darin nimmt der selige Johannes Paul Stellung zu seinem Wahlspruch „Totus tuus“ (Ganz dein). Dieses „Ganz dein“ gilt der Gottesmutter. Dazu gibt Johannes Paul die Erklärung ab: „Dieser Wahlspruch ist nicht nur ein Zeichen von Frömmigkeit und auch nicht einfach nur Ausdruck der Hingabe. Er besagt mehr. Die Hinwendung zu dieser Frömmigkeit hat sich in mir vollzogen, als ich während des Zweiten Weltkriegs in einer Fabrik arbeitete. Zunächst schien es mir, als müsse ich mich zugunsten der Christozentrik ein wenig von der Marienverehrung meiner Kindheit entfernen. Dank des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort begriff ich jedoch, dass gerade die wahre Verehrung der Muttergottes christozentrisch und tief im Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes sowie in den Geheimnissen der Fleischwerdung und der Erlösung verwurzelt ist. So entdeckte ich mit einem neuen Bewusstsein die Marienfrömmigkeit wieder.“

Der zweite Hinweis: Am 13. Mai 1981 wurde Johannes Paul II. auf dem Petersplatz von einer tödlichen Kugel getroffen. Stunden und Tage bangte die ganze Welt um das Überleben des Papst. Der Attentäter hat später im Gefängnis (1983) dem genesenen Heiligen Vater gegenüber selber die Frage gestellt: „Warum sind sie nicht gestorben? Ich bin sicher, richtig gezielt zu haben, ich weiß, dass die Kugel vergiftet und tödlich war“. Dann fügte er den Satz bei: „Ist es, wie man sagt, wegen ‘Fatima’.“ (Mura / Huber, Fatima, Stuttgart 2010,252).

„Warum sind sie nicht gestorben?“ Der Papst selber sah die Errettung aus der tödlichen Gefahr als ein wunderbares Ereignis an und schrieb es der Gottesmutter zu. „An diesem Tag verspürte ich in all dem, was vorfiel, diesen außerordentlichen mütterlichen Schutz, der sich stärker erwies als das tödliche Projektil … Eine Hand hat geschossen … eine andere hat die Kugel gelenkt“. In der Folge vertraute das Oberhaupt der Kirche am 7. Juli 1981 die ganze Menschheit dem mütterlichen Schutz Marias an. Ein Jahr nach dem Attentat, am 13. Mai 1982, unternahm Johannes Paul II. eine Dankeswallfahrt nach Fatima und weihte ein erstes Mal die Welt dem Unbefleckten Herz der Gottesmutter Maria.

„Warum sind sie nicht gestorben?“ Wir finden die Antwort im Geheimnis Marias und der Kirche, in der starken Verbundenheit der Gottesmutter mit der Kirche, letzendlich in der einzigartigen Verbundenheit Marias mit ihrem Sohn. Maria spielt in der Heilsgeschichte als die große Fürsprecherin eine herausragende Rolle. Damit kommen wir zurück auf den Text aus dem erstem Brief des heiligen Paulus an Timotheus. In Maria haben wir die große Beterin, und daher auch die mächtige Beschützerin der Kirche. Deshalb möchte auch ich, in der Verantwortung für dieses Seminar und für die Hochschule und damit für die Verkündigung des Glaubens in diesem Bistum, dieses Haus ganz ihr weihen.

„Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“ (2,1-2). Möge die Fürbitte, Marias, der Gottesmutter insbesondere bewirken, dass in diesem Haus alle in Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig sich auf den Einsatz in der Seelsorge vorbereiten und sich ins große Werk der Evangelisierung unserer Zeit einarbeiten können. Vergessen wir dabei nicht: Das Rosenkranzgebet ist ein starkes Mittel, um die Evangelisierung zu fördern. Amen.

WEIHE AN DAS UNBEFLECKTE HERZ MARIENS

Heilige Maria, Muttergottes, Hilfe der Christen, Zuflucht des menschlichen Geschlechtes, Königin des heiligen Rosenkranzes, Unsere Liebe Frau von Fatima!

Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, hat auf Erden die Verehrung deines Unbefleckten Herzens begründen wollen, um den Menschen heute ein Zeichen des Heils zu geben. Durch diese besondere Andacht will er unserer Zeit alle Gnaden schenken, die Seelen dem Feuer der Hölle entreißen und der Welt den Frieden schenken.

Von großem Vertrauen in diese Verheißungen unseres Herrn beseelt, weihen wir dieses Seminar von Sankt Luzi und uns selbst deinem Unbefleckten Herzen, wir weihen dir insbesondere alle priesterlichen Berufungen. Deine Worte, die Du in Fatima mitgeteilt hast, nehmen wir tief in unser Herz auf und erklären uns bereit, als Sühne für die Bekehrung der Sünder jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen. Das Gebet des heiligen Rosenkranzes sei unser ständiger Begleiter.

Wir bitten Dich, wie in Fatima, öffne auch heute deine Hände und lass daraus jenes Licht der Erkenntnis hervor strömen, das aus Gott kommt, das bis in unser Herz dringt, das innerste unserer Seele erleuchtet und uns selber in Gott sehen lässt. Bewirke, dass unser Seminar immer mehr ein Ort übernatürlicher Freundschaft und Liebe werde, geistlicher Freude und aller Tugenden. Lass von hier viele Priester ausgehen, die ein Abbild des guten Hirten Jesus Christus sind, freudige Apostel des Glaubens und wahre Diener der vielfältigen Gaben Gottes.

Selige Jungfrau und Gottesmutter Maria, nimm in Liebe diesen Akt unserer Weihe an. Hilf einem jeden von uns mit dem heiligen Engel von Fatima immer wieder zu sprechen: „Allerheiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefer Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt, zur Sühne für alle Lästerungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der Sünder.“

Bleibe uns nahe, gütige Mutter, Mutter der Priester, Mutter der Kirche, und lass uns mit Dir unserem Herrn und Heiland von einem Ende der Erde bis zum andern ein ewiges Magnifikat der Ehre, der Liebe und des Dankes anstimmen; denn in ihm, unserem Herrn und Gott allein, können wir die Wahrheit, das Leben und den Frieden finden. Gelobt sei er in Ewigkeit. Amen.