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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich des Jubiläumsgottesdienstes „150 Jahre Inländische Mission“ am Freitag, 27. September 2013 in der Seminarkirche St. Luzi

Brüder und Schwestern im Herrn,

ich möchte auf die erste Lesung zurückgreifen. Sie berichtet uns eine Vision aus der Zeit, da Israel unter der persischen Herrschaft stand. Im zweiten Jahr des Königs Darius, das ist das Jahr 520 vor Christus, ergeht ein Wort des Herrn an den Propheten Aggäus oder Haggai. 18 Jahre sind vergangen, seit die ersten Juden aus der babylonischen Gefangenschaft, aus der Verbannung, in ihre Heimat zurückkehren und Jerusalem aufbauen konnten. Alles war sehr mühsam, schleppend und beschwerlich. Vor allem ließ die Arbeit am Tempel zu wünschen übrig. Das war eben für die gläubigen Israeliten ein Ärgernis und ein Anlass zur Trauer. Der Ort des Kultes, der Ort des Gebetes, der Ort des Opfers, der Ort der Versöhnung war vernachlässig. Das geht aus den Worten des Propheten hervor (2,3): „Ist unter euch noch einer übrig, der diesen Tempel in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und was seht ihr jetzt? Erscheint er euch nicht wie ein Nichts?“
Wir befinden uns im Monat Oktober dieses Jahres 520, in der Mitte des Monats. Es ist der letzte Tag des Laubhüttenfestes. Der Anlass, das Laubhüttenfest, erinnert Israel an die Wanderung des Volkes Gottes durch die Wüste, da sich die Leute in Hütten oder Zelten aufhalten mussten. Das Fest wird mit großer Feierlichkeit begangen. Heute noch wohnt der fromme Jude in dieser Zeit in einer, in seinem Heim, etwa auf einem Balkon, dazu angefertigten Behausung aus Zweigen und Ästen. Wenigstens die Mahlzeiten werden darin eingenommen.
Die Hütte oder das Zelt gibt einerseits Schutz und Sicherheit. Doch anderseits ist klar: Die Hütte oder das Zelt gewährt nur bedingte Geborgenheit. Wie schnell wird diese vorläufige Behausung durch einen Sturm oder durch Wassermassen weggefegt. Wie leicht lässt sich in den Raum eindringen. Wie rasch ist alles zerstört. Ohne Gottes Hilfe und Beistand ist kein Überleben gewährleistet, oder nur schwerlich möglich. So wird das Laubhüttenfest für den Juden zu einer Feier, die an Gottes besonder Nähe erinnert, an seinen außerordentlichen Schutz.
Auf diesem Hintergrund sind auch die Worte des Propheten zu verstehen: „Denn ich bin bei euch … Der Bund, den ich bei eurem Auszug aus Ägypten mit euch geschlossen habe, bleibt bestehen, und mein Geist bleibt in eurer Mitte. Fürchtet euch nicht“ (2,4-5). Daraus entstand auch das Gebet, welches der fromme Jude in der Laubhütte heute noch vor jeder Mahlzeit spricht: „Gepriesen bist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns durch die Gebote geheiligt hast und uns befohlen, in der Laubhütte zu wohnen“. Beim ersten Aufenthalt in der Hütte wird hinzugefügt: „Gepriesen bist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns am Leben erhalten, und bewahrt und uns gegeben hast, diese Zeit zu erreiche.“
Dieses Gebet wollen wir uns auch heute, anlässlich des Jubiläumsgottesdienstes „150 Jahre Inländische Mission“ aneignen. Eben dieses Werk ist ein Zeugnis für Gottes Nähe und Segen. Darin drückt sich diese Nähe und dieser Segen Gottes aus. Denn durch die Inländische Mission konnte vieles aufgebaut und die Ausbreitung des Glaubens gefördert werden. Unzählige Menschen konnten, und das ist wohl der größte Segen, in ihrer Beziehung zu Gott gefestigt und unterstützt werden.
„Dann strömen die Schätze aller Völker herbei, und ich erfülle dieses Haus mit Herrlichkeit“ (2,7). Ja, wirklich, der Herr ließ in diesen 150 Jahren Schätze herbeiströmen, Schätze materieller, Schätze geistiger Art. Ohne diese Schätze, ohne diese materielle Hilfe, hätten manches Gotteshaus und manches Pfarreizentrum nicht erbaut werden, und was noch wichtiger ist, der Tempel in der Seele vieler Menschen hätte nicht errichtet werden können. In tiefer Dankbarkeit denken wir dabei an die vielen Helfer und Helferinnen, welche in diesen Jahren das Werk aufbauten, förderten und unterstützten. Sie waren die eigentlichen Schätze, welche unser Herr herbeiströmen ließ, um seine Herrlichkeit kundzutun. In einem gewissen Sinn hat sich so auch bei uns das Wort des Propheten verwirklicht: „Die künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die frühere … An diesem Ort schenke ich die Fülle des Friedens“ (2,9).
So beten heute auch wir mit den Worten, mit denen wohl auch Jesus, unser Herr, das Laubhüttenfest beging: „Gepriesen bist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns am Leben erhalten, und bewahrt und uns gegeben hast, diese Zeit zu erreiche.“ Amen.

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