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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich des Pastoralbesuches der Erlöserpfarrei in Zürich am Sonntag, 7. Oktober 2018

Brüder und Schwestern im Herrn,

das heutige Evangelium legt uns die Lehre Jesu über die Ehe vor. Der Herr geht dabei von der Frage der Pharisäer aus, ob ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen dürfe (vgl. Mk 10,2). Offenbar war dies eine Frage, welche zu Diskussionen Anlass gab. Zur Diskussionen Anlass gab sie vor allem deshalb, weil Moses, die entscheidende Autorität in Fragen des jüdischen Glaubens und des jüdischen Lebens, eine entsprechende Vorschrift erlassen hatte. Er hatte es „gestattet“, sagen die Pharisäer. Insofern ist ihre Frage nicht ganz aufrichtig­. Denn sie war von Moses schon gelöst worden. Deshalb fügt der Evan­gelist hinzu: Damit wollten sie ihm eine Falle stellen (wörtlich: ihn versuchen) (Mk 10,2). Ihre Absicht war, die Autorität Jesu, des Herrn, ins Wanken zu bringen.
        Jesus anerkennt die Autorität von Moses. Er erklärt aber gleichzeitig, warum Moses eine solche Vorschrift erlassen hatte. Das lag nicht an Moses, und ließ sich auch gar nicht vom göttlichen Gesetz oder von der Schöpfungsordnung ableiten. Das lag einzig und allein an der Hartherzigkeit der Menschen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben (Mk 10,5). Hartherzigkeit ist, wie es das Wort sagt, eine Verhärtung. In diesem Zusammenhang ist es eine Verhärtung gegenüber Gott und seiner Ordnung. Mit diesem Hinweis verbindet Jeus die klare Aussage, eine Entlassung des Ehegatten entspreche nicht der göttlichen Ordnung, und er prägt das klare  Wort: Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mens­ch nicht trennen (Mk 10,9). Damit nimmt die Diskussion ein Ende.
        Hinterher, den Jüngern gegenüber, bestätigt Jesus seine Aussage und erweitert sie: Sie hat nicht nur Gültigkeit für den Mann der Frau gegenüber. Sie hat auch Gültigkeit für die Frau ihrem Mann gegenüber. Heute würden wir sagen: Jesus unterstreicht die Gleichberechtigung.
        Es fällt auf, dass der Evangelist Markus und ebenso der Evangelist Matthäus die schwierige Frage des Ehebruchs und der Ehescheidung mit der Szene der Kindersegnung verknüpfen: Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte (wörtlich: sie berührte) (Mk 10,13). Berechtigterweise können wir fragen: Warum diese Verknüpfung der Belehrung über die Ehe mit dieser Szene? Das könnte belanglos sein. Das könn­te anderseits einen tiefen Sinn haben. Nach der Darlegung des Schöp­fungswillens Gottes in Bezug auf die Ehe könnte das bedeuten, dass wir die göttliche Ordnung nur mit einem kindlichen Herzen erfassen und aufnehmen können. Das bestätigt etwa der Hinweis des Herrn: Denn Menschen wie ihnen (wörtlich: solchen wie ihnen) gehört das Reich Gottes (Mk 10,14).
        Es ist nicht leicht für den Menschen – und hier müssen wir wohl den Erwachsenen ansprechen -, Gottes Weisungen anzunehmen und sich in den göttlichen Willen einzufügen. Dafür ist er zu hartherzig. Dafür ist er zu eigensinnig. Dafür braucht er die Natur eines Kindes, welches sich ganz auf den Vater, auf die Eltern verlässt und sich von ihnen leiten lässt. Nur so kann der Mens­ch ins Reich Gottes gelangen.
        Das macht uns nachdenklich. – Das soll uns auch nachdenklich machen. Denn dann sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass sich ­unsere Herzenshärte lösen wird und wir für Gottes Willen empfänglich werden. Amen.

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