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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich des Pastoralbesuches in Reichenburg/SZ am Sonntag, 4. März 2018

Brüder und Schwestern im Herrn,

in der postmodernen Gesellschaft, in der Zeit, in der wir leben,  sind mehr und mehr neue ethische Fragestellungen auf uns zugekommen, zum Beispiel die Frage einer würdigen Bestattung unserer Verstorbenen,  zum Beispiel die Frage der Sterbehilfe und des begleiteten Suizids, des sogenannten Exit, die Frage der Ausweitung des Ehe-Begriffs, die Frage der Adop­tionsregelung für Kinder, die Frage der schulischen Aufklärung der Kinder und Jugendlichen.
        Inzwischen werden öfter staatliche Anweisungen und Gesetze dem Bürger vorgelegt und alsdann auferlegt, welche das Gewissen und die moralische Überzeugung des einzelnen sehr belasten können. Die Entwicklung des öffentlichen Lebens wird in eine bestimmte Richtung gelenkt. Dem einzelnen werden Verhaltensweisen aufgezwungen, die er selber nie wählen würde. Die persönliche Freiheit wird stark be­schnitten. Es entsteht ein Druck zur Übernahme von Weltanschau­ungen, von Ideologien und deren Ansprüchen. Religiöse und naturrechtliche Werte spielen bei politischen Entscheidungen je länger desto weniger eine Rolle. Was einmal heilig war, wird immer mehr entheiligt. Wir geraten zusehends in einen ethiklosen Zustand. Der Boden der Wahr­heit wird Schritt um Schritt zugunsten der Willkür verlassen. Ein Mehr­heitsbeschluss wird höher eingeordnet als die moralische Verantwortung der einzelnen Person. Das bedeutet auch, dass das Gespür für die Wahrheit in unserer Gesellschaft mehr und mehr ­schwin­det. Der Maßst­ab für ein gutes Handeln des Menschen geht verloren.
        Was bedeutet dieser Zustand oder diese Entwicklung für uns und für den Auftrag der Kirche? Dieser Zustand und diese Entwicklung verlangen von uns einen umso stärkeren Einsatz für die Wahr­heit. Unsere Verantwortung ist herausgefordert. Wir müssen, vor allem die Eltern und Erzieher, ein waches Auge für die ethische Bildung unser Kinder und Jugendlichen haben. Auf der Grund­lage unserer Glaubenswerte müssen Eltern und Erzieher das Gewissen der Kinder und Jugendlichen umso aufmerksamer formen. Sie müssen ihnen den Maßstab für die Lebensführung neu in die Hand drücken.
        Und welches ist dieser Maßstab? Der Maßstab wird uns von Gott gegeben. In der ersten Lesung (Ex 20,1-17) war die Rede von den Zehn Geboten Gottes. Bis heute sind die Zehn Gebote Gottes das Fundament für unser Tun. Das zeigt sich etwa, wenn wir den Katechismus der Katholischen Kirche zur Hand nehmen. Als Grundlage für die Lebensführung des Christen dienen die Zehn Gebote. Das Handeln des Christen wird an  den Zehn Geboten gemessen. Ob etwas gut oder schlecht ist, wird von den Zehn Geboten her beurteilt.
         Jesus selber macht auf die Gebote aufmerksam­. Die Zehn Gebote sind nach der Lehre von Jesus der sichere Weg zum ewigen Leben. Hören wir, was uns der Evangelist Matthäus dazu sagt: Und siehe, da kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten. Nur einer ist der Gute. Wenn du aber in das Leben eingehen wills­t, halte die Gebote! Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Mt 19,16-19).
        Das heutige Evangelium erzählt die Begebenheit der Tempelreinigung (Joh 2,13-25). Jesus will keinen Markt im Tempel und im Tempelbereich. Er will auch keinen „frommen“, religiös verbrämten Markt im Tempel. Er will, dass die Menschen in tiefem Glauben und in Gottesfurcht zum Tempel kommen, um den Herrn der Welt anzubeten und ihm die Ehre zu erweisen. Dabei macht der Evangelist auf einen anderen Tempel aufmerksam, auf den Tempel des Leibes unseres Herrn: „Er aber meinte den Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21), sagt er. Daran anknüpfend können wir sagen: Der mensch­liche Leib ist ein Tempel. Der mensch­liche Leib gehört Gott. Vor allem durch die Taufe ist unser Leib ein Tempel des Heiligen Geis­tes. Deshalb sollen wir ihn heilig halten und alles Schlech­te daraus verbannen.    
        Das führt uns nochmals hin zu den Zehn Geboten Gottes. Sie sind eben jene Hilfe, welche wir brauchen, um unseren Leib als Tempel Gottes heilig zu halten, mit anderen Worten, ein heiliges Leben zu führen. Die Geißel aus stricken, von der Johannes berichtet (2,15­), könnte eine gute Beich­te auf der Grund­lage der Zehn Gebote sein. Dabei wird das Heiligtum unseres Leibes, unserer Seele gereinigt und von neuem Gott geweiht. Auf diese Weise erhalten wir auch die Kraft, um dem Ungeist unserer Zeit zu begegnen und das Haus des himmlischen Vaters, nämlich diese Welt, zu einem Haus des Gebetes, der Gottesfurcht und der Gottesliebe zu machen. Amen.

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