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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich des Pontifikalamtes in der Churer Heiligkreuz-Pfarrei am Sonntag, 11. März 2018

Brüder und Schwestern

        in der heutigen Lesung aus dem Brief an die Epheser begegnet uns der Ausdruck Gnade. Der heilige Paulus schreibt: „Aus Gnade seid ihr gerettet“ (Eph 2,5). Darauf folgt der Satz: „Dadurch, dass er [Gott] in Christus Jesus gütig an uns handelte, wollte er den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen“ (2,7). Dann erklärt der Apostel, was er damit meint: „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es ge­schenkt -, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann“ (2,8). Gnade ist das Gegenteil von eigener Kraft. Der Mensch kann sich nicht aus eigener Kraft retten. Er kann sich nicht durch seine Werke, durch sein Tun retten. Das heiß: Es gibt für den Menschen keine Selbsterlösung. Wir können das ewige Heil nicht selber erlangen. Wir sind immer auf die Hilfe Gottes angewiesen.
Diese Hilfe schenkt uns Gott in der Person von Jesus Chris­tus. Indem der Mensch sich Jesus Christus öffnet, indem er an Jesus Christus glaubt, empfängt er die Gnade. Der Mensch erlangt das ewige Leben dur­ch den Glauben, durch den Glauben an Jesus Chris­tus. Das heißt schließ­lich: Der Mens­ch erlangt das ewige Leben, indem er Jesus Christus als den Erlöser aufnimmt und sich zu ihm bekennt.
Nun, wir reden in der Fastenzeit ganz besonders von den guten Werken, die wir tun sollen. Daran erinnert uns auch das “Fastenopfer”. Sind diese guten Werke oder guten Taten eigentlich nutzlos? Wenn ich doch einzig durch die Gnade, durch den Glauben an Jesus Chris­tus das ewige Heil erlange, dann sind Werke oder Taten nicht gefordert. Hier stoßen wir auf ein Missverständnis, welches uns seit der Auseinandersetzung von Paulus mit seinen jüdischen Brüdern durch die ganze Geschichte begleitet und unter anderm in der Reformationszeit zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Mit den Werken meint Paulus vor allem das Gesetz des Alten Bundes, die Vorschriften des Alten Bundes. Nach­dem Gott seinen Sohn als Retter in die Welt gesandt hat, verlor der Alte Bund an Bedeutung. Der Alte Bund ist der Weg zu Jesus. Er ist der Weg zum Erlöser. Da der Erlöser nun hier ist, da der Erlöser Mensch geworden ist, hat der Alte Bund seine Aufgabe erfüllt. Die Werke des Alten Bundes werden aufgehoben im Glauben an Jesus Christus, in der Gnade, die uns durch Jesus Christus geschenkt ist. Aber dieser Glaube ruft nun nach den Werken des Neuen Bundes. Weil wir durch Jesus Christus erlöst sind, weil wir die Gnade empfangen haben, vollbringen wir die guten Werke. Die guten Werke sind ein Zeugnis für unseren Glauben an Jesus Christus. Sie stehen nicht im Gegensatz zur Gnade und zum Glauben, sie sind die Früchte der Erlösung. Ich will mit meinen guten Taten nicht mich selber erlösen, sondern ich will mit ihnen meine Dankbarkeit meinem Erlöser gegenüber zum Ausdruck bringen und meinen Verpflichtungen als Glied des Neuen Bundes, der Kirche, nachkommen. Oder, wie es Johannes im Evan­gelium sagt: “Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind” (Joh 3,21). Wir wollen als Glaubende unsere Taten in Gott vollbringen. Das heißt auch: Wir wollen nach Gottes Geboten leben, wir wollen heilig leben und jeden Tag nach Heiligkeit streben. Das sind keine Werke, wie sie Paulus in der heutigen Lesung meint; das sind Taten des Glaubens, Taten der Gnade, ohne die wir Gott nicht gefallen können. Das sind Zeugnisse dafür, das wir die Gnade Gottes und unseren Glauben ernst nehmen. Oder mit Blick auf den heutigen Laetare Sonntag gesagt: Das sind Zeugnisse unserer Freude am Glauben, an Jesus Christus. Amen.

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