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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder bei der Abendmahlsmesse am Hohen Donnerstag, 17. April 2014, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

wir gedenken in dieser Feier, wie wir es in der Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther eben erfahren haben, der Nacht, in welcher der Herr ausgeliefert wurde (vgl. 1 Kor 11,23). Das ist die Nacht, in welcher Jesus verraten wur­de und das Leiden auf sich nahm. Daher hat diese Nacht eine ganz eigene Bedeutung, und eine ganz eigene Bedeutung haben die Handlung Jesus in dieser Nacht.
Eine ganz eigene Bedeutung hat auch das Mahl, welches Jesus zu Beginn dieser Nacht, beim Einbrechen der Dunkelheit, mit seinen Jünger hält. Er benutzt diese Tischgemeinschaft, um uns sein größtes Ge­schenk zu hinterlassen: das allerheiligste Sakrament des Altares, das Sakrament seines Leibes und Blu­tes, das heilige Messopfer.
Durch das heilige Messopfer will der Herr die Sühne für unsere Sünden bewirken, durch das allerheiligste Sakrament, das aus dem Messopfer hervorgeht, will er sich mit uns verbin­den, in unserem Herzen Wohnung nehmen und uns auf dem Weg des Glaubens Wachstum und Vollendung schenken. Des­halb hat die Kirche das heilige Messopfer und die eucharisti­schen Gaben des Leibes und Blutes des Herrn immer mit be­sonderer Sorgfalt behandelt und die Gläubigen zu dessen wür­digem Empfang ermahnt. Denn, so sagt der heilige Paulus im selben Kapitel des ersten Briefs an die Korinther: „Wer also unwürdig von dem Brot ist und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27). Niemand soll sich schuldig machen. Das ist die Sorge der Kirche, wenn sie zum würdigen Empfang einlädt.
Was heißt nun, das Sakrament würdig empfangen? Das Sakrament würdig empfangen heißt, sich bewusst werden und im Glauben annehmen, dass wir nicht eine gewöhnliche Speise und einen gewöhnlichen Trank empfangen, sondern eben den Leib und das Blut des Herrn, den Herrn selber. Hier ist der Herr selber gegenwärtig. Ohne dieses Bewusstsein, ohne dieses Bekenntnis, ohne diesen Glauben sollen wir uns nicht dem Tisch des Herrn nahen.
Das Sakrament würdig empfangen heißt weiter, seinen eigenen Seelenzustand prüfen, bevor man hintritt, etwa mit den Fragen: Habe ich mich auf den Empfang gut vorbereitet? Habe ich mich vor allem von der Sünde, die eine Beleidigung Gottes ist, abgewandt? Habe ich meine schwe­ren Sünden vor dem Empfang gebeichtet und mein Herz so für den Herrn gerei­nigt?“ – Wenn wir den Herrn wirklich lieben und ihm in der heiligen Kommunion in Liebe begegnen möchten, dann ist uns nichts zu viel, um ihm zu gefallen. So wird die heilige Kom­munion zum Segen für uns.
Zur Zeit des heiligen Franz von Sales – nämlich im 16. / 17. Jahrhundert – haben die Gläubigen das allerheiligste Sakra­ment selten empfangen, und wenn, dann üblicherweise nach dem Entscheid des geistlichen Vaters. Der Heilige selber wollte die häufige Kommunion fördern, sagte aber: „Da die Seelen­verfassung für eine so häufige heilige Kommunion ganz vor­züglich sein muss, ist es nicht gut, sie allgemein anzuraten; da sie aber trotzdem in vielen guten Menschen sein kann, ist es nicht gut, davon jedermann abzuhalten und abzuraten. Das muss durch die Beobachtung des Seelenzustandes eines jeden im besonderen entschieden werden“ (Philothea 2,20). Gerne möch­te auch ich, Euer Bischof, den häufigen Empfang der heiligen Komm­union empfehlen, aber eben in Anwendung des Rates des heiligen Franz von Sales: In einer guten Seelenver­fassung und verbunden mit dem regelmäßigen Empfang des Sakramentes der Buße.
Da der häufige Empfang der heiligen Kommunion zur Zeit des heiligen Fran­z, wie erwähnt, selten war und bei vielen Men­schen Verwunderung hervorrufen konnte, gab er als Seelen­führer seinen Beicht­kindern den folgenden Rat: „Fragen dich weltlich Gesinnte, warum du so oft kommunizierst, so antworte ihnen, um die Gottesliebe zu lernen, um dich von deinen Un­vollkommenheiten zu reinigen, von deinen Armseligkeiten zu befreien, in deinen Sorgen zu trösten, in deinen Schwächen zu stärken. Sage ihnen, zwei Arten von Menschen müssten oft kommunizieren: Erstens die Vollkommenen – da sie in der richtigen Verfassung seien, so wäre es doch ein Unrecht, woll­ten sie sich nicht der Quelle der Vollkommenheit nahen, – zwei­tens die Unvollkommenen, um eben recht nach Vollkommen­heit streben zu können … Empfange also oft den Heiland, sooft du nach der Weisung deines geistlichen Vaters kannst“ (Philot­hea 2,21). Diesen Rat, meine Lieben, möchte ich Euch weiter­geben. Um ihn zu befolgen, habt Ihr nicht nur die Weisungen des geistlichen Vaters, sondern ebenso die Weisungen der Kir­che, die Euch helfen, den Anforderungen zu entsprechen, wel­che der heiligen Paulus im ersten Brief an die Korinther stellt (1 Kor 11,17-34). Amen.

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