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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder bei der Diakonenweihe vom 24. Mai 2014 in Winterthur

Brüder und Schwestern im Herrn,
liebe Kandidaten des Diakonats, Felix, Matthias und Audrius,

das Evangelium (Joh 21,15-17) bezieht sich auf den Auftrag, den der Apostel Petrus in der Kirche zu erfüllen hat. Es ist der Auftrag, der an alle Nachfolger des heiligen Petrus übergeht. Jesus setzt Petrus in dieses besondere – eben petrinische – Amt ein, beziehungsweise er bestätigt damit, was er bereits vor seinem Tod und seiner Auferstehung festgelegt hatte, dass nämlich Petrus der Fels ist (Joh 1,42), der Menschenfischer (Lk 5,10); dass er auf Petrus, den Fels, seine Kirche bauen und dass er ihm die Schlüssel des Himmelreiches übergeben will (Mt 16,18-19). Jesus kommt nun nach seiner Auferstehung darauf zurück, nach dem bitteren Ereignissen seines Leidens und Sterbens, nach dem kläglichen Versagen des Petrus, nach der Auferstehung, nach welche er das Volk Gottes in eine neue Phase der Heilsgeschichte treten lässt: in die Zeit des Heiligen Geistes. Jesus heilt auf diese Weise die Wunde des Versagens und stellt das Petrus-Amt, den Petrus-Dienst ins Licht der Auferstehung. Insofern haben wir hier eine besondere Situation, die auf keinen anderen kirchlichen Dienst übertragen werden kann: nicht auf den Diakon, nicht auf den Priester, nicht auf den Bischof. Es geht hier wirklich um Petrus und seinen Auftrag, um Petrus als der Hirt der Kirche, als der Träger der Schlüssel des Himmelreiches.
Doch die Frage, welche Jesus an Petrus richtet – „liebst du mich“, „liebst du mich mehr“ – diese Frage ist grundlegend für jeden kirchlichen Dienst, vor allem eben für den Diakon, für den Priester, für den Bischof. Deshalb ist diese Frage grundlegend für die Weihe. Ihre Antwort geht sozusagen ins Weiheversprechen ein. Weihen lassen darf sich jemand nur, wenn er den Herrn liebt, wenn er ihn mehr liebt. Alles andere wäre verwegen. Nur mit dieser Liebe, mit diesem Mehr an Liebe darf jemand in den Weihestand eintreten, darf jemand Kleriker werden, es also wagen, das Los des Herrn auf sich zu nehmen. Denn Kleriker werden heißt, sich ganz dem Herrn angleichen, sich ganz vom Herrn „vereinnahmen“ lassen. Die Zeit der Ausbildung ist oder müsste eine Zeit sein, da man sich prüft, ob man den Herrn mehr liebt. Sie ist zwar mit Studienprogrammen überlagert, aber der Tenor dieses ganzen Weges – fünf, sechs, sieben Jahre Ausbildung und Erprobung – ist eigentlich die Frage nach der Liebe: Audrius, liebst du mich; Felix, liebst du mich; Matthias liebst du mich – liebst du mich mehr?
Meine lieben Weihekandidaten, ihr seid hergekommen mit dem Wunsch und dem festen Willen, dem Herrn heute auf diese Frage eine Antwort zu geben und euch so dem Herrn zur Verfügung zu stellen, „als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes“, wozu uns der heilige Petrus in seinem ersten Brief auffordert (1 Petr 4,10). Ihr gebt damit heute ein ganz wichtiges Signal für jene, zu denen Euch der Herr sendet. Denn die Weihe ist nicht eine Promotion Eurer Person, eine Anerkennung Eurer Fähigkeiten, eine Preisverleihung für bewundernswerte Leistungen, nein, die Weihe ist die Befähigung und die Sendung zum Dienst. Ihr stellt Euch damit ganz dem Herrn zu Verfügung, damit er seine Kirche erbauen und zur Vollendung führen kann. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium sagt es der Heilige Vater treffend mit diesen Worten: „So entdecken wir wieder neu, dass er (Jesus) uns als Werkzeug nehmen will, um seinem geliebten Volk immer näher zu kommen. Er nimmt uns aus der Mitte des Volkes und sendet uns zum Volk, sodass unsere Identität nicht ohne diese Zugehörigkeit verstanden werden kann“ (268). Im Hinblick auf die Weihe, welche Ihr nun empfangt, möchte ich dies so verdeutlichen: Eure Identität kann nicht ohne den Dienst, den Dienst am Volke Gottes für den Herrn und im Namen des Herrn verstanden werden. Eure Identität ist der Dienst. Dies ist die bleibende Identität des Klerikers: des Diakons, des Priesters, des Bischofs. Deshalb beginnt die kirchliche Arbeit mit der Weihe zum Dienst, mit der Diakonenweihe. Jede weitere Aufgabe muss auf diesem Fundament aufbauen.
Um für diesen Dienst ganz frei zu sein, wählt Ihr als Grundlage ganz besonders die erste Seligpreisung: „Selig, die Armen im Geiste“ (Mt 5,3). Denn Ihr sagt Ja zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Das ist ein Ausdruck der Armut im Geiste. Ihr übergebt euch ganz dem Herrn und stellt euch seinem Auftrag zur Verfügung. Ihr nehmt den Herrn als Vorbild dieser Armut und anvertraut Euch seiner liebenden Führung. Unter dieser Führung werdet Ihr Euer Herz immer rein bewahren und ganz dem Herrn liebend anhangen können.
Armut im Geist wirkt sich aber nicht nur in der Lebensform der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen aus, sie wirkt sich auch im Gehorsam aus. Es ist der Gehorsam der Botschaft des Herrn gegenüber, der Gehorsam dem Evangelium gegenüber, der Kirche gegenüber, welche die Botschaft rein zu bewahren hat, aus ihr nichts weg brechen, von ihr nichts unterschlagen darf. Um für diesen Dienst ganz frei zu sein, wählt Ihr eben die Haltung des Gehorsams. Deshalb legt Ihr Eure Hände in die Hände des Bischofs, und versprecht ihm und seinen Nachfolgen Gehorsam und Ehrfurcht. Denn der Bischof vertritt den Herrn und seine Kirche, die Hüterin der Wahrheit. Nur in diesem Geist der Armut und des Gehorsams, in dem er nicht seinen Willen erfüllen möchte, sondern den Willen des Herrn, kann der Kleriker wirklich das sein, was der Herr von ihm erwartet. Dieser Geist des Gehorsams ist es auch, aus dem der Kleriker spricht: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe“ (Joh 21,16). – „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe“ (Joh 21,17).
Meine lieben Weihekandidaten, Papst Franziskus sagt in Evangelii gaudium, der erste Beweggrund, das Evangelium zu verkünden, sei die Liebe Jesu, die wir empfangen haben (264). Nehmt die Weihe als Ausdruck der Liebe des Herrn an, als Erfahrung, von ihm gerettet zu sein, und als Motiv, ihn immer mehr zu lieben. Nehmt die Weihe an als Ausdruck und Zusicherung seiner, des Herrn, Nähe bei allem, was ihr nun als Aufgabe zu erfüllen habt. So schließe ich, wiederum mit einem Wort aus Evangelii gaudium und bitte Euch, dieses Wort tief in Euer Herz aufzunehmen: „Der wahre Missionar, der niemals aufhört, Jünger zu sein, weiß, dass Jesus mit ihm geht, mit ihm spricht, mit ihm atmet, mit ihm arbeitet. Er spürt, dass der lebendige Jesus inmitten seiner missionarischen Arbeit bei ihm ist. Wenn einer Jesu Gegenwart nicht im Herzen des missionarischen Einsatzes selbst entdeckt, verliert er schnell die Begeisterung und hört auf, dessen sicher zu sein, was er weitergibt; es fehlt ihm an Kraft und Leidenschaft. Und ein Mensch, der nicht überzeugt, begeistert, sicher ist, von Liebe erfüllt, überzeugt niemand“ (230). Das sind die Worte aus dem Schreiben von Papst Franziskus. Ich füge ihnen den Wunsch und die Bitte an Euch, Matthias, Audrius und Felix hinzu: Geht, überzeugt, begeistert und gewinnt viele Menschen für das Reich unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

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