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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder bei der Diakonenweihe vom 26. September 2015 in Davos

Meine lieben Kandidaten für den Diakonat,
im Mittelpunkt der heutigen Lesungen steht das Wort aus dem Evangelium: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach“ (Joh 12,26). „Wenn einer mir dienen will … . Ihr wollt dem Herrn dienen. Ihr wollt Diakone (διάκονoι) des Herrn sein. Heute tretet ihr durch die Diakonenweihe in diesen Dienst ein, Dienst, von dem in der Lesung aus der Apostelgeschichte die Rede war (Apg 6,1-7) und der sich schon in dieser Schrift als vielschichtig abzeichnet. Für die Kirche ist es der erste sakramentale Schritt hin zur Priesterweihe.
Ihr sagt ein Ja zum Dienst für den Herrn: „Wenn einer mir dienen will …“, sagt der Herr. Dieses Mir müssen wir gut beachten. Denn es erinnert uns an ein anderes Wort des Herrn: „Niemand kann zwei Herren dienen“ (Mt 6,24). Unser Dienst gilt dem Herrn, niemand anders. Er darf niemand anderem gelten, sonst wären wir gespalten. Wir dürfen nur der Sache des Herrn dienen. Wir stehen im ausschließlichen Dienst des Herrn. Auch wenn wir als Diakone Menschen dienen, so ist dies immer im Hinblick auf den Herrn.
Diener sein heißt, sich einer Sache oder einer Person ganz zur Verfügung stellen. Indem Ihr Diakone des Herrn werdet, werdet Ihr Euch ganz dem Herrn zur Verfügung halten. Ihr werdet Euch aber nicht nur dem Herrn zur Verfügung halten. Denn, dem Herrn dienen zu wollen, hat eine noch weit größere Tragweite. Dem Herrn dienen zu wollen, heißt, – und das geht aus dem heutigen Evangelium hervor – den Herrn nachahmen, tun, was der Herr tut. Deshalb sagt der Herr: „Wer mir dienen will, folge mir nach“ (Joh 12,26). Das ist eine besondere Art des Dienstes. Ihr werdet sein müssen wie der Herr. Ihr werdet handeln müssen wie der Herr. Ihr werdet in die Erde fallen müssen und sterben wie der Herr. Ihr werdet Euer Leben gering achten müssen, wie der Herr sein Leben geringachtet hat, damit auch durch Euch wie durch den Herrn, der Name des Vaters verherrlicht wird (Joh 12,28).
Das Ziel des Dienstes, das Ziel der Nachfolge, ist somit die Verherrlichung des Vaters. Der Name des Vaters wird dadurch verherrlicht, dass der Herr sein Leben für viele hingibt (Mt 20,28) und stirbt. So seid auch Ihr dazu berufen Euer Leben zur Verherrlichung des Vaters, in Nachahmung des Herrn, für viele hinzugeben. Das ist nur durch den Geist des Dienstes möglich, durch eine Selbstlosigkeit, durch die wir nur für den Herrn da sind. Priester werden kann und darf man in sich nur – und dies ist Eure Absicht – durch dieses enge Tor des Dienstes, des Diakonates. Wenn ein Priester nicht bereit ist, dem Herrn zu dienen und in seine Fußstapfen zu treten, ist er fehl am Platz. Priester werden darf man nur durch das Tor des Dienstes. Deshalb verlangt die Kirche für das Priestertum den Weg über den Diakonat. Durch dieses schmale Tor müsst Ihr heute gehen. Durch dieses schmale Tor wollt Ihr heute gehen.
Diener zu sein, im Dienst eines anderen zu stehen, kann manchmal entmutigen. Denn es geht darum, dass wir nicht unseren eigenen Willen durchsetzen, unsere eigene Vorstellung von unserer Arbeit, unsere eigenen Wünsche, sondern die Sache eines anderen, die Sache des Herrn. Das kann so weit gehen, dass wir eben wegen der Sache des Herrn Demütigungen, ja sogar Gegnerschaften einstecken müssen. Dann sind wir, um auszuharren und durchzuhalten, dankbar, wenn uns der Herrn über die Gegenwart hinausschauen lässt und unseren Blick in die Zukunft richtet. Das tut er mit den Worten: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird“ (Joh 12,23). Der Herr verherrlicht den Vater, indem er stirbt, indem er den Erlöse-Tod stirbt. „… wenn er aber stirbt, bringt er reiche Frucht“ (Joh 12,24). Aber der Vater überlässt seinen Sohn nicht der Willkür der Menschen. Er verherrlicht ihn. Die Antwort auf die Verherrlichung des Vaters ist die Verherrlichung des Sohnes: „Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen“ (Joh 12,28). Dem Sohn dienen heißt daher auch, an der Herrlichkeit des Sohnes teilhaben. Das wird unser Lohn sein. Das wird die Antwort unseres Herrn auf unser Ja sein. Denn der Herr sagt: “ … wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren“ (Joh 12,26). Der Herr hat uns diese Worte geschenkt, um uns zu ermutigen. Wir werden sie ganz besonders dann brauchen, wenn wir geprüft werden, wenn wir in Versuchung geraten und wenn wir, durch irgendwelche Einflüsterungen meinen, unser Dienst nütze ja doch nichts. Wir würden uns umsonst bemühen. „Also hielt ich umsonst mein Herz rein und wusch meine Hände in Unschuld“, sagt der Psalmist (Ps 73,13). Ja, selbst der ergebene Gottesknecht klagt: „Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft umsonst und nutzlos vertan“ (Is 49,4). Solche Momente des Fragens und der Hilflosigkeit – wir sagen profan des Frusts – können sich bei jedem einstellen. Dann sind Worte, wie wir sie eben entgegennehmen durften, eine großer Hilfe: “ … wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren“ (Joh 12,26). Das hilft auf. Das hilft weiter.
Der Dienst für den Herrn braucht immer eine besondere Antriebskraft. Über diese Kraft hat die zweite Lesung gesprochen, die Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: „… hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts“ (1 Kor 13,3). Unser Dienst muss aus Liebe geschehen, aus Liebe zum Herrn und zur Sache des Herrn. Ohne die Liebe können wir nicht Diener – Diakone – sein.
Es ist schwer die Liebe zu definieren. Deshalb zählt der heilige Paulus einige Eigenschaften der Liebe auf: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig … Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich über die Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand“ (1 Kor13,,4.6-7). Das sind nur einige Aspekte der Liebe, welche der Apostel benennt. Aber schon sie stellen uns vor die Frage: „Wie kann ich dieses Ideal der Liebe verwirklichen. Bin ich da nicht überfordert, so dass ich dann auch bei meinem Dienst überfordert bin?“
Wir haben eine wunderbare Lehre, eine wunderbare Glaubenslehre. Sie hat einen Höhepunkt in dem, was sie über die Gnade sagt, über jene Gottesgabe, die in unser Herz dringt und uns vom Herzen her verwandelt. Diese wunderbare Lehre macht uns bewusst, dass der Herr uns nicht allein lässt; dass er bis hinein in unsere Herzen wirkt und dass er unser Unvermögen in „Vermögen“ wandelt, in eine Kraft, die uns trägt und die nichts anderes ist als die Liebe, so dass wir durch die Gnade unseres Herrn jene Liebe verwirklichen können, die er uns vorgelebt hat, und deren Ideal der heilige Paulus eben im 13. Kapitel seines ersten Briefes an die Korinther zeichnet. Durch die Gnade unseres Herrn ist der Dienst in Liebe möglich, in jener Liebe, die vom Herzen unseres Herrn ausgeht, durch das Herz seiner Mutter dringt und von ihrem Herzen her uns berührt, verwandelt und für den Dienst stärkt. Das ist bei der Weihe die sakramentale Gnade. Sie ist ganz besonders eine Gnade zur Liebe. Ihr dürft sie jetzt durch die Handauflegung des Bischofs und sein Gebet empfangen. Sie wird Euch befähigen, mit dem Herrn in die Erde zu fallen und reiche Frucht zu bringen. Arbeitet nun im Bewusstsein dieser Gnade, dieser Liebesgabe des Herrn. Amen.