Navi Button
Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder bei der Feier für die Weihe-Jubilare am 2. Oktober 2017

Liebe Mitbrüder,

wir dürfen unsere Feier im Zeichen der Verehrung der Engel begehen. Die Engel sind Teil der Schöpfung Gottes. Deshalb sollen sie immer wieder Gegenstand unserer Betrachtung, vor allem aber des Lobes Gottes sein. Denn den Herrn für seine Schöp­fung zu loben, das ist nicht nur unser Auftrag, sondern unser Verlangen und unsere Freude.
Das Glaubensbekenntnis bringt die Wahrheit über die Existenz der Engel mit dem Worte unsichtbar zum Ausdruck. Die heiligen Engel gehören zur unsichtbaren Welt, zu den unsichtbaren Dingen, zu den invisibilia der Schöpfung Gottes: Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Die Aufgabe der Engel ist die Verherrlichung und der Dienst Gottes. Vor allem stehen sie im Dienst der Heils­geschich­te, das bedeutet im Dienste des Volkes Gottes. Beides brin­gt Ps 103,­20 sehr schön zum Ausdruck: Preist den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die sein Wort vollstrecken, die auf die Stimme seines Wortes hören.
Der Glaube an die Engel gründet schon in der Offenbarung des Alten Bundes. Immer wieder ist die Rede von ihrem Lobpreis und ihrem Auftrag. D­er Glau­be an die Schutz­engel hingegen, der Glaube an den persönlichen Engel eines jeden Menschen, geht in erster Linie auf die Unterweisung unseres Herrn zurück. Jesus spricht von den Kleinen, von den Kindern und sagt: Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist (Mt 18,10­). Das bedeutet, dass die Kinder, die Kleinen durch ihre persönlichen Engel mit Gott, dem Vater, in besonderer Weise verbunden sind. Deshalb ist es etwas Schwer­wiegendes, ein Kind zu verführen und zu verderben.
Den Ausdruck Kind überträgt der Herr alsdann auf die Kleinen im Hinblick auf den Glauben. Es ist eine andere Bezeichnung für die Armen im Geiste, oder, nach den neueren Übersetzungen, die Armen vor Gott (der authentische griechische Text sagt: μακάρι­οι οἱ πτωχ­οὶ τè πνεύματι – das ist eine geistgewirkte Armut­). Auch die Engel der Kleinen im Glauben, das bedeutet in der kindlichen, aufrichtigen, unverfälschten Glaubenshingabe an Gott, auch sie sind in außerordentlichen Weise mit dem himmlischen Vater verbunden.
An und für sich müsste dies auch für die Priester gelten. Denn als Priester sollte man in einem kindlichen, aufrichtigen, unverfälschten und ergebenen Glauben immer mit dem Vater im Himmel verbunden sein und mit den Worten des Psalmisten sprechen können: Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen. Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind. Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir (Ps 131,1-2). Der Priester muss wirklich ein im Geist Armer sein, um seinen Dienst in Gottes Wohlgefallen zu erfüllen und an Christi Statt dem Volk Gottes voranzugehen. Nicht umsonst sagt der Heilige Bruder Klaus: […] und vor allen Menschen schätzte und ehrte ich das königliche und priesterliche Geschlecht, das heißt die Priester Christi, so dass, so oft ich einen Priester sah, es mir schien, ich sähe einen Engel Gottes. Erst dadurch, glaube ich, kam ich zu der großen Ehrfurcht und Verehrung für das heiligste Sakrament des Leibes und Blutes Jesu Christi“ (NIGG, Niklaus von Flüe 63-64).
Der Priester ist aber auch als Priester im engeren Sinn, als sacerdos, welcher das Opfer vollzieht und als Mittler zwischen Gott und den Menschen waltet, ganz besonders mit den Engeln verbunden. Sein Dienst am Altar ist nicht nur dem Dienst der Engel ähnlich. Sein Dienst am Altar ist auch ein Dienst mit den Engeln. Tritt der Priester doch in den canon missae, der auch canon actionis genannt wird, unter dem Lobpreis der Engel ein, mit dem dreimal Heilig der unsichtbaren Diener Gottes. Der Ausdruck canon actionis hebt das priesterliche Handeln hervor und das hochheilige Geschehen. Das Hoch­gebet ist wirklich der Dien­st des Pries­ters, der hervorragende, dem Priester eigene Dienst, Vollzug der Opferhandlung und Akt der Versöhnung des Volke mit Gott. Anderseits bittet der Priester im ersten Hochgebet um das Mitwirken des Engels: Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf den himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit.
Bitten wir unseren Schutzengel nicht nur um den Beistand auf dem Weg unseres Lebens, sondern auch um jene Hilfe, welche uns Not tut, um unseren priesterlichen Dienst würdig zu erfüllen: Engel Gottes, mein Beschützer, dir bin ich durch die Güte des himmlischen Vaters anvertraut; erleuchte, beschirme, leite und regiere mich! Dieses allgemeine Gebet zum Schutzengel dürfen wir mit dem Zusatz ergänzen. Bewahre mich in der Treue zu meinem Priestertum. Amen.