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Bistum Chur

Predigt von Bischof Vitus Huonder in der Karfreitagsliturgie

Brüder und Schwestern im Herrn

Die Betrachtung der Passion unseres Herrn, seines Leidens und Sterbens, möge uns helfen, in der Liebe und Hingabe an den Sohn Gottes zu wachsen. Dabei werden uns die Berichte jedes Evangelisten unterstützen, da sie uns Hergang und Bedeutung der Passion unseres Herrn erschließen. So heute auch der Evangelist Johannes. Betroffen macht uns eigens sein Hinweis, wie sich Pilatus auf den Richterstuhl setzt und Jesus auf das Geschrei des Volkes hin den Schergen zur Kreuzigung ausliefert. Es fällt auf, dass der Evangelist die genaue Zeit dieses erschreckenden Augenblicks angibt: „Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde“ (Joh 19,14). Dieser Hinweis muss Johannes viel bedeutet haben.

„Es war am Rüsttag des Paschafestes“: Der Rüsttag des Paschafestes ist der Tag vor Ostern, oder eben der Tag vor Pascha, wie dieser Tag in der Sprache der Bibel kurz heißt. Das ist der Freitag vor Ostern, unser Karfreitag, heute. Die Paschafeier begann am Abend dieses Tages. Diese Feier war und ist für das Volk Israel die Erinnerung an die Befreiung aus dem Sklavendienst in Ägypten. In Dankbarkeit gedenkt der Israelit dieses einzigartigen Ereignisses seiner Geschichte. Gott tritt vor dem Pharao für sein Volk ein. Gott befreit sein Volk aus der Macht Pharaos. Gott erlöst sein Volk.

Gott hat auch Anweisungen gegeben, wie dieses Fest zu feiern ist. Wir haben es gestern, bei der Abendmahlsmesse gehört: „Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen … Gegen Abend soll die ganze versammelte Gemeinde Israel die Lämmer schlachten. Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man das Lamm essen will … Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll ein Zeichen zu eurem Schutz sein“ (Ex 12,4.6-7.13).

„Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde.“ Um die sechste Stunde heißt um zwölf Uhr, um die Mittagszeit. Um die Mittagszeit wurde Jesus verurteilt. Nun, um die Mittagszeit begann man die Lämmer zu schlachten, deren Blut ein Schutzschild sein sollte für das auserwählte Volk. Durch das Blut des Lammes wurden das Volk und jedes einzelne Glied dieses Volk unantastbar. Das Blut war das Schutzzeichen Gottes für den Israeliten und bewahrte ihn vor dem Tod.

„Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde.“ Was mit Jesus geschieht stellt Johannes mit diesem Hinweis in den Rahmen der Heilsgeschichte des Volkes Gottes des Alten Bundes. Doch die Aussage des Johannes will mehr erreichen, als bloß einen Zeitpunkt in Erinnerung zu rufen. Sie will sagen: Jesus ist das Lamm, das wahre Lamm, das uns vor dem Untergang Schutz gewährt. Er ist das neue Paschalamm. Sein Blut ersetzt das Blut des Lammes und wird zum Schutzschild für alle, die sich ihm zuwenden. Das Urteil, das Pilatus über ihn spricht, macht ihn zum rettenden und erlösenden Lamm des Neuen Bundes Gottes mit seinem Volk. Jetzt wird Jesus das, was Johannes der Täufer von ihm nach der Taufe am Jordan sagte: Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt (Joh 1,29). Jesus ist das Lamm, das mehr als Schutz vor dem irdischen Tod gewährt. Jesus ist das Lamm, das uns von der Sünde befreit.

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Amen.

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