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Kinder brauchen den Vater Überlegungen nicht nur zum Fest des hl.
Josef |
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| Eine vaterlose Gesellschaft... Die Vaterlosigkeit ist fraglos eines der grossen Probleme unserer Zeit.
"Mein Vater?", sagt eine 16jährige, "den gibt es für mich nur alle vier
Wochen als Bonbon. Dann gehe ich mit ihm zu McDonald's. Und das findet er schön, weil ich
schön bin. Aber sonst kann man den vergessen. Jedenfalls ist er nicht da, wenn man ihn
braucht. Er ist zu seiner neuen gezogen. Seitdem müssen Mama und ich schauen, wie wir
durchkommen." ... und die Folgen Auf diese Weise äusserlich oder innerlich abwesende Väter
behindern die Pubertät ihrer Kinder. Es wird den Jugendlichen unmöglich gemacht, im
Protest gegen einen verlässlichen Widerstand zu reifen und die eigene Position
aufzubauen. Die allgemein beklagte aggressive Verwahrlosung, die zunehmende
Gewaltbereitschaft der Jugend ist nicht zuletzt die Folge der fehlenden Väter. Die
Jugendlichen suchen Personen, die ernsthaft standhalten. Auch Ersatzväter bieten sich
nicht mehr an. Viele Lehrer sind der pädagogischen Auseinandersetzungen mit ihren
Schülern schon längst überdrüssig. Sie verzichten auf jeden Bildungsanspruch und
verstehen sich nur noch als neutrale Wissensvermittler, bei denen Widerstand ins Leere
läuft. Der entwurzelte Mensch Das Verschwinden der Väter aus der Alltagserfahrung der Kinder und
die Erlebnisse mit den vielen Fehlformen von Väterlichkeit hat dazu geführt, dass viele
mit dem Wort Vater nichts mehr anzufangen wissen. Am verheerendsten wirkt sich vielleicht
aus, dass die Väter fehlen als Bindeglied zum Ursprung, zu Gott, dem Vater, der alles
erschaffen hat. Damit geht das Bewusstsein verloren, dass wir nicht autonom und völlig
unabhängig sind. In fast allem bauen wir auf dem auf, was vor uns war. Im heutigen
Fortschrittsrausch tun wir so, als wäre alles Wesentliche bestenfalls das Ergebnis des
Schaffens der jüngsten Vergangenheit, wahrscheinlich aber Folge unseres heutigen
Bemühens. Aber das ist gar nicht wahr! In Wirklichkeit ist es so, dass jede Generation
auf einem gigantischen Kapital aufbaut, das aus der Hand Gottes kommt. Jedes Kind ist auf
die Liebe seiner Eltern angewiesen. Durch diese muss es in die Grundregeln der
zwischenmenschlichen Beziehungen eingeführt werden. Auch die Sprache, mit der wir die
Welt geistig zu erfassen suchen, haben wir nicht selbst gemacht. Wir nutzen das vorhandene
Kapital an Wissen und materiellen Ressourcen und profitieren von den gegebenen Antworten
auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Fast alles, was wir sind und haben, verdanken wir
Gott und unseren Vorfahren. Die Väter als Brücken zum Vater im Himmel Nun, was ist die Alternative dazu? Es ist die wohlverstandene
"Wiederentdeckung" der Väter und damit der Brückenschlag zum Vater im Himmel.
Ich denke, dieses Jahr des Vaters in der Vorbereitung auf das Jubiläum 2000 und die
weitverbreitete Vaterlosigkeit sind eine Chance dazu. Sie sind eine Herausforderung,
tiefer über das Wesen der Väterlichkeit nachzudenken. Das soll zum Beispiel auch
geschehen am Internationalen Familienkongress, der vom 13. bis 16. Mai dieses Jahres in
Luzern stattfindet. Alle, denen die Familie am Herzen liegt, sind eingeladen.
(Informationen, Anmeldungen: CBS, Familienkongress, Technoparkstr. 1, 8005 Zürich, Tel.
01 445 34 50, Fax 01 455 34 55) Aber Familie sind nicht einfach nur Personen, die aus dem
gleichen Kühlschrank essen. Familie sind Mütter, Väter und Kinder, selbst wenn das
nicht mehr so deutlich in der neuen Bundesverfassung stehen sollte! "Nur einer ist euer Vater" Die Betrachtung des Vaters im Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt
uns das Wesen der Vaterschaft erkennen: Der Vater teilt, was er hat. Er unterdrückt
nicht, lässt vielmehr sogar den Jüngeren, den Unreifen, ziehen. Er gibt also Freiraum,
hält sein Gut nicht zurück, verhärtet sich nicht, ist nicht beleidigt, in seiner Ehre
gekränkt, sondern er wartet geduldig, gibt nicht auf, hält Ausschau. Er geht entgegen,
vergibt, schenkt einen neuen Anfang, feiert ein Fest und hilft sogar den anderen aus ihrer
Kränkung heraus. Das Beispiel des hl. Josef Dieser Umstand wertet die Väter keineswegs ab, im Gegenteil. Wie wichtig der Vater ist, macht uns die Gestalt des heiligen Josefs klar. Selbst der Mensch gewordene Gott brauchte einen menschlichen Vater. Josef übernahm dabei einen Dienst, der ihn offensichtlich überfordern musste. Das unterscheidet ihn aber, wie wir gesehen haben, nicht grundsätzlich von anderen Vätern. Die Sendung von Josef macht deutlich, dass Adoptions- oder Pflegeverhältnisse auch eine Vaterschaft begründen können. Väterlichkeit können Kinder auch an Männern erfahren, die nicht ihre biologischen Väter sind. Der hl. Josef zeigt uns schliesslich auch, wie väterliche Autorität auzzuüben ist: in vollkommener Bescheidenheit, angewiesen auf Gottes Führung und gehorsam in der Erfüllung Seiner Weisungen. "Denn nur einer ist euer Vater." So stehen wir an der Schwelle zum neuen Jahrtausend mit einer grossen Hoffnung: Die Wiederentdeckug des Vaters im Himmel wird zur Erweckung neuer Väterlichkeit führen - unter Bischöfen, Priestern, vor allem aber unter den Familienvätern. 21. März 1999 Zurück zu "Ehe und Familie" |
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