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Ein Kind - um welchen Preis! Von Domherr Christoph Casetti
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einer Fernsehsendung (Wunschkinder - um welchen Preis? ARD, 5.1.2000) geht es um
ungewöhnliche Weisen, um zu einem Kind zu kommen. Ein Beispiel hat mich besonders bewegt:
Auf einem Bauernhof in Deutschland wird ein Ehepaar gezeigt mit ihrem Kind Lara, einem
dreijährigen Mädchen. Es ist vor allem die etwa dreissigjährige Mutter, die berichtet.
Der Vater, ein einfacher Bauer, beteuert lediglich, er habe die schwierigen Entscheidungen
seiner Frau überlassen; diese habe ja auch die Konsequenzen zu tragen. Mit 17 Jahren hat die Frau ihren 15jährigen Bruder verloren. Er litt an Muskelschwund. Diese Krankheit ist erblich. Sie kann aber nur an männliche Nachkommen vererbt werden. Fotos zeigen diesen Bruder als fröhliches Kind im Rollstuhl inmitten seiner gesunden Kameraden. Der Tod des Bruders war für die Frau offenbar ein sehr belastendes Erlebnis. Sie beschliesst, diese Krankheit auf keinen Fall weiterzugeben. Sie denkt deshalb zeitweilig an die Adoption von Kindern. Doch nach der Heirat wird der Wunsch nach einem eigenen Kind stärker. Sie wird schwanger. In der 14. Woche zeigt sich, dass sie ein Knäblein erwartet. Das medizinische Gutachten spricht von einem 80%igen Risiko einer Übertragung der Krankheit. Deshalb entschliesst sich die Frau schweren Herzens, wie sie betont, zum Abbruch der Schwangerschaft. Bei der medizinischen Untersuchung nach der Abtreibung stellt sich heraus, dass der Junge vollkommen gesund gewesen wäre. Das sei für sie die noch grössere Belastung gewesen, meint die Frau. Das Ehepaar versucht es noch einmal. Aber wieder stellt sich heraus, dass die Frau einen Knaben erwartet. Sie beschliesst erneut die Abtreibung. Diesmal zeigt die Untersuchung, dass das Kind die befürchtete Krankheit bekommen hätte. Die Eltern wollen die Hoffnung schon aufgeben. Aber dann hören sie, dass die Universitätsklinik in Brüssel bereit ist, die Embryonen in der Retorte bei berechtigten Gründen auch nach dem Geschlecht des Kindes zu selektionieren. Sie fahren dorthin. Die Eierstöcke der Frau werden hormonell stimuliert. Man erntet 11 Eizellen und befruchtet diese in der Schale mit dem Samen des Mannes. In einem ganz frühen Mehrzellen-Stadium werden die Embryonen auf das Geschlecht untersucht: 8 Embryonen sind männlich, 3 sind weiblich. Die männlichen Embryonen werden sofort vernichtet. Die drei weiblichen werden in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. Nach einigen Wochen zeigt sich, dass bei einem Mädchen das Herz fehlt; es wird deshalb aus dem Mutterleib eliminiert. Nach der Schwangerschaft kommen Zwillinge zur Welt, von denen eines überlebt: die inzwischen dreijährige Lara. Die Mutter scheint ganz glücklich zu sein. Fast mit einem gewissen Stolz lässt sie durchblicken, welche Opfer sie auf sich genommen hat, um einem gesunden Kind das Leben zu schenken. Die andere Seite der Bilanz ist im Fernsehbericht überhaupt kein Thema: Das Leben von Lara kostete 12 Kindern, zehn Buben und zwei Mädchen das Leben. Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Sie wirft viele Fragen auf: Was ist das für eine Elternliebe, die buchstäblich über Leichen geht, um ein gesundes Kind zu bekommen? Welche Erwartungen werden sich auf dieses Wunschkind konzentrieren in Anbetracht des grossen Preises, der dafür bezahlt wurde? Wie wird Lara später mit dem Gedanken leben können, dass zwölf Kinder nach dem Willen ihrer Eltern für sie sterben mussten? Was ist das für eine Medizin, welche ohne Rücksicht auf Verluste den Wunsch der Eltern erfüllt und die eigene Forschung vorantreibt? Wie müssen sich Eltern vorkommen, die ihr Kind trotz einer erblichen Krankheit annehmen? Was empfinden Menschen, die an einer vererbten Krankheit leiden, wenn sie diese Geschichte hören? Was ist das für eine Gesellschaft, welche diese Medizin akzeptiert und fördert? Diese Handlungen widersprechen dem christlichen Menschenbild. Seit Gott Mensch geworden ist, sehen wir noch viel klarer, dass jedes menschliche Leben von der Empfängnis an heilig und der menschlichen Verfügung entzogen ist. Jeder Mensch hat auch das Recht, in der Verborgenheit des Mutterschosses vom eigenen Vater gezeugt und nicht in der Retorte gemacht zu werden. Eltern, Ärzte und Forscher haben dem Leben zu dienen und sich nicht als Herren über Leben und Tod aufzuspielen. Und schliesslich beweisen unzählige kranke Menschen, dass auch ein Leben mit einer Krankheit oder einer Behinderung lebenswert ist. Diese Geschichte zeigt überdeutlich, wo eine Gesellschaft endet, welche den christlichen Glauben aufgibt. Das eigene Ich mit seinen Wünschen wird zum Götzen. Der viel gepriesene Humanismus zeigt in solchen Situationen sein wahres und brutales Gesicht. 6. Januar 2000Zurück zu "Ehe und Familie" |
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