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Priesterjahr 2009/2010 Radio-Beitrag
von Bischof Vitus Huonder Brüder und Schwestern im Herrn Wir stehen am Beginn des Priesterjahres. Es ist ein Jahr, das uns allen im Lichte des heiligen Pfarrers von Ars von neuem die Identität des Priesters vor Augen führen soll. Dazu gehört auch die Jüngerschaft im Sinne des geweihten, des zölibatären Lebens. Der Priester ist aus der Sicht der katholischen Kirche, das ist der westlichen Kirche, ein Jünger Jesu und soll sein Leben als Jünger gestalten. Nun, was bedeutet das? Mit der Botschaft Jesu und seinem Leben unter uns hat sich in der Welt etwas wesentlich verändert. Das wirkt sich vor allem auf die familiären Bande aus, auf das Prinzip der Nachkommenschaft und ihrer Pflege. Es gibt ergänzend zur natürlichen Familie eine neue Gemeinschaftsform und eine ganz neue Lebensweise: Die Form der Ganzhingabe ans Erlösungswerk unseres Herrn, der Ganzhingabe an den Herrn selber. Diese neue Gemeinschaftsform heißt Jüngerschaft und besteht in der gänzlichen Immitatio Christi, in der Nachahmung des Herrn. Sie verwirklicht sich in jener Nachfolge, die Jesus selber als Jüngerschaft bezeichnet, so etwa bei Lk 14,26 nachzulesen: "Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein." Der Priester soll Jünger sein, und ein Jünger will innigste Lebensgemeinschaft mit Jesus, Lebensgemeinschaft bis zum Kreuz. Ein Jünger will daher auch ganz nach dem Beispiel Jesu leben. Die Lebensform des Meisters ist für ihn maßgebend. Er will Jesus bis ins Letzte nachahmen. Vom Evangelium her betrachtet, ist das Leben in Ehelosigkeit für jenen, der an der Sendung Jesu teilnimmt, nicht so sehr ein Gesetz der Kirche, als vielmehr eine Erwartung, welche Jesus selber an seine Jünger hat. Ganz deutlich führen uns seine Worte auf ein neues Ziel hin, auf eine neue Gemeinschaftsform und auf eine neue Lebensweise. Jüngerschaft ist etwas sehr Forderndes. Ohne Verzicht, und eben nicht nur Verzicht auf Belangloses, sondern auf höchste Lebenswerte, ist Jüngerschaft nicht möglich. Deshalb verstehen wir gut, warum Jesus sagt, die Jüngerschaft müsse wohl überlegt sein (Lk 14,28-33). Man muss sich zuerst hinsetzen und rechnen, wie es mit diesem Turmbau geht, wie stark das Heer ist, über das man verfügen kann. Doch stellt sich die Frage der Berechnung nicht nur am Anfang des Weges mit Jesus. Die Jünger müssen immer wieder Bilanz ziehen und sich fragen, ob die Mittel bis zum Ende vorhanden sind. Sollten sie nicht mehr ausreichen, dann wird es notwendig, sie neu zu beschaffen: durch Exerzitien, Beichte, Besinnung auf das Eigentliche, geistliche Führung; nicht zuletzt auch Überprüfung der Lebensweise: Wieviel Fernsehen, wieviel üppige Kost, wieviel weltliche Vergnügungen wie Theater, Konzerte, Sport, Ferien auf Südseeinseln und weiteres mehr. Jesus
spricht über die Jüngerschaft nicht - oder nicht nur - in einem
Kreis von Auserwählten. Er spricht darüber zum Volk. So heißt
es denn: "Als viele Menschen Jesus begleiteten" (Lk 14,25).
Er will, dass das Ideal der Jüngerschaft allen bekannt wird, auch
jenen vielen, die nicht in die Jüngerschaft eintreten; die glauben,
aber nicht Jünger sein wollen. Alle müssen darum wissen, damit
sie es verstehen, dass es die Jüngerschaft gibt; dass dies nicht
ein Auswuchs einiger exzentrischer Personen ist, sondern eine von Jesus
selber bejahte und anerkannte Lebensform. Sie ist wirklich Teil des kirchlichen
Lebens. Das sollen alle wissen, - damit alle diese Lebensform respektieren,
fördern und um wahre Jünger Christi beten. |
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