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Priesterjahr 2009/2010 Predigt von Bischof Vitus am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel am 15. August 2009 in der Kathedrale von Chur Brüder und Schwestern im Herrn Während meinem Ferienaufenthalt hatte ich bei einem gesellschaftlichen Anlass die Gelegenheit, einem Arzt zu begegnen und mit ihm einige Gedanken auszutauschen. Wir kamen natürlich bald auf religiöse Fragen zu sprechen. Dabei war auch die Begleitung von älteren und sterbenden Menschen die Rede und die Erwartungen, welche er diesbezüglich an die Priestern hat. In diesem Zusammenhang formulierte der Arzt zu meinem Erstaunen und zu meiner Freude den markanten Satz: "Wir Ärzte sind da, um das Leben zu erhalten, ihr Priester um die Menschen auf den Tod vorzubereiten." Das mag auf Anhieb sehr einseitig tönen, denn auch wir Priester sollen den Lebenden und für die Bewältigung dieses Lebens helfen. Vertiefen wir aber den Gedanken dieses Arztes, kommen wir zu Einsicht, dass tatsächlich alle unsere priesterliche Tätigkeit, auch wenn sie Lebenshilfe im Alltag ist, letztendlich auf das Ewige ausgerichtet sein muss, deshalb auf den Tod und die Frage, wie es nach dem Tod weitergeht. Die Botschaft des Glaubens führt konsequent auf die sogenannten letzten Dinge hin. Im Volkskatechismus werden diese letzten Dinge kurz und bündig mit vier Begriffen umschrieben: Tod, Gericht, Hölle, Himmel. Das sind Begriffe, die auf die Lehre und die Darlegungen unseres Herrn zurückgehen, nicht auf irgend einen erfinderischen Theologen. Es ist wichtig, dass der Seelsorger die Menschen auf diese Realität aufmerksam macht und ihnen hilft, auf das hinzuleben, worauf Jesus in den Seligpreisungen hinweist, auf das Himmelreich, auf den Lohn im Himmel (Vgl. Mt 5,3.10.12). Ich bin dankbar, dass ein Arzt das sieht und sagt und uns Priester an unser Kerngeschäft erinnert. Eben im Priesterjahr wollen wir diesen unseren Auftrag neu bedenken. Eben das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel soll uns auf diese letzten Dinge aufmerksam machen, soll uns ganz besonders vor Augen führen, was auf jene Menschen wartet, welche sich nach Gott und seinem Reich sehnen und versuchen, ihr Leben auf dieses Ziel hin zu gestalten. Ja, der Glaube, den die Priester, den die Seelsorger verkünden sollen, ist die große Hilfe, um den Übergang von diesem Leben ins Himmelreich mit Hoffnung, Gottvertrauen und Gottes Beistand zu bestehen und ohne Angst und Beklemmung dem Sterben entgegenzusehen. Deshalb darf die Seelsorge nicht bei Banalitäten stehen bleiben, sondern muss es wagen, - gelegen oder ungelegen - die Menschen mit dieser entscheidenden Glaubenswahrheit zu konfrontieren. Das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel ist wohl ein Fest, dass unseren Blick zunächst auf die Gottesmutter selber richtet und auf die ganz besondere Gnade, welche sie - einmalig - empfangen durfte. Das kommt im Gruß Elisabeths zum Ausdruck - wir haben ihn eben im Evangelium vernommen: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen" (Lk 1,42). Wir dürfen diesen Gruß ausweiten und sagen: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Menschen." Wir erkennen diesen besonderen Segen Gottes nicht nur darin, dass sie die Mutter des Herrn werden durfte, sondern auch in der Tatsache, dass Maria nach ihrem Tode mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde und als erste der Menschen ihrem Sohn in die Fülle der Auferstehung folgte. Das lehrt uns die Kirche. Das bewundern wir am heutigen Festtag. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Aufnahme in den Himmel in der Nachfolge Marias auch für uns Wirklichkeit werden soll. Wir gehen dieser Herrlichkeit entgegen und wollen daher unser ganzes Leben danach ausrichten. Maria wartet auf uns und Maria hilft uns, durch ihren Sohn dazu ausersehen, dieses Ziel zu erreichen. Deshalb rufen wir sie an als "Pforte des Himmels", als die einzigartige Helferin, hinein ins Leben Christi und in sein ewiges Reich. Die Betrachtung dieser Wahrheit ist auch Vorbereitung auf ein gutes und ruhiges Sterben. Amen. |
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