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Priesterjahr 2009/2010 Radioansprache
von Bischof Vitus Brüder und Schwestern im Herrn Am 25. dieses Monats, am vergangenen Freitag, feierten wir das Hochfest oder den Gedenktag des helvetischen heiligen Niklaus von Flüe, in der Schweiz kurz und liebevoll Bruder Klaus genannt. Bruder Klaus ist weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt und verehrt, vor allem in Deutschland und Österreich. Er wird insbesondere als Heiliger des Friedens angerufen. Entsprechend lautet das Tagesgebet: “Herr, unser Gott, deinem Ruf gehorsam, hat der heilige Bruder Klaus Familie und Besitz verlassen, um in der Einsamkeit für dich allein zu leben; du aber hast ihn zu einem Ratgeber für viele und zu einem Mittler des Friedens gemacht. Höre auf seine Fürsprache und nimm alles von uns, was uns trennt von dir, und mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens.” In diesem Priesterjahr möchte ich einen Blick auf Bruder Klaus und das Priestertum werfen. Der Heilige hatte eine hohe Achtung vor dem Amt des Priesters. Für ihn ist der Priester Mittler der Gnade und auserwählter Lehrer des Glaubens. Bruder Klaus ging so weit zu sagen, man solle sich ganz auf die Predigten seiner Priester stützen, auch wenn diese ein schlechtes Beispiel gäben. Er hatte eben auch die Erfahrung unwürdiger, ja habgieriger Priester gemacht. Doch wusste er genau zwischen Amt und Person zu unterscheiden. Dabei benutzte er den folgenden Vergleich: “Wie man aus einem und demselben Brunnen, der verschiedene - bleierne, kupferne, silberne und goldene - Röhren habe, dasselbe Wasser der Frische und dem Geschmacke nach trinke, so genieße man auch von guten und bösen Priestern, die das Sakrament der Eucharistie am Altare vollziehen - wenn man sich würdig mache - die gleiche Gnade.” In dieser Aussage zeigt sich auch, dass das Priestertum und die heilige Eucharistie eine Einheit bilden. Der Priester ist vor allem dazu berufen, das heiligste aller Sakramente zu vollziehen, die heilige Messe. An der Person von Bruder Klaus lässt sich die Bedeutung und die Wirkung des heiligen Opfers ablesen. Er ist ein eucharistischer Heiliger in einem besonderen Sinn. Denn unfassbar war auch in der damaligen Zeit die Tatsache, dass Bruder Klaus vom 50. Lebensjahr an - er wurde siebzigjährig -, keine Nahrung mehr zu sich nahm. Der heilige Einsiedler hat darüber kaum gesprochen. Wenn man ihn neugierig ausfragen wollte, antwortete er: “Gott weiß.” Einem Priester gegenüber, der ihn oft besuchte, hat er sich etwas ausführlicher geäußert. Einer seiner Biographen schreibt dazu: “Dem ... Priester gegenüber, der oft zu ihm kam, enthüllte er mit Widerstreben, auf langes Bitten hin: ‘Wenn er dem Messopfer beiwohne und dort den Priester Christi Fleisch und Blut genießen sehe, so fühle und empfange er davon eine wunderbare Stärkung’.” Einigen Vertrauten sagte er überdies: “Die Erneuerung des Leidens Christi habe die Wirkung, dass, sobald er die Scheidung von Leib und Seele Christi betrachte, sein Herz von unaussprechlicher Süßigkeit erfüllt werde, die ihn so erquicke, dass er die allgemeine menschliche Nahrung leicht entbehren könne.” Meine Lieben, durch das Leben von Niklaus von Flüe werden wir im Glauben an die heilige Eucharistie neu bestärkt und von der Bedeutung des Priestertums überzeugt. Wir werden eingeladen, öfter am heiligen Opfer teilzunehmen und die geistliche Nahrung des Leibes und Blutes Christi zu empfangen. Wir werden aber auch angespornt, um Priester zu bitten, um Priester, die ein Vorbild für die Gläubigen sind, und die den Dienst am Altar als ihren vornehmsten Auftrag mit Liebe und Hingabe erfüllen. Amen. |
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