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Entscheidungen betreffend Mitglieder des Bischofsrats – E-Mail vom 18. März 2020 von Bischof Peter Bürcher an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums Chur

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge

Aufgrund von Vorkommnissen in jüngster Zeit habe ich betreffend drei Mitglieder des Bischofsrats folgende Entscheidungen getroffen:

1. Weihbischof Marian Eleganti OSB hat in den letzten Tagen zur Corona-Pandemie mehrfach in den Medien Stellung bezogen. Diese Stellungnahmen waren nicht mit mir bzw. mit dem Bischöflich Beauftragten für Medien und Kommunikation, Herrn Giuseppe Gracia, abgesprochen. Entsprechend ist bei den Gläubigen und in der Öffentlichkeit Verwirrung über die diesbezügliche Haltung des Bistums Chur entstanden. Aus diesem Grund habe ich Weihbischof Marian aufgetragen, dass er sich inskünftig nur noch im Einvernehmen mit mir und dem Bischöflich Beauftragten für Medien und Kommunikation in den Medien äussert. Er hat diese Entscheidung angenommen. Was die Haltung des Bistums Chur zur Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden pastoralen Vorgehensweisen angeht, verweise ich auf die Mitteilungen des Bischöflichen Ordinariats vom 5., 13. und 17. März 2020 (vgl. www.bistum-chur.ch) sowie die spezifischen Anweisungen, die für die Migrantenseelsorge gelten. Sie allein sind die verbindliche Grundlage für unsere pastorale Arbeit in diesen schwierigen Zeiten.

2. Um eine gute Zusammenarbeit im Sinne der Kollegialität gewährleisten zu können, habe ich zu Beginn meines Dienstes als Apostolischer Administrator des Bistums Chur die Mitglieder des Bischofsrates aufgefordert, keine öffentlichen Stellungnahmen zur Frage der Bischofsnachfolge abzugeben. Alle Anfragen sollten an den Medienbeauftragten gehen. Zudem habe ich zu Loyalität aufgefordert. In der „NZZ am Sonntag“ vom 15. März 2020 hat sich nun Dr. Martin Kopp, Delegierter des Apostolischen Administrators für die Urschweiz, wertend zur anstehenden Bischofswahl geäussert und ein Eingreifen des Staates begrüsst. Dadurch hat er öffentlich eine Initiative unterstützt, die darauf abzielt, die Freiheit des Apostolischen Stuhls und des Domkapitels bei der Wahl des neuen Bischofs einzuschränken. Durch diese illoyale und gegen meine erwähnte Weisung verstossende Vorgehensweise ist jenes Mindestmass an Vertrauen, das notwendig ist, um die Aufgabe eines Delegierten des Apostolischen Administrators ausüben zu können, nicht mehr gegeben. Es handelt sich leider bei Dr. Martin Kopp nicht um das erste Vorgehen dieser Art. Gestützt auf die mir vom Apostolischen Stuhl verliehenen Rechte entziehe ich deshalb mit sofortiger Wirkung Dr. Martin Kopp die Aufgabe des Delegierten des Apostolischen Administrators für die Urschweiz sowie die damit verbundenen Vollmachten, einschliesslich der in dieser Funktion übernommenen Pfarradministraturen, und den Einsitz in diözesanen Gremien und Räten. Dr. Martin Kopp sei für seine Dienste gedankt. Die Leitung des Büros des Regionalen Generalvikariats Urschweiz ist ab sofort bis zur Amtsübernahme des neuen Bischofs von Chur Kan. Pfr. Peter Camenzind, Schwyz, kommissarisch anvertraut. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er diese Aufgabe übernimmt, zusätzlich zu seinem Amt als Pfarrer von Schwyz, das er behält.

3. Im Hinblick auf die Erreichung seines 75. Altersjahrs am 25. Juli 2020 hat Dr. Josef Annen, Delegierter des Apostolischen Administrators für Zürich und Glarus, mir kürzlich seine Demission auf Ende Juli 2020 eingereicht. Er hat diese Demission im Schreiben vom 12. März 2020, mit dem er das Seelsorgekapitel vom 1. April 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt hat, allen Mitarbeitenden in den Kantonen Zürich und Glarus mitgeteilt, so dass davon auszugehen ist, dass bereits viele von Ihnen davon Kenntnis haben. Ich habe nun mit Dr. Josef Annen Kontakt aufgenommen und ihm erklärt, dass die Erreichung des 75. Altersjahrs für sich allein noch kein ausreichender Grund ist, zu demissionieren, bevor der neue Bischof im Amt ist. Es wäre ja auch durchaus möglich, dass Dr. Annen sogar noch vor Ende Juli abgelöst werden kann. Deshalb habe ich ihn, nicht zuletzt zu Gunsten einer geordneten Übergabe der Arbeit an den Nachfolger, gebeten, vorläufig im Amt zu bleiben. Er hat sich dazu bereit erklärt, wofür ich ihm bestens danke.

An sich würden die Zeiten, welche die Menschen in unserer Gesellschaft und die Gläubigen derzeit durchmachen, von selbst dazu einladen, zusammenzustehen und die Krise gemeinsam zu bewältigen. Umso mehr bedaure ich, dass die Einheit des Zeugnisses der Kirche einmal mehr unterminiert wurde. Ich rufe im Sinne meines Hirtenbriefs und der darin zitierten Worte von Papst Franziskus alle Mitarbeitenden im Bistum, auch die Gläubigen, noch einmal eindringlich dazu auf, im Hören auf das Wort Gottes die Einheit zu wahren: «Die Bibel ist das Buch des Gottesvolkes, das im Hören auf die Schrift aus der Zerstreuung und Spaltung zur Einheit gelangt. Das Wort Gottes vereint die Gläubigen und macht sie zu einem Volk» (Aperuit illis, Nr. 4). Es gibt in der Kirche keine Einheit, die nicht im Wort Gottes, in der kirchlichen Lehre sowie in der Einheit mit dem Papst und dem Bischof besteht. Wer nicht in diesem Sinn sammelt, zerstreut.

Ich danke Ihnen für die Kenntnisnahme und benütze die Gelegenheit, Ihnen auch unter den derzeitigen ungewohnten Umständen eine gesegnete Fastenzeit zu wünschen. Sie hat uns überraschenderweise zu Formen des Verzichts geführt, die wir nicht erwartet haben. Nehmen wir deshalb den Gleichmut des Apostels Paulus zum Vorbild: „In allem empfehlen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten, durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken, bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob“ (2 Kor 6,4-8).

Mit Ihnen hoffnungsvoll verbunden, grüsse ich Sie alle ganz herzlich, in Christus, unserem Frieden

Chur, 18. März 2020

+ Peter Bürcher
Apostolischer Administrator
des Bistums Chur

Kopie:  Präsidentinnen und Präsidenten der kantonalen staatskirchenrechtlichen Körperschaften im Gebiet des Bistums Chur

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