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Predigt von Bischof Vitus Huonder am Palmsonntag, 14. April 2019, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

die Schar der Jünger begann freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben, berichtet uns Lukas bezüglich des Zuges Jesu nach Jerusalem. Der Evangelist nennt uns auch den Grund dieser Freude. Sie lobten Gott wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten (vgl. Lk 19,37). Wegen der Machttaten! Die neue deutsche Bibelübersetzung 2016, 2018 in der Liturgie eingeführt, spricht wirklich von Machttaten. Die frühere Übersetzungen sprachen von Wundern oder von Wundertaten.
        Richtig lesen wir im ursprünglichen Bericht, im griechischen Text, den Ausdruck  δυνάμεων. Dies ist ein Ausdruck, der, man hört es gleich, auch im Deutschen seine Spuren hinterlassen hat, nämlich im Wort dynamisch. Das Wort hat tatsächlich mit Kraft, mit Stärke, mit Macht zu tun, und Jesus wird in diesem Sinn zu Recht als König begrüßt. Denn ein König hat Macht. Jesus wird wie ein Machthaber empfangen. Deshalb betrachten einige den Palmsonntag als ein Christ-Königs-Fest. Wir feiern heute unseren Machthaber!
        Im Wirken von Jesus kommt jedoch eine Kraft, eine Macht zum Ausdruck, welche außerordentlich ist. Es ist nicht die Kraft eines her­kömmlichen Königs. Nicht die Kraft irgend eines Machthabers. Es kommt eine göttliche Kraft zum Ausdruck, eine Kraft, die eben wunderbar ist und sich nicht anders erklären lässt, als durch den Hinweis auf die göttliche Herkunft des Herrn. Jesus wird nicht vergöttlicht, Jesus ist Gott. Die Taten Jesu sind für uns ein Zeug­nis für seine göttliche Mach­t. Und Jesus selbst offenbart uns den Grund dieser Wahr­heit. Er offenbart ihn beim Verhör vor dem Hohen Rat. Auf  die Frage: Du bist also der Sohn Gottes?, gibt Jesus die Antwort: Ihr sagt es – ich bin es (Lk 24,70­).
        Der Begriff Macht steht in der gegenwärtigen Zeit oft in Verruf. Er steht im Verruf wegen dem nicht seltenen Machtmissbrauch. Weil Jesus jedoch aus göttlicher Kraft heraus handelt, haben wir von seiner Macht nichts zu fürchten. Denn er ist nicht ein Macht­haber, wie die Machthaber dieser Welt. Im Gegenteil, weil er über göttliche Kraft verfügt, weil er der Sohn Gottes ist, dürfen wir von ihm alles erhoffen, vor allem unser ewiges Heil. Ja, Jesus setzt seine Macht für unser Heil ein. Das geht denn auch aus seiner Passion hervor. Jesus lässt sich verhören, misshandeln und zum Kreuzestod verurteilen, obwohl er Macht hat. Er wird, ganz entmachtet, unser Erlöser. Das ist der Erweis seiner göttlichen Macht. Es ist keine Macht, die bedroht, erdrückt, versklavt, zerstört und tötet. Es ist eine Mach­t, die befreit, die aufbaut, die Leben schenkt und sich in Liebe dem Menschen zuwendet und deshalb auch in Kauf nimm­t, verkannt und verurteilt zu werden. Das ist die Macht des Sohnes Gottes. Mit diesem Gedanken wollen wir hinein schrei­ten in die Woche unserer Erlösung, in die Heilige Woche, und nicht schwei­gen, damit nicht die Steine schreien müssen. Nein, wir wollen dankbar bekennen: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. Amen.

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