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Homilie von Bischof Vitus Huonder in der Hl. Messe an Neujahr in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

wenn wir ein älteres Messbuch zur Hand nehmen, finden wir bei jedem Messformular für Sonn- und Feiertage den Hinweis auf die sogenannte Stationskirche. Eine Stationskirche ist die Kirche, bei welcher man sich an diesem bestimmten Tag, zum Beispiel am Weihnachtstag aufhält. Das lateinische Wort statio bedeutet ja Standort, Aufenthalt. Wissen muss man auch, dass mit der Stationskirche immer eine bestimmte Kirche der Stadt Rom, im Zentrum der Christenheit, gemeint ist.
        Beim Messformular für den ersten Januar steht: Statio ad Sanctam Mariam trans Tíberim – Aufenthalt oder Standort der Tagesfeier bei Sancta Maria jenseits des Tiber (das ist heute Trastevere). Das bedeutet, dass der Papst in vergangenen Zeiten am ersten Januar den Hauptgottesdienst in der erwähnten Kirche feierte. Dabei wurde die Kirche jeweils mit Bezug auf das Festgeheimnis gewählt. So hatte und hat denn die Feier des ersten Januars einen besonderen Bezug zu Maria. Das erfahren wir eigens in den Gebeten der Liturgie dieses Tages. Daher war im Tagesgebet die Rede von der Gottesmutter: Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Mensch­heit das ewige Heil geschenkt. Lass uns immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat.
      Der erste Januar ist der achte Tag nach Weihnachten, der sogenannte Oktavtag. Hohe Feierlichkeiten werden acht Tage lang begangen. Der Neujahrstag bildet den Abschluss des Weih­nachtsfestes. Da am achten Tag der neugeborene jüdische Knabe beschnitten wird, ist es auch der Namenstag des Herr­n. Denn mit der Beschneidung wird gleichzeitig der Name gegeben und die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk bestätigt. Der Knabe erhält das Bundeszeichen des Volkes Gottes. Er ist Glied des Volkes Gottes. Sein Name sozusagen wird eingeschrieben ins Verzeichnis der Zugehörigkeit zum Volk Gottes.

          Mit der Namengebung, welche vom Engel Gabriel verordnet war (vgl. Lk 1,31: … dem sollst du den Namen Jesus geben), rückt nochmals das große Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und das Geheimnis der Erlösung (Jesus bedeutet „Gott erlöst“) in den Mittelpunkt. Wir besinnen uns ein weiteres Mal auf das Ereignis in Nazareth. Wir erinnern uns an die Ankündigung des Engels.
        Mit dem Geheimnis, mit der Glaubenswahrheit der Mensch­werdung des Sohnes Gottes ist nun das Geheimnis, die Glaubenswahrheit der jungfräulichen Geburt verbunden. Die Menschwerdung war nur durch die jungfräuliche Geburt möglich. Die jungfräuliche Geburt ist sozusagen der Beweis – vielleicht besser der Erweis, das sichere Zeichen – für die Menschwerdung Gottes. Deshalb staunen wir an Weihnachten nicht nur vor dem Kind in der Krippe, wir staunen auch vor der Tatsache der jungfräulichen Mutterschaft Marias. Eben der erste Januar bringt dieses Staunen zum Ausdruck und rückt mit dem göttlichen Kind auch die Gottesmutter ins Licht. Die Liturgie dieses Tages vergleicht daher Maria mit jenem heiligen Ort, wo Moses beim brennenden Dornbusch Gott begegnete. Der brennende Dornbusch wird zu einem Vorausbild, zu einem Typus der jungfräulichen Mutterschaft. Es erweist sich die Parallele: Gott erscheint im brennenden Dornbusch – Gott erscheint in Maria: O Dornbusch, den Moses schaute! Brennend verbranntest du nicht. In dir erkennen wir ein Gleichnis der seligen Jungfrau, die unversehrt gebar.
        Damit unterstreicht die Feier die Macht der Fürbitte Marias. Denn als Gottesmutter und Jungfrau hat Maria eine ausgezeichnete Stellung in der Heilsgeschichte inne, so dass auch ihre Fürbitte ihre eigene Wirksamkeit hat. Deshalb finden wir im Gebet zum Offertorium die Worte: Barm­herziger Gott … Höre auf ihre (Marias) Fürsprache. Maria soll, kraft ihrer Erwählung durch Gott, für uns Menschen, für unser Heil in besonderer Weise einstehen.
        Von daher betrachtet, ist der Blick auf Maria auch am Neujahrstag sinnvoll und heilsam. Wir beginnen das neue Jahr unter der Führung jener Frau, die uns den Heiland geboren hat, die daher ein besonderes Herz hat für uns, für unsere Welt, die so sehr der Erlösung bedarf, die so sehr der Begegnung mit Gott bedarf, die uns durch Maria zuteil wurde und so oft zuteil wird, als wir uns der Gottesmutter anvertrauen. Ja, sie ist der Dorn­busch, der nicht verbrennt, sondern uns Gottes Gegenwart erschließt. Sie ist ein Zeichen für Gottes Gegenwart unter uns. Mö­ge daher jeder Tag im neuen Jahr ein Tag werden, der uns Gottes Nähe durch Maria zusichert. Amen.

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