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Predigt von Bischof Peter Bürcher am 15. August 2019 in der Kathedrale in Chur

In der Hagiographie und im Lauf der Kirchengeschichte sehen wir, wie schön und groß die Menge derer ist, die keine Angst gehabt haben, ihr Vertrauen in unsere himmlische Mutter Maria zu setzen! Sie folgen so, einer gesunden Mariologie entsprechend, dem was der hl. Maximilian Maria Kolbe sagte: „Habt keine Angst, die Unbefleckte zuviel zu lieben, denn ihr werdet sie nie im gleichen Masse lieben können, wie sie ihr Sohn Jesus geliebt hat!“. Eine solche Haltung kann uns auch im ökumenischen Gespräch über Maria sehr hilfreich sein!

Den Heiligen Maximilian Maria Kolbe haben wir gestern gefeiert! Seine Evangelisierung umfasst alle Mittel des Apostolates: Rede, Versand von Tausenden wunderbaren Medaillen, Presse, Kino, Theater, Radio, Flugzeug… „Aber vor allem“, sagte er zu seinen Brüdern, „Beispiel, Gebet, Leiden in der Liebe, dies ist das wahre Handeln“. Unsere größte Aufgabe besteht darin, im praktischen Leben zu zeigen, wie der Ritter der Unbefleckten sein sollte. So wie er, der zu harter Arbeit im Todeslager Auschwitz verurteilt war und ein Sonnenstrahl für seine Mitgefangenen war. Im Jahr 1941 starb er im Hungerbunker am Vorabend des Festes Mariä Aufnahme in den Himmel, nachdem er sein Leben für einen tapferen, zum Tod verurteilten Familienvater geopfert hatte. So erklärte er in kurzen Worten das Dogma von Mariä Aufnahme in den Himmel: „Es war notwendig, dass diese allerheiligste Seele sich von diesem heiligen Körper entfernt. Sie verließ ihn und wurde mit der Seele des Sohnes vereint, sie, ein erschaffenes Licht mit dem Licht ohne Anfang vereint …“

Ein anderes leuchtendes Beispiel in der Kirchengeschichte in Bezug auf Maria ist dieses: Einige Wochen vor seinem Tod (2005) unternahm der hl. Johannes Paul II. die letzte Pilgerfahrt seines Lebens nach Lourdes. Obwohl durch das Alter und sein körperliches Leiden ganz gebeugt, war der Papst dank seines tiefen Glaubens an den Heiligen Geist spirituell noch sehr stark. Er war innerlich durch den gleichen Heiligen Geist gestärkt, der auf Maria gekommen war, um sie zur Mutter Gottes zu erwählen. Dieser gleiche Heilige Geist hat die kleine Magd von Nazareth in jeder Phase ihres Lebens begleitet. Er ist es auch, der schließlich Maria am Ende ihres irdischen Lebens in den Himmel geführt hat, damit sie einschlafen konnte, dem Wort „Dormitio“ entsprechend, das die orientalischen Christen gebrauchen, um von der Aufnahme Mariä in den Himmel zu sprechen. Mit Körper und Seele wurde Maria in die Arme des Vaters und so durch ihren himmlischen Sohn in die Liebe des Hl. Geistes aufgenommen. Denn da kam schließlich die Zeit der Aufnahme: die Zeit in welcher Gott vom Himmel Maria zu sich gerufen hatte.

In seiner Enzyklika „Redemptoris Mater“, über die Selige Jungfrau Maria im Leben der pilgernden Kirche, schreibt Papst Johannes Paul II.: „Die Magd des Herrn, nimmt teil an der Herrschaft des Sohnes. Die Herrlichkeit des Dienens bleibt ihre königliche Würde: Nach ihrer Aufnahme in den Himmel endet nicht jener Heilsdienst, in dem sich ihre mütterliche Vermittlung ‚bis zur ewigen Vollendung aller Auserwählten‘ ausdrückt. So bleibt diejenige, die hier auf Erden ‚ihre Verbundenheit mit dem Sohn in Treue bis zum Kreuz bewahrte‘, weiterhin dem verbunden, dem schon ‚alles unterworfen ist, bis er selbst sich und alles Geschaffene dem Vater unterwirft‘. So ist Maria bei ihrer Aufnahme in den Himmel gleichsam von der ganzen Wirklichkeit der Gemeinschaft der Heiligen umgeben, und ihre eigene Verbundenheit mit dem Sohn in der Herrlichkeit ist ganz auf jene endgültige Fülle des Reiches ausgerichtet, wenn »Gott alles in allem sein wird«“ (41).

Meine Lieben, auch wir verehren und lieben Maria nicht nur weil sie die Königin des Himmels ist, sondern auch weil sie unsere Mutter ist. Sie ist unter allen Frauen gebenedeit. Maria, voll der Gnade, ist nicht weit von uns entfernt, als hätten wir keinen Zugang zu ihr. Wir gehören zur gleichen Familie. Alle Grenzen von Zeit und Geschichte überschreitend, sind wir, in der Gnade, Brüder und Schwestern Jesu, unserem Erlöser und Herrn und deshalb ist Maria unsere Mutter. „Siehe, deine Mutter!“, sagte Jesus zu Johannes. „Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“ (Joh 19,27). Ihre innere Schönheit, als Abbild Gottes, spiegelt sich in unserem Herzen, welches auf die Barmherzigkeit Gottes und auf das ewige Leben hofft und vertraut. Durch die Gnade Gottes werden auch wir eines Tages dort aufgenommen werden, dafür beten wir; und dies auch mit all denen, welchen wir durch unsere Worte, Taten und Gebete geholfen haben werden, in den Himmel zu kommen. Die Aufnahme Mariens in den Himmel kündigt an, dass Gott der Vater uns zum ewigen Leben ruft; es liegt an uns, mit der Gnade des Hl. Geistes und der Hilfe unserer himmlischen Mutter, in der Nachfolge Jesu und aller Heiligen, darauf zu antworten! Und dies, wie es uns Papst Franziskus am letzten Sonntag erklärte: „Die Füße auf der Erde. Auf der Erde gehen und arbeiten, aber das Herz voller Sehnsucht nach dem Himmel…“ Amen.

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