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Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Einsegnung des Vinzenzheims am Sonntag, 11. November, in Zürich

Brüder und Schwestern im Herrn

Aus dem Reichtum der eben vernommenen Schriftworte, nämlich aus dem ersten Buch der Könige, aus dem Brief an die Hebräer und aus dem Markusevangelium, möchte ich die zweite Lesung aufgreifen und dazu eine kurze Erklärung geben. Denn von den drei Texten ist dieser wohl für das Verständnis der Gläubigen der schwierigste.
        Der Abschnitt aus dem Brief an die Hebräer beginnt mit den Worten: Chris­tus ist nicht in ein von Menschenhand errichtetes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbs­t, um jetzt für uns vor Gottes Angesicht zu erscheinen (Hebr 9,24). Der Apostel denkt in diesem Augenblick an die Himmelfahrt Christi, wenn er vom Hineingehen ins Heiligtum spricht. Christus ist nach seiner Auferstehung zu Gott, seinem Vater, in den Himmel zurückgekehrt. Der Himmel ist das Heiligtum, das nicht, wie es der Apostel sagt, von Menschenhand gemacht ist. Er ist das Heiligtum, in welchem wir Gott unmittelbar erfahren.
        Von Menschenhand gemacht ist dagegen der Tempel von Jerusalem – und jedes irdische Gotteshaus. Der Tempel ist auch eine Stätte der Gottesbegegnung. Aber, wie es der Brief an die Hebräer betont: Er ist ein Abbild des wirklichen Heiligtums, also ein Abbild des Himmels, ein Abbild des göttlichen Bereichs. Wir könnten auch sagen: Er ist eine Kopie und nicht das Original.
        In dieses Abbild des Himmels, in den Tempel zu Jerusalem, ging jeweils der Hohepriester in jenen Raum hinein, den er allein, und nur einmal im Jahr, betreten durfte, ins sogenannte Allerheiligste. Deshalb spricht der Apostel vom Hohenpriester, der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht (Hebr 9,25). Mit dem fremden Blut ist das Blut von Tieren gemeint, von Opfertieren. Mit diesem Blut sollte der Hohepriester das Volk Israel mit Gott versöhnen. Er sollte Gott um Vergebung aller Sünden des Volkes bitten. Das war ein vorgeschriebener, festgelegter Ritus.
        Der Apostel sagt nun, dass dieser Versöhnungsritus abgelöst wurde. Er ist, mit einem Fachausdruck gesagt, obsolet. Er ist nicht mehr in Kraf­t, da ihn Chris­tus durch seinen Tod am Kreu­ze, also durch sein eigenes Blut, ersetzt hat. Es ist nicht mehr das Blut von Tieren, welches die Versöhnung erwirkt. Es ist das Blut Christi, welches alle Sünden tilgt.
        Mit diesem seinem eigenen Blut ist der Herrn nun nicht in das irdische, von Menschenhand errichtete Heiligtum hineingegangen, in den Tempel, sondern in den Himmel, in die unmittelbare Gegenwart Gottes, seines Vaters. Mit diesem seinem Blut ist er vor den Vater im Himmel getreten, um für unsere Sünden die Versöhnung zu erlangen. Deshalb betont der Brief an die Hebräer: Jetzt aber ist er (Christus) am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen (Hebr 9,26). Die Hohenpriester haben viele Male, eben jedes Jahr, das Allerheiligste mit dem Blut des Opfertieres betreten. Viele Male muss­te das Opfer dargebracht werden. Bei Jesus Chris­tus ist das anders. Er hat ein einziges Opfer dargebracht – ist ein einziges Mal erschienen – , indem er am Kreuze für uns starb. Dieses eine Opfer genügt für alle Zeiten, es genügt zur Tilgung aller Sünden der Menschen.
        Mit diesem Hinweis möchte ich schließen und darauf aufmerksam machen, dass die Heilige Messe das eine Opfer Jesu Christi darstellt. Die Heilige Messe oder Eucharistie ist keine Wiederholung des Kreu­zesopfers, so dass Christus sich selber viele Male opfert, wie es der Hebräerbrief von den vielen Opfern des Alten Bundes sagt. Vielmehr ist die Heilige Messe, und dies auf das Wort Jesu hin, die Vergegenwärtigung des einen und einzigen Kreuzesopfers. Durch die Heilige Messe wird das eine Kreuzesopfer für uns zur ständig fließenden Quelle der Gnade, das heißt des göttlichen Lebens, bis der Herr das zweite Mal komm­t, um uns zu retten (Hebr 9,28), das bedeutet, in die ewige Herrlichkeit des Himmels aufzunehmen. Deshalb ist jede Heilige Messe ein großes Geschenk und wir sollten an ihr so oft als möglich teilnehmen, sicher aber jeden Sonntag. Amen.

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