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Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich der Priesterweihe vom 7. Dezember 2018 in Disentis

Meine Lieben,

die Weihe ist ein Sakrament. Das heißt: Die Weihe ist eine heilige und göttliche Wirklichkeit. Sie ist eine Heilsgabe unseres Herrn und erfordert daher sowohl von den Geweihten selber, wie auch von jedem anderen Gläubigen Achtung und Ehrfurcht: Von den Geweihten selber, indem sie dem Versprechen, welches sie durch den Bischof dem Herrn geben, treu bleiben, nicht wortbrüchig werden und heilig leben; von den Gläubigen, indem sie die Berufungen für das Weihesakrament fördern und die Geweihten wie Jesus selber aufnehmen im Sinne des Wortes unseres Herrn: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf (Mt 10,40).
Die Weihe ist ein Sakrament. Deshalb ist sie für die Kirche unverzichtbar. Sie ist auch gut zu unterscheiden vom allgemeinen Priestertum der Getauften. Denn zwischen dem allgemeinen Priestertum und dem Priestertum des Dienstes, des Ordo, des Weihesakraments, besteht ein Wesensunterschied. So besteht auch ein Wesensunterschied zwischen einer Missio, einer Sendung des Bischofs etwa für Laientheologinnen und Laientheologen, und einer ordinatio, einer Priesterweihe durch den Bischof. Es würde der Kirche, dem Leib des Herrn, ein wesentliches und lebenswichtiges Glied fehlen, wenn es keine Priester gäbe und in ihr das Sakrament der Weihe zum Erliegen käme. Die Kirche wäre nicht mehr das, wozu sie der Herr ins Leben gerufen hat: Ort der Fülle der Gnadengaben. Es würde ihr die Darstellung des Hauptes fehlen, das dem Priester eigene Wirken in persona Christi würde ihr fehlen.
        Das Sakrament der Weihe gliedert sich in drei Stufen: Die Diakonenweihe, die Priesterweihe und die Bischofsweihe. Jede Weihestufe ist mit geistlichen Vollmachten ausgestattet. Diese geistlichen Vollmachten in Erinnerung zu rufen, das ist nicht Klerikalismus, das ist Darlegung der Wahrheit, Verteidigung des Glaubens und Schutz für eine Gabe, die der Herr selber seiner Kirche geschenkt hat und in ihr durch den Vollzug des Weihesakramentes durch den Bischof erneuert.
        Der Herr hat das Sakrament der Weihe seiner Kirche anvertraut, indem er die Apostel, die elf Jünger, mit den Worten aussandte: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe (Mt 28,18-19). Der Herr hat das Sakrament der Weihe seiner Kirche anvertraut, indem er den Aposteln im Abendmahlssaal den Auftrag gab: Tut dies zu meinem Gedächtnis (Lk 22,19). Er hat das Sakrament der Weihe der Kirche geschenkt, indem er den Jüngern die Vollmacht gab, Sünden zu vergeben: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten (Joh 20,23). Das sind alles Vollzüge im Wirken unseres Herrn, die das Sakrament der Weihe festsetzten, und welches der Bischof durch Handauflegung und Gebet spendet.
        Diese Handlungen unseres Herrn und die damit verbundenen Vollmachten in unserer Zeit in Erinnerung zu rufen, ist, ich wiederhole, alles andere als Klerikalismus. Es ist eine Verpflichtung einer ‚antiklerikalen‘ Gesellschaft gegenüber, einer Gesellschaft gegenüber, welche den Kleriker geradezu vernichten will. Deshalb ist die Beschimpfung des Klerikers mit Blick auf den Ausdruck Klerikalismus nicht angebracht. Es ist ja verwerflich. Im Gegenteil, wir müssen jedem Mut zusprechen, der dem Ruf des Herrn folgt und sich unter seine Jünger eingliedern lässt – also Kleriker wird – Diakon, Priester, Bischof – und der seine Vollmacht gewissenhaft wahrnimmt.
        Damit stehen wir bei dem entscheidenden Ausdruck, den wir im Zusammenhang mit dieser Priesterweihe hervorheben wollen, beim Ausdruck Kleriker. Unser lieber Diakon Paul ist gemäß der Diakonenweihe bereits Kleriker und schreitet zu einer weiteren Stufe eines Klerikers, zur Stufe des Priestertums. Das Wort Kleriker stammt vom griechischen κλ­ρς, was Los bedeutet, Anteil, Erbteil. Der Kleriker ist einerseits ein Mann, der vom Herrn sein Los zugeteilt erhält, das besondere Los eines Diakons, eines Priesters oder eines Bischofs. Der Kleriker ist anderseits ein Mann, der Anteil nimmt am Los des Herrn, der sich ganz dem Herrn schenkt, der mit dem Herrn geht, mit ihm bis zum Kreuz geht: Wer mein Jünger sein will (hinter mir hergehen will), verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Mt 16,24). Wenn jemand … nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein (Lk 14,26). Das ist es, was der Herr selber von seinen Jüngern verlangt. Nebenbei gesagt: Der Zölibat gründet auf dem Wort des Herrn selber, ebenso auf seiner Lebensweise.
        Der Kleriker ist ein Mann, der, wie es Jesus sagt, den Kelch trinkt, den der Herr trinkt: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde (Mt 20,22). Das bedeutet Kleriker sein, das bedeutet Priester sein. Wobei der Priester ganz besonders auf den priesterlichen Auftrag hin geweiht wird, der darin besteht, das Opfer des Kreuzes darzubringen und den Dienst der Sündenvergebung wahrzunehmen. Das ist der Kern des Priestertums, der erste Dienst des Priesters, das, was den Priester ausmacht.
        Um diesen Dienst zu erfüllen, hat der Herr das Sakrament der Weihe eingesetzt. Das heißt: Der Herr hat diesen Dienst mit einer besonderen Gnadengabe ausgestattet und mit einem besonderen geistlichen Kennzeichen versehen. Diese Gnadengabe darf der Bischof nun unserem Diakon Paul vermitteln, und ihm dieses geistliche Kennzeichen einprägen. Es ist daher meine große Bitte an den Weihekandidaten, diese Gnadengabe nicht zu verlieren und dieses priesterliche Kennzeichen nie zu verleugnen. Gerne werde ich mit allen hier anwesenden dafür beten. Amen.

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